Interview Legal Highs: Gefährlicher Trip

Kreis Göppingen / ANNEROSE FISCHER-BUCHER 09.01.2018
Die Zahl der Todesfälle durch Neue Psychoaktive Stoffe nimmt zu. Dr. Leo Hermle klärt im Interview über die Drogen auf.

Dr. Leo Hermle vom Göppinger Christophsbad kennt sich mit Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS) aus. Bei einem Symposium bei der Landesärztekammer Stuttgart hielt er einen Vortrag über die Drogen, die teils als harmlos gelten, aber zum Tode führen können. Im Interview spricht er über die Risiken der Substanzen und auch über Cannabis, welches in manchen Ländern inzwischen frei erworben werden kann.

Sie waren Referent bei der Landesärztekammer in Stuttgart zum Thema Neue Psychoaktive Substanzen. Worum ging es da?

Leo Hermle: Es ging um lebensbedrohliche Substanzen in den NPS, die häufig unbekannt sind. Die Bezeichnung „Legal Highs“ soll nahelegen, dass es sich um harmlose legale Ersatzstoffe handle. Sie werden als getarnte harmlose Produkte wie Badesalze, Kräutermischungen oder Düngerpillen angeboten. Dahinter verbergen sich psychoaktive Substanzen mit hohem Risiko für den Konsumenten, die auf den Verpackungen mit keinem Wort erwähnt werden. In Baden-Württemberg steigt die Zahl der Todesfälle jährlich.

Warum sind die Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS) keinesfalls harmlos, sondern so gefährlich und sogar lebensbedrohlich?

Die Folgen sind je nach Substanz unterschiedlich und für den ­Konsumenten häufig nicht abschätzbar. Das kann zu schweren Intoxikationen (Vergiftungen) führen. Für Ärzte ist anhand der Symptome oft nicht ersichtlich, welche Art von Substanz konsumiert wurde. Entsprechend schwierig gestaltet sich dann eine Therapie.

In Kanada steht die Freigabe von Cannabis an und auch bei uns wird dies diskutiert. Sind Sie für eine
Freigabe?

Ich bin gegen eine generelle
Freigabe, weil sie den Einstieg in den Drogenkonsum mit unabsehbaren Folgen fördert. Leute, die labil sind, sind bei Cannabiskonsum gefährdet und bei Jugendlichen ist das unreife pubertäre Gehirn angreifbar, so dass hirnorganische Schäden die Folge sind. Persönlichkeitsstörungen, Psychosen, kognitive und affektive Störungen treten auf. Für Jugendliche gilt deshalb besonders: überhaupt keine Drogen. Nur bei medizinischer Indikation ist bei uns Cannabis erlaubt.

Was ist der Unterschied zwischen pflanzlichem und synthetischem Cannabis?

Man darf das nicht in einen Topf werfen. Die pflanzlichen Stoffe können abhängig machen, sind aber nicht lebensbedrohlich. Die synthetischen Cannabinoide hingegen sind gefährlich und haben gravierende Nebenwirkungen bis hin zur Todesfolge.

Wie kann man diesen Trends entgegenwirken?

Man muss die präventiven Maßnahmen und die Aufklärung verstärken. Das neue Gesetz vom November 2016 zur Bekämpfung der Verbreitung der NPS trägt dazu bei, indem mit ihm nun konsequent Herstellung, Handel, Umgang, Besitz und Konsum ganzer Stoffgruppen verboten werden kann und unter Strafe gestellt wird. Denn es werden ja immer neue, in ihrer chemischen Struktur leicht veränderte Stoffe „auf dem Markt“ angeboten.

Zur Person: Dr. Leo Hermle

Privatdozent Dr. Leo Hermle war Chefarzt und von 2007 bis 2016 Ärztlicher Direktor des Göppinger Klinikums Christophsbad. Seit 2016 arbeitet er im Christophsheim des CB und forscht auf dem Gebiet der Wirkungen und Gefahren von alten und neuen psychoaktiven Substanzen (NPS), wo er als ausgewiesener Experte gilt.

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