Biomüll Landkreis verteidigt Biomüll-Abfuhr

Trotz anhaltender Kritik an der Biomüll-Abfuhr stellen offenbar immer mehr Bürger die blauen Beutel vors Haus. Die Sammelmengen steigen.
Trotz anhaltender Kritik an der Biomüll-Abfuhr stellen offenbar immer mehr Bürger die blauen Beutel vors Haus. Die Sammelmengen steigen. © Foto: Markus Sontheimer
Kreis Göppingen / HELGE THIELE 24.07.2015
Trotz anhaltender Kritik an der Biomüll-Abfuhr stellen offenbar immer mehr Bürger die blauen Beutel vors Haus. Die Sammelmengen steigen.
Ganz allmählich nehmen die Bürger die zum 1. Juli im Landkreis eingeführte Biomüll-Sammlung an. Waren in der ersten Woche kreisweit lediglich 4700 Kilogramm Bioabfall zusammen gekommen, stieg die Menge in der zweiten Woche auf 22.300 und in der dritten Woche auf 37.300 Kilogramm. Insgesamt seien bereits 64,5 Tonnen Bioabfall abgeholt und zu klimafreundlichem Biogas verarbeitet worden, betonte Jochen Heinz, Erster Landesbeamter und stellvertretender Landrat, am Donnerstag im Göppinger Gemeinderat. Die Stadträte diskutierten auf Antrag der CDU hitzig über die umstrittene Abfuhr.

Heinz blieb trotz harscher Kritik von CDU und Freien Wählern gelassen. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass das System insgesamt funktioniert.“ Der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises betreibe eine „intensive Begleitarbeit“. Ein Raunen wurde laut, als Heinz sagte, die blauen Plastikbeutel seien dicht und es „stinkt nicht heraus“.

Der Kreistag werde sich nach den Ferien wieder mit dem Thema beschäftigen, der Aufforderung von CDU und FWG, das System zu überdenken, werde der Landkreis aber nicht nachkommen, machte Heinz deutlich. „Wir sehen keine gravierenden Missstände, deshalb stellen wir auch nicht die Systemfrage.“ Zudem sei man aufgrund der getätigten Ausschreibung für die kommenden sechs Jahre gebunden.

Heinz räumte „Anfangsschwierigkeiten“ ein, meinte aber, dass die Abfuhr nun „immer besser funktioniert“. Einen Tipp für „wirksamen Schutz“ gegen Tiere habe der Abfallwirtschaftsbetrieb auch: Der Biobeutel könne in ein beliebiges Gefäß gelegt werden. Damit die Abfuhrfirma erkenne, dass hier Biomüll abgeholt werden soll, würden derzeit Aufkleber „in Signalfarben“ hergestellt und in Kürze kostenlos verteilt. Im Landratsamt gehe man davon aus, dass sich der Biobeutel im Landkreis etabliere – vor allem, weil mit einer möglichen Umstellung auf einen vierwöchigen Müllabfuhrturnus Geld gespart werden könne. Voraussetzung sei, dass die Abfalltrennung „konsequent genutzt wird“ und der Biomüll nicht mehr in der Resttonne lande. Über die Umstellungsmöglichkeit werde der Landkreis die Bürger demnächst informieren.

Die kritischen Stadtpolitiker, darunter OB Guido Till, konnte Heinz nicht überzeugen. Das wiederum rief SPD und Grüne auf den Plan. Dr. Michael Grebner (SPD) verwunderte, dass ausgerechnet CDU und Freie Wähler den Biobeutel so heftig attackierten, wo sie doch im Kreistag gegen eine Biotonne gewesen seien. Grebner: „Wir wollten die Tonne, aber es gab keine Mehrheit.“ Der Beutel sei der kleinste gemeinsame Nenner gewesen. Piraten-Stadtrat Michael Freche stellte fest: „Mit gegenseitigen Schuldzuweisungen kommen wir nicht weiter.“ Für Erheiterung sorgte Dr. Emil Frick (FWG), der meinte, in Italien und Spanien werde der Müll „besser entsorgt als bei uns“. OB Till musste sich schließlich gegen den Vorwurf wehren, er rufe zum Boykott der gesetzlich vorgeschriebenen Bioabfallsammlung auf. Und für SPD-Fraktionschef Armin Roos stellte sich am Ende der Debatte „die Frage nach der Produktivität dieser Stunde.“

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Info Bei Abfuhr-Problemen können sich Bürger direkt an die Firma Heilemann wenden: (07024) 4000; E-Mail: bioabfall-gp@heilemann-entsorgung.de. Die Hotline des Landkreises: (07161) 202-7766; E-Mail: bioabfall@awb-gp.de.