Kunst Künstler Hans Mendler weckt Lebensgeister

Arbeiten von Hans Mendler sind noch bis 20. Januar in der Städtischen Galerie in Donzdorf zu sehen.
Arbeiten von Hans Mendler sind noch bis 20. Januar in der Städtischen Galerie in Donzdorf zu sehen. © Foto: Hans Steinherr
Hans Steinherr 12.01.2018

Tutti Bambini (dorme)“. So heißt Hans Mendlers Ausstellung in der Städtischen Galerie Donzdorf. Alle kleinen Kinder schlafen. Und doch weckt die Schau des Malers und BIldhauers alle Lebensgeister.

Sie stecken tief drinnen im Holz. Verborgen, versteckt. Man sieht sie nicht die Wesen der Fantasie, die Gnome, Elfen und Fabelwesen. Hans Mendler fühlt sie und spürt sie auf. „Ist da jemand?“, fragt Hans Mendler bei den Baumstämmen nach, bevor er mit der Kettensäge anklopft und sich auf die Suche macht. Schnitt für Schnitt, grob und doch feinfühlig freilegt. Bis nichts Unheimliches mehr übrig bleibt, bis das Auge erblickt, was Mendler geahnt hat, bis die Mischwesen, die Figuren aus Mensch und Tier aus einer anderen Welt enttarnt sind.

Wenn Hans Mendler ans Werk geht werden Märchen wahr. „Tutti Bambini“ heißt seine Ausstellung von hölzernen Skulpturen und Bildern von kantigen Wesen im Schloss Donzdorf. Die hier herpasst wie kaum eine andere. Weil schon im Schloss so viel Fantasiepotenzial steckt. „Tutti Bambini“ – alles Kinder aus Mendlers geistreicher Fantasiewelt. Bunt und lebhaft tanzen und springen die ungelenken Geister über Leinwände oder stehen steif um die Ecke. Eine Ausstellung, die dem Gang durch einen Märchenwald gleicht. Verspielt Unbekümmertheit und Freude verbreitend und doch rätselhaft bleibend. So bleibt die Neugier bis zum Schluss.

Mendler hat erkennbar gar nicht die Absicht Rätsel lösen zu wollen. Ganz im Gegenteil. Er begnügt sich damit, Rätsel zu stellen, sich und den Ausstellungsbesucher zu ermuntern, nach mystischen Antworten zu suchen. Mystik holt Mendler in die reale Welt. Etwa bei den „Gralshütern“. Ein Bild grau in grau, weiß, schwarz auf Leinwand auf Mauerwand. Wie frisch der Wand entsprungen. Zwei Figuren, die sich Aug’ in Aug’ gegenüber stehen. Kahlköpfig, geisterhaft bleich, ohne Arme ohne Beine. Auf Augenhöhe dazwischen der Gral, den sie bewachen. Der Gral? Mendler lässt sie behüten, was klein und grün ist und eher einem verkümmerten Kaktus gleicht.

Mendler nimmt seinen künstlerischen Weg auch in der anderen Richtung. Lässt Realität in die mystische Welt eintreten. In sechs afrikanischen Porträts hinter Glas. Zu kriegerischen oder rituellen Ereignissen bemalte Gesichter. Mendler zeigt, dass Mystik und Realität Verwandte sind, sich ergänzen, sich gegenüber stehen. Wie die Gralshüter, wie die Pole. Aus einer gemeinsamen und doch verschiedenen Welt entstammen. Einer in Teilen sichtbaren und unsichtbaren.

Hans Steinherr

Info Die Ausstellung im Alten Schloss und im Rathaus ist geöffnet: Mo. bis Fr. 8-18 Uhr (bis 20. Januar). Am 18. Januar ab 18 Uhr führt Hans Mendler durch seine Ausstellung. Anschließend findet im Roten Saal ein Programm „mit schlauen Texten und frechen Liedern“ des Musikkabarettisten Josef Brustmann statt.