Leitartikel Marcus Zecha zu den Theatertreffen im Landkreis Leitartikel zu den Theaterfestivals im Kreis

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Kreis Göppingen / Marcus Zecha 05.05.2018

Das am Mittwoch beginnende Internationale Theaterfestival ist ein ganz besonderes – nicht nur, weil bereits zum zehnten Mal großes Theater im kleinen Donzdorf über die Bühne geht, sondern auch, weil es das erste ohne seinen Gründer und Impresario Gerhart Kraner ist. Die Vorzeichen, dass nach dessen Ausscheiden das Festival bruchlos weiter geht, sind gut: Ein ambitioniertes Programm mit 16 Ensembles von drei Kontinenten sorgen für Kontinuität. Spannende Gruppen aus China, Israel, Ägypten und dem Iran wollen zeigen, was sie bewegt, vermeintliche Feinde werden abends zusammen an der Bar sitzen, diskutieren und Kontakte austauschen. 2015 konnte mit diesem durchaus politisch gemeinten Konzept sogar ein Besucherplus verbucht werden – und dies in Zeiten, in denen bundesweit das Interesse an Amateurtheater eher nachließ.

So auch bei den Göppinger Theatertagen: Die erlebten im Jahr 2017 einen Zuschauer-Einbruch und müssen sich nach dem Rückzieher des Kreisjugendamts nun neu organisieren. Sollte niemand in die Bresche springen, droht sogar ein jähes Ende einer mehr als 50-jährigen Tradition.

Zugegeben: Der Vergleich der beiden Festivals hinkt. Das beginnt schon damit, dass die Theatertage eben gar kein Festival sind, sondern eine Mischung aus Fachtagung und Schauspieltreffen, mit der man alle zwei Jahre die Vielfalt der Jugendtheaterarbeit aufzeigt. Außerdem sind Finanzierung und Organisation über Landkreis, Stadt und Freundeskreis komplexer als im kleinen, kompakten Donzdorf.

Doch es gab auch hausgemachte Fehler der Göppinger: So ist es versäumt worden, das Interesse der breiten Bevölkerung wach zu halten. Dazu passt, dass gleich zwei populäre Gruppen, das Stuttgarter teatro piccolo und das Agora-Theater, dem Treffen bereits länger fern bleiben. So musste der Landkreis, der auch die organisatorische Hauptlast der Theatertage trägt, zuletzt noch ein Defizit von 20 000 Euro stemmen.

Inhaltlich ist an den Theatertagen wenig auszusetzen. Viele Gruppen schwärmen von der schönen Atmosphäre – und kommen immer wieder gern nach Göppingen. Nun gilt es, weitere engagierte Ehrenamtliche und an Theater interessierte Bürger ins Boot zu holen.
Ideen gibt es genug. Und wenn das kleine Donzdorf sein Festival stemmen kann, sollte auch die Finanzierung nicht an Kreis- oder Stadtverwaltung scheitern.