Bauwerk Langer Weg zur „Halle für alle“

Außen noch eine Baustelle: Die Sport- und Kulturhalle in Eschenbach präsentiert sich morgen den Besuchern. Nach anderthalb Jahren Bauzeit sind Eschenbach und Heiningen am Ziel.
Außen noch eine Baustelle: Die Sport- und Kulturhalle in Eschenbach präsentiert sich morgen den Besuchern. Nach anderthalb Jahren Bauzeit sind Eschenbach und Heiningen am Ziel. © Foto: Staufenpress
Jürgen Schäfer 14.04.2018

Bauat die Halle.“ So hat es auf Schwäbisch der Altbürgermeister von Heiningen, Hansjörg Schädler, den damaligen Heininger Gemeinderäten ans Herz gelegt, als er 2007 zum Ehrenbürger ernannt wurde. Baut die Halle, sagte er. Denn: „Manchmal muss man einfach etwas tun, und sieht dann, dass es gut ist.“

Es ist so gekommen. Die Eschenbacher und die Heininger haben zusammen eine Verbandshalle für Sport und Kultur gebaut. Nicht so, wie es damals zur Debatte stand, als Schädler sein Wort in die Waagschale warf. Da wäre es die eingezwängte Lage beim Eschenbacher Feuerwehrhaus geworden. Die Halle, die morgen eingeweiht wird, hat soviel Platz, wie sie braucht, und sie steht abseits der Straße, am Rand der Streuobstwiesen mit Blick auf das Fuchseck.

Mal sah es gut aus für eine Verbandshalle, dann aber auch ganz finster. Über Jahre fanden Eschenbach und Heiningen nicht zusammen. Obwohl sie ja schon so vieles gemeinsam haben: das Voralbbad und die Voralbhalle, den Bauhof. Sie sind auch Partner im Gewerbepark Voralb.

Aber: Die Interessen schienen nicht recht zusammenzupassen. Gefragt wurde: Was hat Heiningen davon, in eine kleine Halle in Eschenbach zu investieren? Man brauche doch vielmehr eine zweite große Halle in Heiningen für den handballstarken TSV.  Groß und zweckmäßig statt klein und mit Flair. Und wenn schon etwas gemeinsames, dann einen „Bürgersaal“.  Jetzt zeigt sich: Heiningen kann ein Drittel der Halle ohne weiteres belegen und bekommt Luft in der Voralbhalle. Gelöst scheint auch das Problem, dem Fechtclub etwas anzubieten, nachdem man ihm das Fechterheim weggenommen hat, damit der viel stärkere Musikverein Heiningen-Eschenbach dort einziehen kann. Die Fechter können jetzt in Eschenbach trainieren. Hätte man, was auch eine Überlegung war, dem Musikverein in der neuen Eschenbacher Halle einen Proberaum geschaffen, wäre das ein Anbau zu einem sechsstelligen Betrag geworden. Ob das schon so klar war, als sich Heiningen mit großer Mehrheit zur Beteiligung an der Halle in Eschenbach entschloss – vielleicht nicht.

Die Halle, die hell und gediegen am Rand zum Grünen liegt, hat freilich auch einen inneren Wert: den Verbandsgedanken. Er war bei den Diskussionen in Heiningen immer im Spiel, und vielleicht hat er das Projekt gerettet. Heiningen und Eschenbach sind schon so lange und erfolgreich verbandelt, das hat Gewicht. Und aufgeblitzt ist auch: Eschenbach hätte dem größeren Partner Heiningen auch mal die kalte Schulter zeigen können, wenn er Eschenbach beim Hallenbau allein gelassen hätte.

Für die Eschenbacher beginnt nun eine neue Zeit: Sie haben jetzt eine Halle, wie sie andere Gemeinden ihrer Größe schon hundert Jahre haben. Schon demnächst hat das seinen Nutzen beim Seniorennachmittag der Gemeinde, der bisher im evangelischen Gemeindehaus zurechtkommen musste. Ein ganz neues Gefühl wird das sein: Platz genug und barrierefrei, dazu noch der Blick auf den Albtrauf.  Dem TSV Eschenbach bringt die Halle den Raum, Neues anzugehen. „Daran war bisher gar nicht zu denken“, sagt der Vereinsvorsitzende Wilfried Eitle. Für ihn wird ein alter Traum wahr: „Schon vor 20 Jahren haben wir das auf unser Wahlprogramm geschrieben“, sagt Eitle, der auch Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister ist. Bürgermeister Thomas Schubert kennt das Thema Halle, seit er nach Eschenbach kam. Das war vor 24 Jahren.

Es wurde dann eine fast unendliche Geschichte mit allen erdenklichen Hürden. Eschenbach plante eine Halle am Feuerwehrhaus, Heiningen wollte sich in kleinem Umfang beteiligen. Dann explodierten die Kosten, der Eschenbacher Schultes zog die Reißleine. Jahre gingen ins Land, dann packte es Schubert ein zweites Mal an. Jetzt an neuem Standort. Heiningen überlegte lange und rang sich zur Beteiligung durch. Dann Widerstand in Eschenbach: Brauchen wir eine Halle? Was wird sie letztlich kosten? fragte eine Bürgerinitiative. Berufen konnte sie sich auf eine Wahlkampfaussage eine der zwei Gemeinderatslisten. Der Bürgerentscheid, der dann in Rekordzeit abgehalten wurde, brachte 70 Prozent Zustimmung für „die Halle für alle“, wie Schubert sie nannte.

Der Hallenbau wurde dann ein Kapitel für sich. Die Bauherren fühlten sich von ihrem Architekturbüro „suboptimal“ betreut. Kosten-Nachträge wurden für Schubert zum „Unwort des Jahres“.  Verbandsbaumeister Reiner Reule schaute so oft nach dem Rechten, dass ihm Schubert dafür noch gebührend danken will. Nicht en passant bei einer Gemeinderatssitzung, das wäre ihm zu wenig.

Großer Tag in der Technotherm-Halle

Name Fuchseckhalle soll sie eigentlich heißen, die neue Verbandshalle der Gemeinden Eschenbach und Heiningen. Aber der Name ruht. Für mindestens zehn Jahre heißt sie jetzt Technotherm-Halle, nach der gleichnamigen Firma der Unternehmerfamilie Wingens im Gewerbepark Voralb. 

Kosten Die Kosten lagen zuletzt bei 4,6 Millionen Euro. Erwartet wird ein Steuerabzug von geschätzt 400 000 Euro, weil die Halle ein Betrieb gewerblicher Art sein soll.

Einweihung Gefeiert wird morgen von 10 Uhr (ökumenischer Gottesdienst) bis gegen 18 Uhr mit einem sportlichen und musikalischen Programm. Nachmittags kommt Kickbox-Weltmeister Massimo De Lorenzo. Grußworte werden ab 11 Uhr gehalten.

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