Windkraft Kuchener leiden unter Windrad-Lärm

Donzdorf lässt bauen und die Menschen in Kuchen haben die Probleme: Seit ihrer Errichtung ärgern sich viele Menschen über die drei neuen Windräder auf dem Tegelberg. Vor allem in der Nacht halten die Rotorengeräusche einige wach.
Donzdorf lässt bauen und die Menschen in Kuchen haben die Probleme: Seit ihrer Errichtung ärgern sich viele Menschen über die drei neuen Windräder auf dem Tegelberg. Vor allem in der Nacht halten die Rotorengeräusche einige wach. © Foto: Schwabenpress
Kuchen / Günter Hofer 21.02.2018
Die Windräder an der Traufkante des Tegelbergs sorgen seit ihrer Inbetriebnahme für Ärger.

Die Windräder oberhalb von Kuchen stören einige Menschen im Ort. Das berichtete Gemeinderat Volker Mann (FWV) in der Gemeinderatssitzung am Montag: Die Beschwerden zwecks Lärmbelästigung, vor allem bei Nacht,   würden sich häufen. Von der Verwaltung wollte der Gemeinderat wissen, ob die Rotorgeräusche gemessen werden, um die Lärmimmissionsgrenzwerte einzuhalten – und wer dies kontrolliere. Volker Mann, der sich sehr intensiv mit dem Thema Windpark am Tegelberg auseinandersetzt, hörte von Bürgern anderer Landkreise, dass mit Inbetriebnahme die zugesagten Werte nicht eingehalten würden.

Bürgermeister Bernd Rößner hat von den Reklamationen bei diversen sozialen Plattformen, die er nicht nutzt, gehört. Zudem beschwerten sich einige Bürger bei ihm per E-Mail und Brief über die Lärmbelästigung, seit sich die Rotoren der drei Windräder drehen. Diese stehen übrigens nicht auf der Gemarkung von Kuchen, sondern der Gemeinde Donzdorf.

Laut Informationen, die dem Bürgermeister vorliegen, würden die Grenzwerte der zulässigen Lärmbeeinträchtigung in der Nacht bei 40 Dezibel und am Tag bei 55 Dezibel liegen. Entsprechend den Genehmigungsunterlagen für den Windpark Tegelberg, muss nachts zudem auf einen schallreduzierten Betrieb beim „Windrad 3“ (ortsnah zu Kuchen) umgeschaltet werden. Ein solcher Betrieb sei allerdings, so sagten es ihm Fachleute, mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbar. Erschwerend kommt auch hinzu, dass die Grenzwerte bedingt durch Wind- und Wetterlagen im Bereich von Kuchen schwer beweisbar sind.

Gutachten soll 2018 kommen

Bereits im Zuge des Genehmigungsverfahren haben sich die Windparkbetreiber, die sich zwischenzeitlich zu der Windpark Tegelberg GmbH umfirmierten, laut Bernd Rößner dazu verpflichtet, noch in diesem Jahr ein Gutachten mit gemessenen und eingehaltenen Werten vorzulegen.

Bernd Rößner hat sich wegen der Zunahme an Beschwerden von Bürgern seiner Gemeinde, bereits im Januar per Schreiben an das Landratsamt gewandt. Eine Antwort aus Göppingen stand Montagabend, vier Wochen später, noch immer aus. In dem Schreiben forderte die Gemeinde eine umgehende Überprüfung der von den Windrädern ausgehenden Lärmimmissionen.

Ebenfalls in einem Schreiben (Landratsamt und Windpark GmbH) hat Rößner auf die Gefährdung von Wanderern durch Eisbruch und Eiswurf im Umfeld der drei Windräder aufmerksam gemacht und sich vom Betreiber eine entsprechende Beschilderung erhofft. Denn bei nasskaltem Wetter mit Minusgraden bildet sich an den Rotoren Eis, das irgendwann herabfällt. Von der Windpark Tegelberg GmbH kam auf die Anfrage bezüglich der Haftung bei einem eventuellen Eisunfall keine Antwort. Wegen der Beschilderung wurde darauf verwiesen, dass entsprechend der Auflage des Landratsamtes  eine Beschilderung bereits erfolgte.

Standort so dicht an Traufkante auch Rößner ein Dorn im Auge

Für Ärger sorgten die Wind­räder auf dem Tegelberg schon bevor sie in Betrieb gingen. Allein schon die Montage der Anlagen Ende 2017  führte zu allerlei Kritik. Von einer „Nacht und Nebel-Aktion“ war in sozialen Netzwerken zu lesen und mancher Zeitgenosse warf der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat Kuchen Untätigkeit vor. „Ja geht’s noch“, war die Reaktion von Kuchens Bürgermeister Bernd Rößner auf diese Unterstellungen, auf die er beim Neujahrsempfang eingegangen war.

Zwar hätten die Räte und er 2012 dem Windvorrang-Gebiet Tegelberg zugestimmt, allerdings knüpften sie ihre Zustimmung im relevanten Bau-Genehmigungsverfahren an die Zusage, dass die Windräder nicht so nah an der Traufkante stehen sollen. „Leider erfolglos“, resümierte Bernd Rößner. „Wir haben es wenigstens mit unseren Möglichkeiten versucht.“

„Im Gegensatz zu manch anderen, die erst jetzt aufgewacht sind“, ärgerte er sich über die Kritiker. „Wo waren diese Leute in den Gemeinderatssitzungen oder bei unserer Bürgerinfo?“, fragte er und wundert sich, wieso nur eine Handvoll Menschen dem Aufruf der Stellungnahme gefolgt seien und nur Wenige die Petition der Sommerberg-Anlieger unterstützt hätten.

Schon Anfang 2017 ahnte Bernd Rößner, dass die Kritiker sich erst melden, wenn die Anlagen schon stehen. „Stell dir vor, da plant jemand drei Windräder direkt an der Traufkante des Tegelbergs und scheinbar nur wenige interessiert es“, habe er beim Neujahrsempfang im vergangenen Jahr gesagt. Er fürchtete damals dass sich dies ändert, sobald die Anlagen deutlich sichtbar mit 200 Metern in die Höhe ragen. „Und genauso ist es gekommen – keine Überraschung“, sagte er. Zwar seien ihm diese Windräder lieber als jedes Atomkraftwerk, aber ihn „ärgert auch, wie dieser auf Donzdorfer Gemarkung stehender Windpark von den Genehmigungsbehörden durchgedrückt wurde“. isi

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