Über 600 junge Leute starteten jetzt ihre Ausbildung. Die Lehrverträge der Unternehmen, die der IHK-Bezirkskammer Göppingen angehören, haben im Vergleich zum Vorjahr um rund 200 abgenommen. Auch in der Region Stuttgart ist es rückläufig. „Diese Zahlen sind für uns überhaupt nicht erfreulich und wir sehen diese Entwicklung mit großer Sorge“, betont Wolf Martin, der Präsident der IHK-Bezirkskammer in Göppingen. Durch die Coronakrise seien auch im Kreis zahlreiche Unternehmen gezwungen, ihr Ausbildungsengagement zu reduzieren oder sogar ganz aufzugeben.

Gastronomie und Kleinbetriebe schwer gebeutelt

Vor allem die Gastronomie, der Handel sowie kleinere Industriebetriebe sehen sich derzeit nicht in der Lage, in die Ausbildung zu investieren. „Wir rechnen dennoch fest mit weiteren Vertragsabschlüssen, nachdem wir in den letzten Wochen noch hunderte Verträge aus der gesamten Region zugesandt bekommen haben“, zeigt sich Göppingens IHK-Teamkoordinator Burghard Rolf optimistisch. Sein Team sitzt als zentrale Eintragungsstelle von Ausbildungsverhältnissen für die ­Region Stuttgart in der IHK-Bezirkskammer Göppingen.

Eislingen/Göppingen

360 unbesetzte Lehrstellen in der Region

Interessierte, die eine Lehrstelle im Landkreis suchen, haben auch nach dem offiziellen Beginn des Ausbildungsjahres gute Chancen. So bietet die IHK den Service „gemeinsam (weiter) ausbilden“ an, um zum Beispiel Auszubildende aus insolventen Betrieben in der Region in andere Ausbildungsbetriebe zu vermitteln. In der IHK-Lehrstellenbörse (www.ihk-lehrstellenboerse.de) können Ausbildungssuchende noch nach freien Lehrstellen für dieses Jahr suchen. Dort sind in der Region aktuell rund 360 Ausbildungsplätze als unbesetzt verzeichnet, darunter auch einige im Kreis Göppingen. Wolf Martin appelliert gleichzeitig an die Unternehmen, an der Ausbildung als Nachwuchsschmiede festzuhalten.

Start auch nach dem 1. September möglich

Zum Ausbildungsstart am 1. September haben 3639 Jugendliche in der Region Stuttgart eine duale Ausbildung in einem der 130 Ausbildungsberufe im Handwerk begonnen. Im Landkreis Göppingen sind es 445 im Vorjahr waren es 528 Azubis.
„Erfreulich ist, dass trotz Corona und der Folgen viele Handwerksbetriebe die Fachkräftesicherung in die eigenen Hände nehmen und weiterhin ausbilden“, beschreibt Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, die Situation. Zurückhaltender in Sachen Ausbildung waren vor allem Gewerke wie Friseure, Bäckereien, Metzgereien und das Kfz-Gewerbe. Deutlich optimistischer verhielten sich die Bau- und Ausbaugewerke wie Stuckateure und Zimmerer oder auch das Elektroniker-Handwerk.

Ausbildungsprämie rette Lehrstellen

Außerdem dürfe wegen Corona kein Jugendlicher den Anschluss für seine berufliche Zukunft verpassen. Die Betriebe und Handwerksorganisationen seien vorbereitet, dass noch Lehrverträge abgeschlossen werden.
Als einen positiven Ansatz bewertet Kammerchef Thomas Hoefling die vor kurzem eingeführte Ausbildungsprämie. „Sie hat sich in der kurzen Zeit als Motivationssignal bewährt, um in der aktuell wirtschaftlich schwierigen Situation die Ausbildungsleistung aufrecht zu erhalten – und das teilweise unter den Vorzeichen von Kurzarbeit oder Umsatzeinbußen.“

„Azubi gesucht“ unter azubigesucht.gp@stuttgart.ihk.de, Ausbildungsbetriebe dürfen ihre Ausbildungsstellen ebenfalls an das IHK-Team „Azubi gesucht“ melden.

Lehre 2020 Deutlicher Rückgang bei Ausbildungsverträgen