Kreis Göppingen / THOMAS HEHN  Uhr
Durch die anhaltende Dürre trocknen die ersten Bachläufe aus. Mit tödlichen Folgen für Fische und Kleinstlebewesen. Das Landratsamt erwägt jetzt, die Entnahme von Gießwasser aus Gewässern zu verbieten.

Die Forelle hatte keine Chance. Kieloben liegt der tote Fisch im ausgetrockneten Bett des Rohrbachs oberhalb von Hausen. Die anhaltende Trockenheit macht nicht nur Menschen und Pflanzen zu schaffen. Für Fische und Kleinstlebewesen in Gewässern hat die Dürre inzwischen lebensbedrohliche Formen angenommen. Im Oberen Filstal sind bereits die ersten Bäche ausgetrocknet.

"Bäche trocknen im Sommer immer wieder aus", sieht Joachim Eberlein, Leiter des Umweltschutzamtes in Göppingen, die Lage zwar kritisch. Es herrsche aber "noch keine Extremsituation". So führe die Fils immer noch ausreichend Wasser. In Salach beträgt der Pegelstand derzeit 32 Zentimeter. Mit 1,55 Kubikmetern pro Sekunde liege der Abfluss noch im mittleren Niedrigwasserbereich, erläutert Eberlein. Dass die Fils nicht austrocknet, hat zwei Gründe: Zum einen wird der Fluss aus Karstquellen gespeist, die selbst bei Trockenheit noch ein gutes Durchhaltevermögen aufweisen. Ab Deggingen kommen mit Kläranlagen weitere "Quellen" hinzu, die "ebenfalls gleichmäßig schütten. Getrunken wird immer", konstatiert Eberlein.

Kleine Bäche wie der Rohrbach sind dagegen wesentlich anfälliger gegen Dürreperioden: Zum einen haben sie ein kleineres Einzugsgebiet, zum anderen liegen die Quellen vergleichsweise hoch und versiegen somit schneller. Normalerweise würden sich die Tiere auf diese Situation einstellen. "Entweder gibt es sie nicht mehr oder sie ziehen sich in Gumpen zurück und warten ab, bis es wieder regnet", erklärt der Umweltamtschef.

Da derzeit keine nennenswerten Niederschläge in Sicht sind, bittet das Landratsamt zumindest die Bürger am Oberlauf der Fils bis Geislingen, vorerst kein oder möglichst wenig Wasser aus Fließgewässern zum Gießen von Pflanzen zu verwenden. Laut Wassergesetz darf jedermann mit Schöpfgeräten - zum Beispiel Gießkannen - Wasser aus Flüssen, Bächen und Seen entnehmen. Allerdings gilt dieses Recht auf "Gemeingebrauch" nur, solange eine ausreichende Restwassermenge im Gewässer verbleibt. Wird zuviel Wasser entnommen, kann das ein Fischsterben zur Folge haben, weil im Restwasser nicht mehr genügend Sauerstoff für die Atmung von Fischen und Kleinstlebewesen gebunden werden kann.

Ab Geislingen führt die Fils noch ausreichend Wasser. Allerdings weist das Landratsamt darauf hin, dass durch den Zufluss aus den Kläranlagen die Wasserqualität allgemein sinkt. Selbst gereinigtes Abwasser weise noch einen hohen Anteil coliformer Keime auf. Die Behörde rät daher davon ab, zum Verzehr bestimmte Früchte oder Gemüse mit Filswasser zu gießen.

Sollte sich die Niedrigwassersituation weiter verschärfen, "kann der Erlass einer Allgemeinverfügung zur Einschränkung des Gemeingebrauchs (...) nicht ausgeschlossen werden", teilt das Landratsamt mit. Damit wäre die Entnahme von Gießwasser aus Gewässern komplett verboten.

Pumpen nur mit Erlaubnis

Vielfach verwenden Anlieger an Bächen und Flüssen zum Gießen ihrer Gärten Pumpen. Das Landratsamt weist darauf hin, dass dies nur mit ausdrücklicher Genehmigung erfolgen darf. Die untere Wasserbehörde entscheide dann unter der Berücksichtigung der Gewässersituation im Einzelfall, ob der Entnahme zugestimmt wird. Allerdings ist diese Erlaubnis kostenpflichtig. Bei geringen Mengen sei es daher "günstiger, Leitungswasser zu verwenden", teilt das Landratsamt mit.