Konzertlesung Konzertlesung in Ebersbach zu Rose Ausländer

Rezitator Harald Vogel betreut den lyrischen Nachlass von Rose Ausländer.
Rezitator Harald Vogel betreut den lyrischen Nachlass von Rose Ausländer. © Foto: Sandra Thurner
Ebersbach / SWP 02.08.2018

„Ich liege im Schatten und träume Sonne“, diese Gedichtzeilen der Rose Ausländer (1901-1988), Schriftstellerin und Lyrikerin jüdischer Herkunft, sind charakteristisch für ihr außergewöhnlich schöpferisches Werk, das in ihrem Leben, in ihrem Überleben zwischen Realität und Traum vermittelte.

Als Holocaust-Überlebende versuchte sie mithilfe von Sprache und Poesie die unfassbare, erlebte Wirklichkeit zu verarbeiten. Das Leid, die Traumatisierungen und der Heimatverlust, die Ausländer auch in ihren dunkelsten Momenten immer wieder neu und anders beschrieb, etwa mit „schwarz, schwärzer als schwarz“ oder „Wir waren die Scheiterhaufen unserer Zeit“ verlangten vom Rezitator Harald Vogel, dem Pianisten Johannes Weigle und der Cellistin Cecilia Castillo ein besonderes Maß an Feinsinn und Expressivität, das alle drei Künstler immer wieder stimmig umsetzten.

Die in Czernowitz als Rosalie Beatrice Scherzer geborene Autorin formulierte hierzu einmal: „Ich habe, was man die Wirklichkeit nennt, auf meine Weise geträumt, das Geträumte in Worte verwandelt und meine geträumte Wortwirklichkeit in die Wirklichkeit der Welt hinaus geschickt. Und die Welt ist zu mir zurückgekommen.“ Dieses Bekenntnis der Schriftstellerin gegen die Verzweiflung las der Literaturprofessor Harald Vogel zweimal, um die Wirkung dieser Worte, die so grundlegend und kennzeichnend für ihr Schreiben sind, zu transportieren.

Die Wesenheit ihrer Dialoge wandelte sich im Laufe ihre Lebens von erzählender Prosa hin zu einer Verdichtung in Form von Lyrik, berichtete Vogel. Sie hatte am Ende ihres Lebens etwa 20 000 „Zettel“ in ihrem Kleiderschrank. Der Literaturwissenschaftler, der den lyrischen Nachlass von Rose Ausländer betreut, hat den Bestand kopiert – dieser soll elektronisch international zugänglich gemacht werden. „Sie können eine poetische Genese nachvollziehen.“ Untersucht man diese Geschichte, stößt man auch auf die USA, wo Rose Ausländer ab 1946 im Exil lebte; bis sie 1965 nach Deutschland (Düsseldorf) zurückkehrte.

Und so transformierten Johannes Weigle (außer Flügel auch mit Gitarre, Musiksäge sowie Darbuka-Trommel) und Cecilia Castillo die Schwere der Matinée in einen für Amerika typischen, groovigen Blues, und Harald Vogel rezitierte einmal mehr eine Schriftstellerin, die „für“ das Leben schrieb: „Die Vergangenheit hat mich gedichtet  / ich habe die Zukunft geerbt / Mein Atem heißt / jetzt.“ Sandra Thurner

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