Kreis Göppingen Lehrer werden weiter fehlen

Die derzeitige Grippewelle ist nicht der einzige Grund für den Ausfall von Unterricht an den Schulen im Kreis.
Die derzeitige Grippewelle ist nicht der einzige Grund für den Ausfall von Unterricht an den Schulen im Kreis. © Foto: Peter Endig (dpa)
Kreis Göppingen / Maximilian Haller 14.03.2018
Landesweit wird über Unterrichtsausfall geklagt. Auch im Kreis macht sich der Lehrermangel bemerkbar. Schnelle Besserung ist nicht in Sicht.

Die Grippewelle rollt durchs Land. Wie viele andere Berufsgruppen, sind auch Lehrkräfte davon betroffen. „Dem Schulamt liegen derzeit diesbezügliche jahreszeitbedingte Ausfallmeldungen vor“, berichtet Jörg Hofrichter, Amtsleiter des Staatlichen Schulamts Göppingen. Der Pflichtunterricht sei allerdings weitgehend gesichert.

Die Grippewelle ist jedoch nicht der einzige Grund für den Unterrichtsausfall. Ein genereller Lehrermangel macht sich seit Jahren bemerkbar – auch im Landkreis Göppingen.

„Im Vergleich zu anderen Schulformen stehen Gymnasien gut da“, findet Susanne Stephan, Schulleiterin des Werner-Heisenberg-Gymnasiums Göppingen. Insgesamt seien sie gut mit Personal aufgestellt, allerdings würden vermehrt Lehrer für bestimmte Fächer fehlen. Insbesondere naturwissenschaftliche Fächer und der Sportunterricht seien davon betroffen. Fallen Lehrkräfte für diese Fächer krankheitsbedingt aus, gäbe es niemanden, der für sie einspringen könne. „Darüber hinaus führt der neue Bildungsplan häufiger zu Unterrichtsausfällen“, erklärt Stephan.

Die stärkere Gewichtung von Fächern wie Informatik und ­Wirtschaft habe zur Folge, dass Kollegen sich fortbilden lassen müssen und während dieser Zeit natürlich nicht unterrichten ­können. Das Staatliche Schulamt vertritt hingegen die Ansicht, dass der Bildungsplan in keiner Relation zum Unterrichtsausfall steht. Alle Elemente des Bildungsplans seien mit Schuljahresbeginn im vergangenen September schon in die Unterrichtsversorgung eingeplant, meint Jörg Hofrichter.

Neben den Lehrern bemerken auch die Eltern der Schüler, dass der Unterricht häufig ausfällt. „Das Thema Lehrermangel und der daraus resultierende Unterrichtsausfall beschäftigt den Elternbeirat seit Jahren“, berichtet die Göppinger Gesamtelternbeiratsvorsitzende Stephanie Hansert-Schrupp. Freie Lehrerstellen gebe es genug, allerdings sei einfach nicht genügend Personal da, um diese zu besetzen. Erst in drei bis fünf Jahren werde sich die Lage etwas entspannen, so Hansert-Schrupp.

Um längerfristigen Ausfällen entgegenzuwirken, werden immer häufiger pensionierte Lehrkräfte sowie sogenannte „Nicht-Erfüller“, also Personen mit pädagogischer Ausbildung ohne zweites Staatsexamen, eingesetzt. Auch an der Messelbergschule Donzdorf werden solche „Nicht-Erfüller“ dringend benötigt. „Wir haben das Schuljahr mit 20 Minusstunden begonnen, aktuell befinden wir uns 40 Stunden im Minus“, erzählt Schulleiter ­Erich Ege.

Keine rosigen Perspektiven

Die zukünftige Entwicklung hinsichtlich des Lehrermangels – zumindest in den nächsten paar Jahren – sieht nicht gerade rosig aus. In der Vergangenheit sei es ihnen gelungen, den Bedarf an Lehrern bei längerfristigen Ausfällen abzudecken, schildert Jörg Hofrichter die Situation.

Nun räumt das Staatliche Schulamt ein, dies zukünftig nicht mehr in vollem Umfang gewährleisten zu können. Man müsse sowohl mit quantitativer als auch mit qualitativer Unterdeckung rechnen, so Hofrichter. Das bedeute, dass bestimmte Unterrichtsfächer durch Lehrkräfte vertreten werden, die hierfür originär nicht qualifiziert seien, so könne beispielsweise für Aufgaben der Inklusion nicht mehr nur auf Sonderpädagogen zurückgegriffen werden.

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