Von außen steht sie proper da. Erst 17 Jahre liegt die Außensanierung der Ägidiuskirche in Hattenhofen zurück. Aber innen ist viel zu tun. „Die letzte umfassende Sanierung erfolgte 1930“, berichtete Pfarrer Andreas Vix im Hattenhofer Gemeinderat, der um einen Zuschuss gebeten wurde. Eine neue sei längst überfällig. Aber wegen des Gemeindehauses kam sie ins Hintertreffen. Die Kirchengemeinde hat vor elf Jahren ein neues Gemeindehaus gebaut, das hat viel Kraft gekostet. Von der Spendensammlung zeugen noch die meterhohen Stelen an der Nordfassade. Gleichwohl lief daneben immer eine Sammlung für die Sanierung des Gotteshauses.

Der Bedarf steckt in der Gebäudetechnik. Die Bankheizung und die Elektrik müssen vollständig erneuert werden. Ein großes Anliegen sei es der Kirchengemeinde auch, dass die Kirche heller wird. „1930 war’s wahrscheinlich erheblich heller.“

Das kostet  gleich mal eine halbe Million Euro, sagt der Pfarrer. Die bittere  Wahrheit kam in Schüben. Die erste Grobschätzung lag bei 300 000 Euro, dann wurden es 500 000. Und das war nicht die einzige Überraschung. Weil man von anderen Kirchen weiß, dass in den Dachstühlen Schwachstellen stecken können, wurde ein Gutachter zur Untersuchung des Dachstuhls beauftragt. Und tatsächlich: Der Bauexperte stellte gravierende Mängel fest, die statische Folgen haben könnten. Das bedeutet weitere 210 000 Euro. Zu den enormen Kosten von 710 000 Euro kommt, dass alles anders organisiert werden muss. Vor der eigentlichen Kirchenrenovierung muss der Dachstuhl saniert werden, sagt der Pfarrer.

Das hätte schon im alten Jahr anlaufen sollen. Ende Oktober räumten Helfer aus der Kirchengemeinde den Dachboden aus, auf dem sich einiges angesammelt hatte.

Da warteten die Bauherren schon auf die denkmalrechtliche Genehmigung. Sie waren seit anderthalb Jahren mit der Behörde in Verbindung. Stattdessen kam der Hinweis, die Folgen der Dachsanierung für den Innenputz zu untersuchen und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Unter dem Putz, der auf den ganzen Kirchenwänden liegt, schlummern Fresken aus alter, katholischer Zeit. Bis zur Reformation waren Kirchen mit Figuren und Bildergeschichten geschmückt.

Jetzt weiß man: Die Dachstuhlarbeiten können ohne Voruntersuchung durchgeführt werden. Mögliche Folgen für den Putz sind während der Sanierungsarbeiten zu untersuchen. Die denkmalrechtliche Genehmigung ist vor Weihnachten eingetroffen, berichtet Peter Oertmann- Brandt, der sich als Kirchengemeinderat zusammen mit dem Pfarrer um die Sanierung kümmert.

Aber mit einem Zuschuss des Denkmalamts dauert es noch. Einem Antrag auf vorzeitigem Baubeginn wurde nicht stattgegeben.

Nächste Woche wird sich der Kirchengemeinderat mit dieser Situation beschäftigen. Soll man auf den Zuschuss warten? Der kommt voraussichtlich im Juni. Oder soll man vorher loslegen, ohne die vielleicht 20 000 Euro, aber dafür zu günstigeren Baukosten, weil das Bauen ständig teurer wird?

Wenn die Kirchengemeinde den Zuschuss will, wird es realistischerweise Frühherbst, bis die Arbeiten beginnen. So sieht das Oertmann-Brandt. Zuerst ist der Dachstuhl dran, das dauert etwa zwei Monate. Und dann ist es November – keine gute Zeit für eine langwierige Innensanierung. Im Advent wird immer ein großes Musical aufgeführt. Undenkbar, dass die Weihnachtsgottesdienste im Gemeindehaus stattfinden. Man wird die Innensanierung vielleicht ins folgende Jahr, also 2020 schieben, und auch da erst nach der Konfirmation beginnen. Dann hätten die Handwerker Zeit bis Ende November 2020.

Heißt dann aber:  Es klappt nicht, die Sanierung in der laufenden Amtszeit des Kirchengemeinderats unterzubringen. Die endet in diesem November. Das war das Ziel, sagt Pfarrer Vix. Im vorigen Herbst schien das noch gut erreichbar. Aber jetzt ginge das nur noch mit der Brechstange. Gut möglich, dass es den Hattenhofern so geht wie den Auendorfern. Dort musste die Kirchensanierung auch um ein Jahr verschoben werden.

Gemeinderat legt nichts drauf

Von der bürgerlichen Gemeinde bekommt die Kirchengemeinde einen Zuschuss von 16 000 Euro und nur für die Dachstuhlsanierung. So beschloss es der Gemeinderat im November. Bürgermeister Jochen Reutter hätte 4000 Euro mehr gegeben. Er orientierte sich an den fehlenden 80 000 Euro Eigenmitteln, das wäre ein Viertel der Deckungslücke. Denn: Die Ägidiuskirche präge das Ortsbild wesentlich und sei als denkmalgeschütztes Gebäude zusammen mit dem Rathaus ein bedeutendes Element.

Nur drei Gemeinderäte folgten ihm. Sechs wollten es bei 20 Prozent der Deckungslücke belassen. Dafür sprach sich Alexander Doster aus, und Martina Greiner wies darauf hin, dass die evangelische Kirchengemeinde schon 2002 50 000 Euro für die Außensanierung bekommen hat. Das waren 20 Prozent der Baukosten. Im Jahr darauf erhielt die katholische Kirchengemeinde 15 000 Euro für ihre Außenrenovierung, das waren 20 Prozent der nicht gedeckten Kosten.