Adelberg/Göppingen Kundgebung mit Künstlern in Göppingen

WERNER SCHMIDT 06.06.2016
Mit einem Friedensmarsch für Syrien hat eine Gruppe Jugendlicher aus der Waldorfschule in Faurndau am Sonntag Flagge gezeigt.

Für Frieden, vor allem zunächst in Syrien, und gegen Deutsche Waffenexporte setzten sich die Jugendlichen ein. Ihr Friedensmarsch begann um 10 Uhr an der Zachersmühle und führte auf den Marktplatz in Göppingen, wo während einer mehrstündigen Kundgebung zahlreiche Künstler auftraten.

Unter anderem wurde auch ein Grußwort von Liedermacher Konstantin Wecker verlesen. "Leider kann ich nicht bei euch sein, aber ich sende solidarische Grüße", schrieb der 69-jährige gebürtige Münchner. Er gratulierte den Jugendlichen für ihr Engagement: "Großartig, dass ihr diese Demonstration für Toleranz, Solidarität mit den Flüchtlingen und für den Frieden auf die Beine gestellt habt." Dem Publikum und den Kritikern gab er auf den Weg: "Denkt mit dem Herzen" und "Benutzt euren Verstand"

Auf der Kora, einem westafrikanischen Vielsaiteninstrument spielte Stefan Charisius, der sonst mit überdimensionierten Dundu-Puppen unterwegs ist. Er zitierte den Dalai Lama, das spirituelle Oberhaupt der Tibeter. Dieser hatte sich kürzlich in einem Interview mit der FAZ auch zur Flüchtlingsproblematik geäußert. Jeder, dem es etwas besser gehe, habe die Verantwortung, den Flüchtlingen zu helfen. Dann ergänzte der Dalai Lama: "Andererseits sind es mittlerweile zu viele." Deutschland sei Deutschland. "Europa, zum Beispiel Deutschland, kann kein arabisches Land werden", hatte er laut Spiegel-Online gesagt.

Er könne diese Äußerungen des Dalai Lama nur als Aufforderung verstehen, die Menschen später beim Wiederaufbau ihrer Städte und Länder zu helfen: "Die Ströme, die bei uns reinkommen, müssen Ströme im Inneren auslösen." Einen Strom des Zusammenschlusses eines Volkes, um Kriege und Auseinandersetzungen zu beenden.

Inzwischen hatte der strömende Regen, der auf den Göppinger Marktplatz niederprasselte, nachgelassen. Allerdings stellte M'Baye Koate fest: "Regen ist etwas Gutes." Er kam vor knapp 20 Jahren aus dem westafrikanischen Senegal und hatte einen kurzen Aufritt mit den Percussions.

Der Linke-Kreisrat Christian Stähle forderte die verbliebenen Teilnehmer auf, die mit den Flüchtlingen nach Deutschland kommende Vielfalt als "Chance und Bereicherung anzusehen". Pegida, deren Anhänger und so genannte "besorgte Bürger" seien allerdings "Besorgnis erregende Bürger". Der Islam insgesamt sei nicht böse; aber die Diskriminierung und Verbrechen, die unter Missbrauch des Islam geschähen, "damit müssen wir uns auseinandersetzen".

Simon Hoffmann, der zu den Organisatoren gehörte, stellte schließlich fest, man habe diese Demonstration deshalb gemacht, "weil man uns keine Bühne gibt. So müssen sie wir uns selbst geben und holen". Die Aktion sei auch gemacht worden, weil viele glaubten, die Jugend sei unpolitisch: "Das sind wir nicht."

Zahlreiche Erwachsene, wie Ilona Exner und Antje Polder, unterstützten die Jugendlichen bei ihrer Aktion: "Es ist Zeit, Stellung zu beziehen." Auch Tierpark-Chef Heiko Eger unterstützte die Demonstration und nahm mit zwei Eseln, drei Ponys und einem Hund daran teil.