Ehrung Krönung eines Züchterlebens

Rolf Schrag mit seinen Lieblingen. Er hat alle Ehrungen der Kleintierzucht.
Rolf Schrag mit seinen Lieblingen. Er hat alle Ehrungen der Kleintierzucht. © Foto: Staufenpress
Heiningen / Jürgen Schäfer 30.12.2016

Als Meister der württembergischen Rassegeflügelzucht hat der Verband Württemberg-Hohenzollern dieses Jahr Rolf Schrag ausgezeichnet – eine Ehrung, die nur zweimal im Jahr verliehen wird. Schrag kennt nur einen weiteren Preisträger im Kreis.

„Ich kann keine Ehrung mehr kriegen“, sagt er. Schrag ist schon Meister der schwäbischen Rassekaninchenzucht, er hat die Goldene Bundesnadel. Nur eine weitere Ehrung gibt es, aber dazu müsste Schrag nicht nur Züchter, sondern auch Preisrichter sein.

Mit 14 hat ihn das Züchterfieber gepackt. Als er die Kaninchen bei seinem Freund Hansjörg Frieß sah. Schrag legte sich aber Hühner zu. Große Hühner, rebhuhnfarbige Italiener, die er in Holzheim kaufte. Mit 19 holte er seine erste Trophäe bei der Jungtierschau, mit 22 war er erstmals Vereinsmeister. Mit Amrocks, weiß-schwarz, stahl er den alten Züchtern die Schau. „Die waren schon geschockt“, schmunzelt er.

Enten und Puten folgten. Die flogen dann den Tag über aus, tummelten sich in Dorfgassen oder saßen, wie die Warzenenten, auf dem Kirchendach. „Die sind halt gegangen. Heute dürfte das nicht mehr sein“, erzählt der 69-Jährige. Später musste Schrag auch seine Hähne aus dem Wohngebiet entfernen. Weil sie nun mal krähen. Als er das bei Gelegenheit dem Altbürgermeister Hansjörg Schädler erzählte, habe der nur den Kopf geschüttelt. Heute hätten die Kinder wahrscheinlich ihre Freude daran. Schüler sind Zaungäste bei Schrag, die Schule grenzt an seinen Garten, und die schauen gerne den Hühnern zu. Derzeit nicht  – wegen der Vogelpest müssen sie im Stall bleiben.

Schrag brachte die Hähne in die Zuchtanlage, und so wurde die sein zweites Standquartier. Einen kleinen Bestand hat er heute dort, Männlein und Weiblein, alte und junge. Zweimal am Tag schaut er nach ihnen. Als er noch arbeitete, hatte er keinen Feierabend vor abends um neun, erst ging’s nach Hause zum Hühner- und Hasenstall, dann in die Anlage. Mit dem Ruhestand trat er kürzer: Die Kaninchenzucht gab er auf, was ihm vorher keiner geglaubt hat, und der Hühner sind es „nur“ noch 50 bis 60 statt früher 150.

„Zwergele“, sagt Schrag. Zwerghühner, weil man für die großen zu viel Platz braucht. Der Heininger hatte schon auf die Kleinen umgestellt, auf Barnevelder und braune Hampshire, als er Hampshire in Weiß auf einer Ausstellung in Sinsheim sah. Sie wurden seine große Züchterliebe. „Eine weiße Henne im grünen Gras“ – was kann es Schöneres geben.

Schrag ist der älteste Züchter im Heininger Verein. Das waren früher mindestens 20, heute vielleicht noch zehn, bedauert er. Er war auch immer der Treiber, sagt er. Ohne ihn wäre keine neue Zuchtanlage gebaut worden. 20 und mehr Jahre war er der Geschäftsführer. Und schon 1970 war er beim Bau der Kleintierzüchterhalle dabei. „Jeden Tag.“ Damals war er schon 2. Vorstand. Der Vorsitzende war Willi Traub – auch ein „Meister der württembergischen Rassegeflügelzucht“.

Jürgen Schäfer

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