Bei mehr als einem Drittel der Menschen, die an Burnout leiden, sei die Erkrankung arbeitsplatzbedingt, erklärt Alexander Conz. Er ist Oberarzt in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Fachpsychotherapie im Göppinger Christophsbad und saß bei der NWZ-Telefonaktion, die am Mittwoch stattfand, am Telefon.

Gemeinsam mit Professor Martin Ruchsow, leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Christophsbad, und Dr. Sandra Schmid-Domay, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Süßen, beriet er Anrufer zum Thema Burnout. Die Erkrankung, die ohne Behandlung in einer Depression enden kann, sollte ernst genommen werden, raten die Ärzte. Die Fragen der Anrufer deckten ein weites Spektrum ab. Die Experten hatten auf alle Antworten:

Wann geht eine unbedenkliche Erschöpfung in eine Krankheit über?

Der Übergang ist fließend, es gibt keine genau definierte Grenze. Anzeichen für eine Krankheit sind vorhanden, wenn es nicht nur bei Müdigkeit und Erschöpfung bleibt. Kommen Widerwille und Unlust sowie beispielsweise eine starke emotionale Abneigung gegenüber dem alltäglichen Gang zur Arbeit hinzu, ist es wahrscheinlich, an einem Burn­out zu leiden

Und wann wird aus einem Burnout eine Depression?

Aus psychiatrischer Sicht ist Burnout eine Form einer leicht- bis mittelgradigen Depression. Genau wie beim Übergang von einer Erschöpfung zum Burnout, ist der zur Depression fließend. Oftmals ist ein Burnout kontextbezogen, etwa berufsbedingt. Eine Depression hingegen ist häufig kontextfrei. Symptome sind neben der Schlafstörungen der Zwang zu Grübeln und die Unfähigkeit abschalten zu können.

Woran ist erkenntlich, dass man seine Belastungsgrenze erreicht?

Ein Warnsignal dafür, an seine Belastungsgrenze zu stoßen, ist der Moment, in dem gute Ratschläge vertrauter Personen sowie „Hausmittel“ – ausreichend Schlaf und Spaziergänge – nicht mehr ausreichen. Sobald der Gedanke vorhanden ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, das persönliche Limit erreicht zu haben.

Sollte Hilfe von außen in Anspruch genommen werden und wenn ja, durch wen erfolgt diese?

Von einer Selbstmedikation, wie sie mitunter durch den Konsum von Alkohol erfolgt, sollte man unbedingt absehen. Empfehlenswert ist es, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Absprache mit einem Hausarzt ist ratsam, er sollte der erste Ansprechpartner sein. Dieser kann als Koordinator für alle weiteren Schritte dienen und den Kontakt zu einem Facharzt herstellen. Der Hausarzt kann über die Dauer einiger Wochen Medikamente verordnen. Diesen sollte der Patient ausreichend Zeit geben, ihre Wirkung zu entfalten.

Arzt-Patienten-Forum zum Thema Burnout


Info Am Mittwoch, 13. November, findet in der Göppinger Stadthalle von 19 bis 21 Uhr das nächste Arzt-Patienten-Forum statt. Dort geht es ebenfalls um Burnout. Fachärzte beantworten unter anderem die Frage, welche Prävention und Therapien es gibt. Eintrittskarten für die Veranstaltung gibt es zum Preis von drei Euro bei der VHS in Göppingen sowie bei der NWZ.