Birenbach Leben von der Substanz

Das Birenbacher Rathaus ist nicht nur Sitz der Verwaltung, sondern auch ein Sachwert in der Bilanz.
Das Birenbacher Rathaus ist nicht nur Sitz der Verwaltung, sondern auch ein Sachwert in der Bilanz. © Foto: Staufenpress
Birenbach / Werner Schmidt 11.05.2018
Gemeinden müssen ihre Sachwerte ermitteln und gut wirtschaften. In Birenbach stand im ersten Jahr der neuen Haushaltsführung ein Minus zu Buche.

Jetzt weiß auch Birenbach, was die Gemeinde an Werten zu bieten hat: 12,2 Millionen Euro. Davon liegen elf Millionen Euro in Sachwerten fest, 1,2 Millionen Euro sind als Finanzvermögen verbucht, sagte Kämmerer Achim Gromann während der Gemeinderatssitzung am Montag. Dort stellte er die Eröffnungsbilanz der Gemeinde von 2016 vor – als der erste Doppik-Haushalt erstellt wurde, der das althergebrachte kameralistische System ablöst.

Ähnlich einem Wirtschaftsbetrieb muss die Gemeinde ihre Werte buchhalterisch erfassen, also beispielsweise auch den Wert einer Schule, eines Kindergartens oder den des Rathauses bemessen. Manches lässt sich recht einfach wertmäßig erfassen: beispielsweise Maschinen und Fahrzeuge wie im Bauhof oder bei der Feuerwehr. Andere Vermögenswerte lassen sich dagegen nur schwer in Euro und Cent ausdrücken: Was ist eine Straße wert? Oder: Wie wird die Ausstattung der Büros in der Verwaltung erfasst?

Das sind aber Punkte, die möglicherweise in Zukunft eine Rolle spielen könnten, wenn zum Beispiel Dienstleistungen wie das Ausstellen einer Hundemarke, eines Personalausweises oder einer Bestattung nach den tatsächlichen Kostenfaktoren kalkuliert werden müssen. Erst kürzlich wurden die Nutzungsentgelte für Grabstätten in Birenbach auf 20 Jahre – die reguläre Liegedauer – berechnet, dann jeweils auf das Haushaltsjahr herunter gerechnet.

Natürlich hat eine Gemeinde, auch Verbindlichkeiten wie Kredite oder Lieferungen und Leistungen, die die Gemeinde in Anspruch nimmt. Insgesamt verfüge Birenbach über ein Basiskapital von rund 8,5 Millionen Euro, so Grohmann. Es setzt sich aus Buchwerten zusammen, die letztlich nicht realisierbar wären. Sie können nicht verkauft und zu Geld gemacht werden. Wer verkauft schon eine Schule? Oder ein Rathaus?

Dieses Eigenkapital einer Gemeinde kann sich dennoch langsam in Luft auflösen. Dann nämlich, wenn eine Verwaltung nicht kostendeckend wirtschaftet. Und da hat Birenbach im ersten Jahr seiner neuen Haushaltsberechnung mit einem Minus von gut 38 000 Euro hingelangt. Das Minus schiebt die Gemeinde erst mal vor sich her. Sie hat drei Jahre Zeit, es auszugleichen: „Wenn sich in den Folgejahren keine Ausgleichsmöglichkeit mit Überschüssen ergibt, ist der Fehlbetrag spätestens  nach drei Jahren mit dem Basiskapital zu verrechnen – das heißt Leben von der Substanz!“ machte Kämmerer Achim Gromann den Kommunalpolitikern klar.

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