Futter Lieber einmal Stress als das ganze Jahr über

Kaisers Kühe: Silage im Stall statt Gras auf der Weide.
Kaisers Kühe: Silage im Stall statt Gras auf der Weide. © Foto: Thomas Hehn
Schnittlingen / Thomas Hehn 12.05.2018

Großkampftag: Von morgens halb sechs bis spät in die Nacht um halb eins. Warum tut sich Simon Kaiser das an und treibt seine Kühe nicht einfach auf die Weide? „Weil ich nicht das ganze Jahr über Stress haben will“, kontert der Milchbauer. Wie soll das gehen: Jeden Morgen 75 Milchkühe auf eine der
30 Wiesen treiben, die er besitzt oder gepachtet hat. Und dann abends wieder zum Melken zurück in den Stall.

Aber es sind nicht nur arbeitsökonomische Gründe, warum Kaiser lieber siliert als Weidewirtschaft betreibt. Der Landwirt will auch das beste Futter für seine Kühe. Ist frisches Gras nicht die beste und artgerechteste Ernährung fürs Vieh? „Im Grunde schon“, räumt Kaiser ein. Aber Gras bleibt nicht ewig frisch. Es wächst und damit wandern wichtige Nährstoffe in die Blüte ab. „Vor allem der Eiweißgehalt sinkt“, klärt Kaiser auf. Wenn er frisches Gras siliert und damit haltbar macht, wird auch der wichtige Energieträger konserviert. Ist das Gras nachgewachsen, landet der nächste Schnitt – wieder frisch und energiereich im Silo. Bis zu vier Mal im Jahr kann Kaiser mähen und damit jeweils ein Silo füllen. Das reicht übers Jahr – und erleichtert dem Schnittlinger Bauern die Arbeit: Futter im Silo und Kühe im Laufstall sind nah beieinander.

Der 29-Jährige hat schon überlegt, zumindest sein Jungvieh auf die Weide zu lassen. Das wird nicht gemolken und braucht demnach auch weniger energiereiches Futter. „Davon werden die Rinder nur fett.“ Kaiser hat den Gedanken letztendlich wieder verworfen. Vor allem aus Sicherheitsgründen. „Was mache ich, wenn so ein junges Rind  ausbüxt und von der Weide auf die Straße läuft? Bei einem Unfall haftet erst mal der Halter.“

So, wie das Jungvieh nicht auf Kaisers Wiesen darf, landet auch nicht alles Gras in seinem Silo. Auf ein paar Hektar Wiesen lässt Kaiser das Gras bewusst wachsen. Erst wenn es blüht, wird gemäht und gewendet, damit das Grün in der Sonne zu Heu trocknet. Kühe sind Wiederkäuer und brauchen für die Verdauung Rohfasern. Und das liefert ihnen das verholzte Heu. In unserer  Region wird in der Regel zwei Mal Heu gemacht: Nach dem Heuen folgt das Öhmd.

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