Uhingen Kritiker wettern weiter gegen Gebiet

Noch befinden sich die Pläne für ein Gewerbegebiet zwischen Ebersbach und Uhingen im Anfangsstadium. Doch Gegner des Vorhabens fahren scharfe Attacken gegen dessen Verwirklichung.
Noch befinden sich die Pläne für ein Gewerbegebiet zwischen Ebersbach und Uhingen im Anfangsstadium. Doch Gegner des Vorhabens fahren scharfe Attacken gegen dessen Verwirklichung. © Foto: Staufenpress
Uhingen / WERNER SCHMIDT 18.05.2018
Die Gegner des Vorhabens werfen den Städten Uhingen und Ebersbach weiter mangelnde Transparenz und Mitsprache vor.

Bei einer vierstündigen, teils äußerst emotionalen Informationsveranstaltung zum Thema „Interkommunales Gewerbegebiet Fils“ kam es am Mittwochabend zu keiner Annäherung zwischen Gegnern und Befürwortern. Gut 300 Besucher kamen zur Veranstaltung des „Zweckverbands Gewerbepark Fils“ in die Turnhalle in Nassachmühle.

Die 220 Stühle waren ebenso schnell besetzt wie die Parkplätze außerhalb belegt. Viele Interessierte aus den beteiligten Kommunen Uhingen und Ebersbach standen, als Uhingens Bürgermeister Matthias Wittlinger erklärte, Ziel sei es, darzustellen, dass die Vorteile des Gewerbegebiets „trotz kritischer Prüfung“ die Gemeinderäte beider Städte überzeugt haben.

Die Vorteile des Gebiets sahen nun insbesondere die Gegner des Gebiets anders. Und so regierten zumindest in der ersten Hälfte der Veranstaltung Zwischenrufe, persönliche Angriffe und Polemik deutlich mit.

Und obwohl auch Ebersbachs Bürgermeister Eberhard Keller den Schulterschluss mit Uhingen übte: „Die Zusammenarbeit beider Kommunen ist ein Ergebnis gleichartigen Denkens“, wurde immer wieder Matthias Wittlinger als Vorsitzender des eigens für die Entwicklung des Gebiets gegründeten Zweckverbandes zum Ziel verbaler Angriffe.

Und obwohl sowohl Wittlinger als auch Planer Erich Ernst Kuhn immer wieder betonten, man habe kein Interesse an Hochregallagern, holten die Gegner immer wieder dieses Beispiel aus der Schublade. Schon während der ersten beiden Informationsveranstaltungen in diesem März und im Sommer vergangenen Jahres war darauf hingewiesen worden, dass die Gebäude maximal 18 Meter hoch werden dürften – und in dieser Höhe gebe es heutzutage keine Hochregallager mehr: „Unter 30 Metern lohnt sich das nicht. Daher kommen sie hier auch gar nicht in Frage“, stellte Kuhn klar.

Bei der Vorstellung der ersten Planungen im Sommer 2017 hatte ein Bürger ein Verkehrsgutachten angeregt, das am Mittwochabend vorgestellt wurde. Aber zufrieden sind die Gegner des Projektes nicht.

Bemängelt wurde, dass die Verkehrszählung an nur einem Tag erfolgt sei, dass um sechs Uhr und nicht schon um fünf Uhr damit begonnen worden war – und dann wurde aus dem Publikum unter lautem Gelächter in den Raum geworfen, der Tag der Verkehrszählung, der 20. Februar, habe in den Faschingsferien gelegen. Diese Kritik konnte mit einem Blick in den Kalender schnell zurückgewiesen werden.

Das Verkehrsgutachten, bei dem sich die Macher auf acht Knotenpunkte konzentrierten, kommt zu dem Schluss, dass es zwar Engpässe geben werde, die aber vorwiegend im Bereich das Nassachbachtalbrücke und der Nassachstraße zu Problemen führten. Gemindert werden könnten diese mit dem Bau einer Ampel an dieser Kreuzung, die heute noch ampelfrei ist. Diese vorgeschlagene Ampel müsse koordiniert werden mit der Ampel weiter nördlich an der alten B 10, die einerseits nach Uhingen und andererseits nach Ebersbach führt. Insgesamt sei ein sehr leistungsfähiges Straßennetz vorhanden, sagte Gutachter Björn Winter.

Die Untersuchung der Flora und Fauna sei noch im Gang, das Lärmgutachten des geplanten Gewerbegebiets dagegen habe ergeben, dass tagsüber die Lärmwerte von 60 Dezibel eingehalten werden, nachts allerdings überschritten würden, sodass hier Regelungen notwendig seien, sagte Wittlinger. Möglich sei ein Verbot des Drei-Schicht-Betriebs oder ein Lkw-Fahrverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Dies könne über den Bebauungsplan geregelt werden, von dem man bisher aber noch weit entfernt sei.

Die starke emotionale Eingebundenheit der Besucher habe ihn überrascht, sagte Wittlinger später. Es gab im Publikum aber Zuhörer, die zur Sachlichkeit aufriefen: „Lassen Sie uns vernünftig an das Thema rangehen“, forderte ein Ebersbacher auf. Die beiden Verwaltungen machten sich Gedanken um den Strukturwandel und darum, Arbeitsplätze zu erhalten: „Wenn wir die Chance erhalten, sollten wir sie nutzen“, appellierte der Mann und stand kurz davor, ausgebuht zu werden.

Die Bürgerinitiative (BI) „Kein Gewerbepark Fils“ warf den Verwaltungen und dem Zweckverband mangelnde Transparenz und fehlende Beteiligung vor, ließ es aber an Argumenten fehlen, was Wittlinger nach der Stellungnahme der BI und deren Bemerkung: „Ich habe den Eindruck, das vor den Wahlen 2019 noch schnell Fakten geschaffen werden sollen“, zu der Replik veranlasste: „Die Zugabe, die wir aus dem Kabarett gewöhnt sind.“

Das trug nicht unbedingt zu Beruhigung der aufgeheizten Stimmung bei. Mit Bemerkungen wie: „Für uns Uhinger ist es Zeit, Flagge zu zeigen, aufzustehen und zu kämpfen“ und „Wir können doch der Region Stuttgart nicht den Gefallen tun und übereilt ein Gewerbegebiet beschließen“ und „Wir können diesem Konzept nicht zustimmen“ konnte sich die Bürgerinitiative die Zustimmung der Planungsgegner allerdings sichern.

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