Lenglingen / Axel Raisch  Uhr
Die Teilnehmer des Treffens erweisen sich als hartgesotten und fröhlich. Sie kamen am Wochenende mit 400 Fahrzeugen.

Alles so schön bunt hier, auch ohne LSD: Der T2 Camperbus „Bulli Elliot“ von Susanne Schmechel und Ralf Fahr aus Pirmasens ist ein Festival der Sinne ganz ohne Trip. Ein bunt umhäkeltes Ersatzrad, Felgen, die man nicht beschreiben kann, sondern gesehen haben muss, ein Armaturenbrett auf dem Monchhichis selig lächeln, wie auf der Hutablage, Wum und Wendelin nebst Mainzelmännchen zwischen Musikkassetten sitzen und eine Innenausstattung, die einer Zeitreise gleichkommt. Das Paar gehört zu den Teilnehmern des alle zwei Jahre stattfindenden Käfertreffens auf einer Wiese bei Lenglingen.

Bonanza-Rad ist mit an Bord

Voll mitreißender Freude und Begeisterung erzählen sie auf ihrem türkisfarbenen Flokati von ihren Erlebnissen und Abenteuern in den vergangenen fünf Jahren. So lange haben sie ihren T2 Camper Baujahr 1979 und verpassen kaum ein Treffen. Fast jedes Wochenende sind sie mit ihren 70 PS fröhlich auf Achse. Im Winter und unter der Woche wird geschraubt, gehäkelt und mit viel Liebe dekoriert. Alles im Stile der Zeit. Mit original Bravo-Ausgaben ist etwa eine Wand im Innenraum dekoriert. Mit an Bord ist auch ein Bonanza-Rad. Die zum Camper umgebaute Version ist bei diesem Baujahr zudem eine besondere Rarität.

Seit 1989 gibt es den Motorradclub Snux, der am Wochenende Jubiläum feierte.

Bild, Fachzeitschriften für Freizeit und Fahrzeuge berichteten, RTL fuhr mit und auch der NDR drehte schon in dem besonderen Bulli mit den vielen Details, die das Auge stets zu neuen Rundreisen auf der Karosserie und im Innenraum einladen. In Wolfsburg gewannen sie 2017 bei einem großen Treffen die Kategorie „Best of Hippie“.

Extra Überstunden unter der Woche eingelegt

Dass solche neuen Stars der Szene nun auch Göppingen in den Terminkalender aufgenommen haben, spricht für die Veranstaltung. Um erstmals im Göppinger Ortsteil Lenglingen mit dabei sein zu können, hat Ralf Fahr unter der Woche extra Überstunden eingelegt. Nachts um 0.30 Uhr fuhren sie dann auf dem Festgelände vor.

Der Bus ist zweifellos ein Magnet auf der an Attraktionen reichen Veranstaltung. Fast jedes Fahrzeug und seine Geschichte sowie die leutseligen Besitzer lohnten erzählt zu werden.

Käfertreffen ist alle zwei Jahre ein Hit - insgesamt zum 26. Mal

Dies alles würde es aber nicht geben ohne das Engagement von Alexander Eckhardt, Nea Bayer und ihren Mitstreitern vom VW-Käfer-Team Göppingen. Der Verein stellte das Treffen dieses Jahr zum 26. Mal auf die Räder. Fand die Zusammenkunft anfangs noch jährlich statt, ist die Gruppe seit den Neunziger Jahren auf einen zweijährigen Rhythmus umgestiegen.

Am Samstagmittag hat ein Auto in Schwäbisch Gmünd gebrannt. Als aus dem Motorraum Rauch aufstieg, ging der Fahrer auf Nummer sicher.

Bereits ab dem Jahreswechsel würden die Vorbereitungen des Organisationsteams beginnen, am Festwochenende selbst seien dann rund 30 Mitglieder im Einsatz erzählt Nea Bayer, die zweite Vorsitzende des 1976 gegründeten VW-Käfer-Teams Göppingen. Sie und manche Vereinskameraden opfern dafür ihren Urlaub. Von Mittwoch bis Montag ist sie im Dauereinsatz und übernachtet auf dem Gelände.

Käfer-Fans kommen auch aus Italien, Österreich und der Schweiz

Viele Teilnehmer kommen aus dem benachbarten Ausland, aus Italien, Österreich, der Schweiz. Das Wetter mache nur wenigen etwas aus. „Die meisten sind schmerzfrei, zelten sogar“, erzählt Nea Bayer. Ihr gehört neben einem 1979er-Bus auch das Vorbild des heutigen Vereins-Logos: ein besonders umgebauter Käfer, Baujahr 1983.

Die Wetterfestigkeit der Teilnehmer beweist nicht zuletzt der Umstand, dass bereits am Samstagmorgen Nachschub an Getränken und Speisen geholt werden musste. Trotz Regens war der Barbetrieb am Freitagabend rege. Am Samstagabend gab es Live-Musik von „Crimestop“. Für die Kinder stand eine Hüpfburg und am Nachmittag schlängelte sich ein Corso rund um den Hohenstaufen. 400 Fahrzeuge sind beim Treffen mit dabei. Alle luftgekühlt, das heißt nur Fahrzeuge bis Anfang der Achtziger Jahre. Ab 1982 kam der Wasserkühler.

Viola Lutz: „Man freut sich auf die Menschen“

Marry Lutz-Driendl aus dem Allgäu hat seit ihrem ersten Besuch 1987 nur zwei Treffen  verpasst. Und diese nicht einfach so ausfallen lassen: Da braucht es schon starke Argumente, wie 40 Grad Fieber oder der Urlaub, berichtet sie. „Man freut sich auf die Menschen, die man nur alle zwei Jahre sieht“, ergänzt Viola Lutz.

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