„Hallo, ich heiße Lilia und bin fünf Jahre alt. Im Dezember bin ich mit meinen Eltern nach Brasilien gereist, um meine Verwandten zu besuchen. An Weihnachten ging es mir so schlecht, dass ich ins Krankenhaus kam. Dort wurde ein Hirntumor festgestellt und entfernt. Es kam heraus, dass ich schwer an Krebs erkrankt bin. Nun möchte ich wieder nach Hause.“ So lautet ein Eintrag auf Facebook, der viele Menschen im Landkreis bewegt. Keine Krankenkasse fühle sich zuständig, wegen der doppelten Staatsbürgerschaft. Deshalb müsse die Familie den Krankentransport aus eigener Tasche zahlen und bittet nun um Spenden, heißt es in dem Facebook-Beitrag.

Weil Krankenkassen nicht zahlen: Familie bittet um Spenden

Gestartet hat den Aufruf Pamela Menzel, eine Freundin von Lilias Mutter Simone Rakko, die im Kinderhaus Schlat als Erzieherin tätig ist. Sie nutzte einen Teil ihrer Elternzeit für ihr zweites, elf Monate altes Kind, um mit ihrer Familie die Verwandtschaft ihres aus Brasilien stammenden Ehemanns Karlo zu besuchen. „Als sie am 1. Dezember losflogen war alles in Ordnung“, erzählt Oma Angelika Riegraf. „Am Heiligen Abend hörte Lilia nicht mehr auf sich zu erbrechen und klagte über starke Kopfschmerzen. Beim CT im Krankenhaus wurde ein großer Tumor festgestellt, der am 27. Dezember sofort operiert wurde.“ Danach habe sich Lilia gut erholt und das Krankenhaus verlassen dürfen. Der ursprünglich für den 23. Januar geplante Heimflug musste allerdings um eine Woche verschoben werden, da Lilia wegen der OP noch nicht fliegen durfte. Vor drei Tagen brach Lilia zusammen und musste zurück in die Klinik. „Dort wurden neue Geschwulste diagnostiziert“, berichtet die Oma. „Lilia hat Krämpfe, starke Schmerzen und bekommt Morphium. Sie ist bei Bewusstsein und möchte nach Hause.“

Schwiegersohn hat teuren Ambulanzflug organisiert

Der Schwiegersohn hat für Montag einen Ambulanzflug – ein normaler Flug ist ausgeschlossen – organisiert, der sehr teuer ist. Wegen der doppelten Staatsbürgerschaft, sehe sich keiner zuständig, diesen Flug zu bezahlen. Die staatliche brasilianische Versicherung habe Operation und Krankenhausaufenthalt übernommen, zahle aber nicht den Heimflug. Die AOK Bayern will ihn auch nicht bezahlen. Familie und Freunde haben nun 80 000 Euro zusammengekratzt. „Der Flug kostet aber 100 000 Euro“, weiß Pamela Menzel, „und die 80 000 Euro, als Anzahlung, sind nur geliehen.“ Die Gemeinde Schlat hat ebenfalls ein Spendenkonto eingerichtet. „Der Elternbeirat des Kinderhauses hat bei mir vorgesprochen und darum gebeten“, berichtet Bürgermeisterin Gudrun Flogaus, die sofort ein so genanntes Servarkonto einrichtete. Sie weist darauf hin: „Eine Spendenbescheinigung gibt es in diesem Fall leider nicht.“

„Wir sind alle sehr traurig“

„Die Überlebenschancen für Lilia stehen schlecht“, weiß Angelika Riegraf. „Wenn sie am Dienstag landet, kommt sie zunächst nach Tübingen und für die verbleibende Zeit hoffentlich nach Hause. Wir sind alle sehr traurig und wären froh, wenn die Familie meiner Tochter nicht auch noch den Rest ihres Lebens den Flug abbezahlen müssten.“

Spendeninformationen für Lilias Heimflug

Für Lilias Heimflug kann unter www.gofundme.com/lilia-muss-nach-hause, oder unter Gemeinde Schlat, Volksbank Göppingen, IBAN DE93610605000520080009, Verwendungszweck Simone Rakko, gespendet werden.

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Vellberg

„Ich sehe sie immer vor mir“


Kindergarten Nicht aus dem Kopf geht Kirchenmusikdirektor Klaus Rothaupt das Schicksal von Lilia und ihrer Familie. Rothaupt kommt regelmäßig in den Kindergarten Manzen, um mit den Kleinen zu singen. Als er diese Woche da war, vermisste er ein Mädchen, das sonst immer in der ersten Reihe stand. Da es in der Gruppe ungewöhnlich still war, fragte er, ob etwas passiert sei. Eine Erzieherin erzählte Lilias Geschichte. Rothaupt kann es bis jetzt nicht fassen: „So ein heiteres, nettes Mädchen, ich sehe sie immer vor mir.“ maz