Körperschmuck Kunst mit der Pistole

Micha Joos schaftt Kunstwerke auf den Körpern seiner Models.
Micha Joos schaftt Kunstwerke auf den Körpern seiner Models. © Foto: Privat
Eislingen / Iris Ruoss 06.09.2018

Seit 2010 ist Micha Joos begeisterter Airbrusher. „Mein Hobby war Modellbau“, erzählt der 37-Jährige. Er hat sich damals einen Kompressor gekauft, um seinen Modellen Farbe zu verleihen, und die Airbrush-Farben waren dabei. Der Startpunkt für die 3D-Farbwelten, die Joos seither erschafft. Ob großflächige Motive, mit denen er ganze Wände verziert, oder kleine Bilder: Micha Joos ist mit seiner Airbrush-Kunst auf Hauswänden im Außenbereich zugange, zaubert eine farbenfrohe Welt in Kinderzimmer und überall hin, wo seine Kunden die Bilder gerne hätten.

Vor sechs Jahren hat er bei einem Wettbewerb Eva-Maria Schulz kennen gelernt, die mit Pinsel und Schwamm die Körper ihrer Models verziert. „Seither arbeiten wir auch im Team“, erzählt Joos. Schulz pinselt die Motive, Joos setzt mit seiner Airbrush-Pistole die 3D-Effekte, spielt mit Licht und Schatten und verleiht den Kunstwerken so die plastische Wirkung. In Prag hat das Künstler-Team vor zwei Jahren bei einem Wettbewerb den Sieg geholt. Das war Ansporn genug, um sich auf größeres, die jetzige Weltmeisterschaft im Bodypainting in Klagenfurt, vorzubereiten. Die beiden Künstler sind ein eingespieltes Team. „Ich bin darauf angewiesen, dass jemand die Farbauswahl trifft“, sagt Joos, denn er ist farbenblind und schafft es dennoch, großartige Werke zu sprayen.

Längst hat der Eislinger einen großen Pool an Models und auch für sie ist die Körperkunst harte Arbeit. „Sechs Stunden Zeit im Wettbewerb“, erzählt Micha Joos, und solange müssen die Models still stehen. Rund 200 Künstler aus 52 Nationen waren in Klagenfurt am Start. „The Glamour of the past“, lautete das Motto der WM in der Team-Kategorie. Die frühere Ausdrucksweise im Vergleich zu heute war die Interpretation von Schulz und Joos und es ist eine begeisternde Körperkunst entstanden. „Die Technik und der Stil sind entscheidend, der Untergrund spielt eigentlich keine Rolle beim Airbrush“, erklärt Joos.

Bundesweit gibt es rund 60 Künstler, die sich in der relativ kleinen Bodypainting-Szene einen Namen gemacht haben, Joos gehört längst dazu. Schon vor fünf Jahren keimte der Wunsch, einmal unter den drei Weltbesten zu sein – der ist jetzt in Erfüllung gegangen. Ganz nach dem Motto „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ hat sich das Team schon das nächste Ziel gesetzt. „Bei der WM im kommenden Jahr zumindest den dritten Platz halten“, sagt Joos. Verbissen sieht er die Wettbewerbe nicht, an vier bis acht pro Jahr nimmt er europaweit teil, denn: „Airbrush ist nicht mein Beruf, sondern mein Hobby.“ Hauptberuflich ist er als Projektleiter im Maschinenbau eingespannt, steht immer unter Zeitdruck und, wenn er seine Farbpistole in die Hand nimmt, dann kann er komplett runterfahren und entspannen. „Kreativer Tunnelblick“, schmunzelt Joos. Auch beim Bodypainting steht er beim Wettbewerb unter Zeitdruck. „Den kenne ich ja aus dem Job“, meint er. Micha Joos kann mit seiner Airbrush-Pistole regelrecht zaubern. Was er aber nicht kann: Die Bodypaintings anderer beurteilen. „Weil ich die Farbnuancen ja nicht sehen kann“, sagt er.

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