Entwicklung Kuchen lebt vom Miteinander

Die vielen Besucher in Kuchens Bahnhofturnhalle erfuhren, dass die Gemeinde über Rücklagen von sechs Millionen Euro verfügt. Deshalb zeigte sich Bürgermeister Bernd Rößner spendabel.
Die vielen Besucher in Kuchens Bahnhofturnhalle erfuhren, dass die Gemeinde über Rücklagen von sechs Millionen Euro verfügt. Deshalb zeigte sich Bürgermeister Bernd Rößner spendabel. © Foto: Ilja Siegemund
Von Ilja Siegemund 09.01.2018

Zahlreiche Gäste waren am Sonntagmorgen zum Neujahrsempfang der Gemeinde Kuchen in die Bahnhofturnhalle geströmt, um miteinander ins Gespräch zu kommen und dem Rück- und Ausblick des Bürgermeisters Bernd Rößner zu lauschen. Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung vom Bezirksbläserteam Geislingen unter der Leitung von Günter Schlecht.

Der Bürgermeister, der im April 2017 in seine vierte und letzte Amtszeit gewählt worden war, untermauerte seine Ausführungen mit Bildern. Die Fotografien zeigten unter anderem bereits umgesetzte und noch anstehende Projekte in der Gemeinde, aber auch Eindrücke eines mehrwöchigen Thailand-Ausflugs des Bürgermeisters mit seinem Sohn im November. „Die Menschen dort haben fast nichts, sind aber zufrieden“, verdeutlichte Rößner.

Millionen von Euro investiert

Der 52-Jährige machte deutlich, was die Gemeindeverwaltung unternimmt, damit auch die Menschen in Kuchen zufrieden sind: In den vergangenen acht Jahren habe die Gemeinde etwa 11,6 Millionen Euro investiert; davon habe sie im vergangenen Jahr etwa 1,2 Millionen Euro in die Sanierung der Straßen und Wasserleitungen gesteckt. In diesem Jahr sollen für weitere 1,5 Millionen Euro die Straßen repariert werden. Außerdem investiere die Gemeinde jährlich etwa 900 000 Euro in die vier Kindergärten, in denen insgesamt 160 Mädchen und Jungen betreut werden. Für mindestens eine halbe Million Euro will die Gemeinde heuer die Ankenhalle sanieren. „37 Jahre hinterlassen ihre Spuren“, sagte Rößner. Weitere 625 000 Euro stecke die Gemeinde 2018 in die Sanierung der Tartanbahn und in einen Kunstrasenplatz für die Fußballer.

Dass diese Investitionen zur Zufriedenheit der Kuchener beitragen, bestätigten beispielsweise die Eheleute Ella und Jochen Helber. Die 36- und der 41-Jährige durften sich über eine der 50 Einladungen zum Neujahrsempfang freuen, die die Gemeindeverwaltung im Vorfeld unter den Bürgern verlost hatte. „Kuchen hat eine gute Infrastruktur und ein lebendiges Gemeindeleben“, lobte Ella Helber. Vor allem für Kinder sei das Angebot sehr gut, ergänzte die Mutter zweier Buben. Wenige Meter entfernt unterhielten sich Alexandra (46) und Markus (45) Lück angeregt mit Oliver Daiss (51). Auch sie sind voll des Lobes über ihre Heimatgemeinde: „Kuchen ist sehr lebendig“, sagte Markus Lück. Seine Ehefrau hob die „gute Mischung aus Jung und Alt“ hervor, und Oliver Daiss genoss den „tollen Vormittag“.

Einer, der trotz zahlreicher Auftritte pro Jahr auf den Schlager-Bühnen Europas „sein“ Kuchen auch an diesem Morgen nicht missen wollte, war Tobias Riether, besser bekannt als Tobee. „Das Miteinander macht Kuchen aus“, betonte der 32-jährige Schlagersänger. In Kuchen sei alles erhältlich, was man für den täglichen Bedarf benötige. „Wir sind rundum versorgt“, betonte er. Allerdings, schränkte Tobee ein, gebe es eine große Ausnahme, die das Leben in der liebenswürdigen Gemeinde einschränke: die B 10.

Darauf war wenige Minuten zuvor auch Bernd Rößner eingegangen. Und er prophezeite: Es sei eine noch größere Verkehrsbelastung zu erwarten, wenn die neue B 10 an Gingen vorbeiführt und in die alte Bundesstraße vor Kuchen mündet. „Durch die Trichterwirkung wird es noch übler werden.“ Hinzu komme: Die B 10 müsse in den Sommerferien (26. Juli bis 8. September) vier Wochen lang gesperrt werden; in dieser Zeit werde für etwa 1,1 Millionen Euro auf einem 1,7 Kilometer langen Abschnitt der Bundesstraße Flüsterasphalt aufgetragen, um so den Verkehrslärm zu reduzieren. Die Umleitung erfolge über Kuchens Nebenstraßen.

Ein weiteres Thema war die 21,2 Millionen Euro teure Sanierung des Geislinger Michelberg-Gymnasiums, an der sich Kuchen mit mehr als 1,2 Millionen Euro beteiligen soll. „Das war bisher im Land bei anderen Schulsanierungen nicht üblich und sprengt jegliche Dimension“, ärgerte sich Bernd Rößner. „Weil es keine klare Rechtsgrundlage gibt, wird das Ganze vor Gericht zu klären sein“, ergänzte der Schultes, der das Land Baden-Württemberg in der Verantwortung sieht.

Abschließend lud Rößner ein, das zu tun, was bei den Menschen aus dem thailändischen Dorf eine große Rolle spielt: miteinander essen und reden. Serviert wurden Brezeln – heuer angesichts der Rücklagen in Höhe von sechs Millionen Euro mit einer besonderen Zugabe, wie Bernd Rößner betonte: „mit Butter!“.