Bad Ditzenbach Kunstnacht verzaubert Bad Ditzenbach

Bad Ditzenbach / Sabine Graser-Kühnle 07.05.2018
Die Kunstnacht hat am Samstag Bad Ditzenbach mit Leben und Glanz erfüllt. Das erreichten die 50 Kunstschaffenden.

Am Samstag erstrahlte Bad Ditzenbach im atmosphärischen Glanz mediterraner Städte. Orte, an denen nachts die Menschen auf die Piazza zwischen alten Gebäuden strömen, sich treiben lassen im Schimmer der Laternen, umgeben von Straßenmusikern und -künstlern. Wo hell erleuchtete kleine Läden Handwerkskunst feil halten und Galerien mit Kunstwerken locken.  Mehr als 50 Kunstschaffende, aus der Region und von weiter her, etwa aus Ulm, Tübingen und Stuttgart, legten diesen mediterranen Zauber in der siebten Auflage der Bad Ditzenbacher Kunstnacht über die kleine Filsgemeinde.

Die künstlerische Leiterin Christel Fuchs hat aus ihrem Netzwerk so viele Teilnehmer wie noch nie gewinnen können: Menschen, die in der Kunst ihre Leidenschaft entdeckt haben, diese als Hobby ausleben oder gar zum Beruf gemacht haben. Bad Ditzenbacher Bürger stellten dazu Garagen, Läden und Schauräume zur Verfügung. Die Vinzenz-Klinik bot zum zweiten Mal ihre Räume den Ausstellern als Plattform an. Kerzen und Lichter säumten Straßen und Wege dieser Flaniermeile mit unglaublicher Bandbreite künstlerischer Formen.

Wie immer gut vertreten: Maler, Bildhauer und Fotografen. Die Skulpteure verwenden eine Vielfalt an Materialien, von Holz und Schwemmholz über Metall zu Speckstein, Alabaster, Glas. Dass Metall bis zur nahezu durchscheinenden und fragilen Beschaffenheit bearbeitet werden kann, bewies Schmiedekünstler Herbert Häbich mit seinen Ginkgoblättern. Bei den Malern offenbarte sich eine große Beliebtheit von Acryl, zumeist sind die Motive abstrakt oder abstrahiert. Mit einer gewagten und interessanten Mischung erstaunte Claus Schrag die Besucher: Er verbindet abstrakte und realistische Malerei in Werken voller märchenhafter Fantasie.

Maler der Generation X und Y suchen derweil ihren eigenen Weg der kreativen Selbstverwirklichung: Graffiti. In der Unterführung gestalteten die Sprayer Wände und Decken – Dimensionen für ihre Kunst, die ihnen keine Leinwand bieten könnte.

Außergewöhnlich und spektakulär die Feuerskulpturen von Oliver Sander: In hohle Holzstämme schnitzt er Silhouetten. Angezündet bringt das Feuer, und später die Glut, diese Figuren zum Leuchten. Ein faszinierendes Schauspiel im Dunkel der Nacht. Mit einem Kunstobjekt sorgte der Jugendclub „Haudegen“ für Furore: Ihren Geodesic Dome, fünf Meter hoch, 8,5 Meter im Durchmesser, haben die zehn jungen Leute aus 170 zu Dreiecken zusammengefügten Holzstangen von Hand erbaut und mit 130 Quadratmeter großem Stoff umhüllt – das alles in nur wenigen Stunden. In der Vinzenz-Klinik wurde die Fils, von ihrem Ursprung, der Karstquelle in Wiesensteig, bis zur Einmündung in den Neckar in einer Klangdimension von Andreas Usenbenz und Peter Schubert installiert. Dazu haben die beiden Klangkünstler die Geräusche des Flusses über und unter Wasser aufgenommen. Gongpassagen verweisen auf die einstige Verschmutzung.

Lesung aus werdendem Roman

Sprache und Wort waren bei der Ditzenbacher Kunstnacht ebenfalls vertreten: Bettina Verheyen stellte einen Roman vor, an dem sie mit Ottmar Dörrer arbeitet. Kreativ anders als in den üblichen Lesungen: Die Hintergründe zum Roman wurden in Symbolen dargestellt, aus dem Off wurde der Prolog des Buches vorgelesen, an Seilen aufgehängte Manuskriptseiten als Zeugnis der Korrektur. Verheyen las aus dem ersten Kapitel dieses Werkes, dessen Protagonisten ein mehr als 800 Jahre altes Haus und der heutige, letzte Besitzer sind.

Alle 50 Künstler, Musik, Improtheater und Feuershow – das alles an einem Abend anzusteuern, ist unmöglich. Gut, dass Christina Maier vom Tourismusbüro den Oldtimerbus als Shuttle organisiert hat, das sparte den Fußgängern etwas Zeit. Einige der rund 3000 Besucher steuerten gezielt ihre Favoriten an, die meisten machten es wohl wie Ulla Roelke und ihre Freundin: bummeln, da und dort hängen bleiben, schauen und staunen. „Und für ein Eis muss die Zeit auch reichen“, sagte Ulla Roelke lachend.

Für die Aussteller und Akteure ist die Kunstnacht eine Plattform. Doch die meisten sind dabei, um diese alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung zum Erlebnis für die Besucher zu machen. So wie Katja Klack in ihrer siebten Kunstnacht: „Ich verkaufe höchstens so viel, dass es zum Einkauf neuen Materials reicht. Aber das genügt mir auch, dann kann ich mit neuen Techniken experimentieren – und mich weiter entwickeln in meiner Malerei.“

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