wahlkreis:Göppingen (10) Landwirtschaftsminister Christian Schmidt auf Wahlkampftour in Donzdorf

Der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, eingerahmt von den hiesigen Abgeordneten Nicole Razavi und Hermann Färber.
Der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, eingerahmt von den hiesigen Abgeordneten Nicole Razavi und Hermann Färber. © Foto: Staufenpress
ANNEROSE FISCHER-BUCHER 03.03.2016
Der Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung, Christian Schmidt, war in Donzdorf zu Gast. Er plädierte dafür, die Landwirte gesellschaftlich besser anzuerkennen und ihre Arbeit mehr zu schätzen.

"Sie wandeln hier in Donzdorf auf fruchtbarem, schwarzem Boden, Herr Minister", sagte Bürgermeister Martin Stölzle in seinem Grußwort und überreichte dem Franken Christian Schmidt, stellvertretender CSU-Vorsitzender und Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung, keinen Calvados, sondern in Anspielung auf Stadt und Region einen "Calvadonz".

Die Stadtkapelle Weißenstein spielte flotte Weisen, was die Kandidatin im Wahlkreis Geislingen und Landtagsabgeordnete Nicole Razavi zu der Bemerkung veranlasste, für ihren Vorgänger Hermann Seimetz hätte sie sich das Lied "Du schwarzer Zigeuner" gewünscht. Die etwa 120 Zuhörer in der Donzdorfer Stadthalle goutierten den Satz mit Raunen und Beifall, bevor Razavi "die Vertreter der Stammtische" begrüßte und auf die Landespolitik einging. Baden-Württemberg sei ein starkes Land mit einem Wohlstand, der für frühere Generationen unvorstellbar gewesen sei. Leider sei "das Land nicht mehr spitze, sondern Mittelmaß durch SPD und Grüne". Die konventionelle Landwirtschaft zu benachteiligen, sei eine "grüne Bevormundung" und Grün-Rot habe eine Politik für die Städte gemacht und die ländlichen Räume vernachlässigt, meinte die CDU-Abgeordnete. Es gebe beispielsweise einen Stillstand in der Verkehrspolitik, jedoch brauche es eine gute Infrastruktur in den ländlichen Räumen. Razavi ging außerdem auf die Schulpolitik, die Innere Sicherheit mit "einer verkorksten Polizeireform" und auf die Flüchtlingspolitik ein. Man müsse die Zuwanderung deutlich begrenzen. Die "Vereinfacher der AfD" hätten aber "keine Problemlösung".

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte eine Vielzahl von Themen und Details im Gepäck. Er beklagte, dass die Lebensmittelerzeugung an den Rand der Gesellschaft gedrängt worden sei und wieder in die Mitte rücken müsse. Neben der Sorge um die Erzeugerpreise habe die Landwirtschaft, die nicht täglich neue Regelungen brauche, das Gefühl, gesellschaftlich zu wenig anerkannt zu werden.

Schmidt widersprach der Auffassung, dass der Export von landwirtschaftlichen Produkten etwas Unanständiges sei, denn man exportiere ja nicht dorthin, wo man den Markt kaputtmache. Man habe im letzten Jahr für 69 Milliarden Lebensmittel verkauft, weil die Landwirte in Deutschland eben Top-Lebensmittel erzeugten, sagte der Minister. "Und warum sollen wir in unserer Kultur nicht selbst entscheiden dürfen, was wir essen wollen - und das aus ideologischen Gründen", sagte Schmidt.

Man dürfe außerdem die Zahl der Konzerne im Lebensmitteleinzelhandel nicht weiter verringern, weil damit nur wenige über den Markt entscheiden könnten, das Risiko aber beim Erzeuger liege.

Bei der anschließenden Diskussion, die von Schmidts Parteifreund, dem Bundestagsabgeordneten und Landwirt Hermann Färber geleitet wurde, ging es um das Verhältnis von konventioneller und biologischer Landwirtschaft, um die Pflanzenschutzmittel- und um die Düngemittelverordnung, um den Sachkundenachweis für Tierhaltung, um Flächenverbrauch und um die Überlebenschancen kleiner Betriebe.