Verkehr Lkw fahren mautfrei um Donzdorf

Auf dem Schild wird die Ortsumfahrung zwar als „B 466“ bezeichnet, doch in Wirklichkeit ist die innerörtliche Straße durch Donzdorf die Bundesstraße. Die Umfahrung ist eine Kreisstraße.
Auf dem Schild wird die Ortsumfahrung zwar als „B 466“ bezeichnet, doch in Wirklichkeit ist die innerörtliche Straße durch Donzdorf die Bundesstraße. Die Umfahrung ist eine Kreisstraße. © Foto: Giacinto Carlucci
Donzdorf / Dirk Hülser 06.07.2018
Auch acht Jahre nach Einweihung der Ortsumfahrung führt die Bundesstraße durchs Stadtzentrum.

Mit der Einführung der Lkw-Maut auf allen Bundesstraßen hat sich in Donzdorf eine kuriose Situation ergeben: Schwere Lastwagen, die durch den Ort fahren, müssen die Maut bezahlen, wer auf der Umgehungsstraße fährt, spart sich das Geld. „Es könnte sein, dass Lkw-Fahrer besonders gern um Donzdorf rumfahren“, meint Bürgermeister Martin Stölzle.

Der Grund dafür liegt in den unterschiedlichen Straßenkategorien, wie Stölzle erläutert: „Die Umgehung ist zwar als Bundesstraße beschildert, klassifiziert ist sie aber anders.“ Nämlich als Kreisstraße. Und das dürfte noch eine Zeit lang so bleiben, auch wenn Donzdorf und der Landkreis bereits seit Jahren anstreben, diesen Zustand zu ändern. Doch mal eben so aus einer Kreisstraße eine Bundesstraße zu machen, das wäre ja zu einfach.

Hintergrund der ganzen Verwirrung ist der Wunsch der Donzdorfer nach einer Umgehungsstraße, der 2010 Wirklichkeit wurde. Da der Bund sie nicht bauen wollte, nahm die Stadt sich des Themas selbst an und konnte dank hoher Zuschüsse das 19-Millionen-Projekt auch stemmen. Die Umfahrung war von Anfang an eine Kreisstraße, die Bundesstraße an sich führte weiterhin durch den Ort – bis heute. Was bedeutet, dass der Bund bei jedem Eingriff ein gehöriges Wort mitzureden hat, dafür aber auch zahlen muss.

Durch ein Tauschgeschäft war Donzdorf nie für den Unterhalt der Umgehung zuständig – das ist Sache des  Landkreises: „Der Kreis hat die Ortsumfahrung übernommen, wir dafür die Kreisstraßen nach Reichenbach und von Reichenbach nach Winzingen“, erklärt Stölzle. Deshalb gehört die 4,3 Kilometer lange Straße samt des 180 Meter langen Hochbergtunnels dem Landkreis. Doch für die Ortsdurchfahrt ist noch immer der Bundesverkehrsminister zuständig. „Veränderungen sind für uns einfacher, wenn’s eine Gemeindestraße ist“, meint Stölzle aber und will die Umwidmung weiter vorantreiben.

Doch so schnell wird das wohl nicht gehen. „Zum Umklassifizieren muss die Maßnahme erst abgeschlossen sein“, sagt der Bürgermeister. Die Straße ist zwar längst in Betrieb, aber das Flurbereinigungs-Verfahren noch immer nicht beendet. „Es gibt ein paar Wege, über die man noch verhandelt“, meint Stölzle. „Wir überlegen gerade, wann man sagt, jetzt wird abgerechnet“, plaudert er aus dem Nähkästchen, betont aber, dass noch nichts spruchreif sei: „Das müsste dann natürlich der Gemeinderat entscheiden.“

Selbst wenn das Verfahren abgeschlossen ist, heißt das noch lange nicht, dass Donzdorf seine Ortsdurchfahrt übertragen bekommt. Martin Stölzle kennt einen weiteren Haken: „Es muss mindestens eine Kreisstraße durch Donzdorf führen, um die Kreisstraße auf den Messelberg anzubinden.“ Dies sei Vorschrift, eine Kreisstraße müsse immer durchgängig sein. Eine Idee sei nun, das Teilstück vom Steinernen Kreuz bis zur Messelbergsteige als Kreisstraße auszuweisen. „Der Ast nach Süßen wäre dann Gemeindestraße“, führt der Rathauschef den Gedanken zu Ende. Dann hätte Donzdorf zumindest eine halbe Ortsdurchfahrt in seinem Besitz.

Aber das kann dauern. Und so lange bleibt die Ortsumfahrung für Lastwagen kostenlos. Bürgermeister Stölzle bringt’s auf den Punkt: „Das ist eine relativ komplizierte Kiste.“

Der erste Abschnitt war schon 2007 fertig

Einweihung: Vor fast auf den Tag genau sechs Jahren, am 10. Juli 2010, wurde die rund 4,3 Kilometer lange Umfahrung von Donzdorf mit einem Fest eingeweiht. Das 19-Millionen-Euro-Projekt wurde zu 70 Prozent aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes bezahlt. Der erste Abschnitt von der B  466 westlich von  Donzdorf bis zur Reichenbacher Straße war im Oktober 2007 fertig.

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