Vernissage Kulturmühle: Jahresausstellung zu „Bewegung“

26 Mitglieder des Vereins Kulturmühle stellen bis 6. Januar ihre Arbeiten aus.
26 Mitglieder des Vereins Kulturmühle stellen bis 6. Januar ihre Arbeiten aus. © Foto: Hans Steinherr
Rechberghausen / Hans Steinherr 03.12.2018

Oben ist Schluss. Am Ende der Treppe steht der Besucher jäh vor einem Verschlag. Eine Bretterwand verhindert freien Einblick und macht so erst recht neugierig. Keiner, der nicht durch offene Astlöcher zu spähen wagt. Hinter der Wand bewegt sich etwas. Auf biegsamen Metallstäben schaukeln kleine weiße Täfelchen wie eine wogende Menge hin und her. „Mensch“ steht da. Jedesmal und in 100 verschiedenen Sprachen. Eine Installation der Künstlerin Barbara Baumung, die in diesem Jahr auch die kuratierende Leitung der Jahresausstellung des Kunstvereins Rechberghausen übernommen hat.

Wenn Stillstand Rückschritt sein soll, wie man sagt, was ist dann Bewegung? Das bloße Antonym von Stillstand, das Gegenteil von einem festen Standpunkt? Und in welche Richtung geht Bewegung? Und ist Bewegung gleich Fortschritt? 26 kunstschaffende Mitglieder des Vereins Kulturmühle setzen sich in ihrer Mitgliederausstellung, die am Wochenende eröffnet wurde, mit dem Begriff „Bewegung“ auseinander. Gezeigt werden fotografische Arbeiten, Malerei, Objekte, Skulpturen und Installationen – bewegende Antworten und vielseitige Definitionen eines instabilen Themas..

„Die Kunst besteht darin, in einer statischen Arbeit Bewegung zum Ausdruck zu bringen“, sagt der Fotograf Malte Koos. Ihm und Uwe Mayer – ebenfalls Fotograf – gelingt dies durch Unschärfe. Uwe Wagner hingegen hält exakt jene Momente fest, wie sich ein nasser Hund schüttelt oder auffliegende Möwen Wasseroberfläche aufpeitschen. Bewegung im konservierten Zustand. Lilo Renz schafft es, in ihren Collagen Bewegung aus statischen Bildern herauszufiltern, Bewegung in Einzelbilder zu zerlegen. Ihre Arbeit macht deutlich: Bewegung ist auch eine rasche Abfolge einzelner Standbilder, ist – wie beim Film, wie beim Daumenkino – die Summe daraus.

Malerei überwiegt in der Ausstellung. Abstrakte wie konkrete. Wenn Farbe sich grenzenlos austoben darf – wie bei Inge Czemmel („Moving Memories“), Silvia Hecker, Henriette Röger-Oswald („Sangria“) oder Detlev Schorlau, entstehen Dynamik und Bewegung fast zwangsläufig. Franz Klajner („Bewegung in Blau“) reflektiert, dass selbst in Meerestiefen, wenn auch unsichtbar, Bewegung vorhanden ist. Claudia Zeidler lässt Häuser, Beate Holzwarth Kinder tanzen. Susanne Kilger („Wasserspiele“), Edeltraut Laible („Herbststurm“) oder Werner Fink („Bewegung und Licht“) fokussieren die Bewegung der Elemente. Annette Schmelzle-Böhmländer erlaubt selbst Planeten, Schneekugeln und Achterbahnen auf kleinstem Bildformat ungebremste Bewegung.

Selbst in der Ruhe steckt noch immer latente Bewegung, wie Angelika Andersch, Rudi Singer, Ulla Späth, Karin Strobel oder Herbert Traub und Hermann R. Petersohn (mit der Skulptur eines Goldkopfes, über und über mit Augen gespickt) suggerieren. Bewegung ist ebenso ein emotionales Ereignis, wie Manuela Eiglmaier, Mona Hajibaba, oder Joachim Becker belegen. Dem ältesten Teilnehmer, Felix Riedel, ist als einzigem ein eigener Raum überlassen worden. Dieser ist gespickt mit handgedruckten Kunstkalendern, die er seit 1972 Jahr für Jahr erstellt und für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Auch Zeit ist eine Variante von (Fort)Bewegung.

„Freiheit braucht Bewegung braucht Freiheit“, erklärt Barbara Baumung und, dass Mauern Bewegungen einschränken. Mentale wie körperliche. Es macht Sinn, anders als gewöhnlich, sich in der Kulturmühle von oben nach unten zu bewegen.

Info Öffnungszeiten: Sa. und So. 14-18 Uhr (bis 6. Januar).

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