Konzert Konzert: Familie Rückschloß in Christuskirche

Rainer Maria Rückschloß, Uta Barbara Schwenk-Rückschloß und ihre beiden Kinder Ada Aria und Ead Anner beeindruckten mit ihren musikalischen Vorträgen zum Thema Ewigkeit. 
Rainer Maria Rückschloß, Uta Barbara Schwenk-Rückschloß und ihre beiden Kinder Ada Aria und Ead Anner beeindruckten mit ihren musikalischen Vorträgen zum Thema Ewigkeit.  © Foto: Veranstalter
Eislingen / Eckhart Naumann 07.12.2018

Ein besonderes Ereignis fand am Ewigkeits- oder Totensonntag in der Eislinger Christuskirche statt. Die Besonderheit bestand in der glücklichen Verbindung von Musik, Texten und Bildern zur Thematik „Gedanken an die Ewigkeit“ – der Menschen eigentliche Heimat nach dem Abschied aus der irdischen Welt. In der Barockzeit auch als „Jammertal“ bezeichnet, angesichts vieler Kriege. Bilder und Texte, passend zur Thematik, wurden von Pfarrer Frieder Dehlinger ausgewählt und interpretiert.

Den musikalischen Beitrag verwirklichte aufs Beste die hochmusikalische – und in Europa weitgereiste und vielfach ausgezeichnete – Familie Rückschloß: Vater Rainer Maria mit seiner Frau Uta Barbara Schwenk-Rückschloß und dazu die beiden – mittlerweile erwachsenen – Kinder Ada Aria und Ead Anner mit ihren Instrumenten Orgel bzw. Basso continuo, Violoncelli (gespielt von Mutter Uta Barbara und Sohn Ead) und Ada mit hochausdrucksvollem Violin-(Solo-)spiel.

Anfang und Ende beinhalteten je eine Sonate aus opus 37 (Nr. 4 in g- und Nr. 5 in a-Moll) des französischen Barockmeisters Joseph Bodine Boismortier (1689-1755), den es schon in frühen Jahren von seiner Geburtsstadt Thionville über Perpignan nach Paris zog, dem wichtigsten Musikzentrum dieser Zeit. Von Boismortier kann man im mehrbändigen Werk „Musik in Geschichte und Gegenwart“ lesen, dass er ein „flinker, unermüdlich schaffender Komponist“ war, ein „gewandter Meister“, der sich „mit Erfolg in allen Gattungen“ seiner Zeit versuchte. Die beiden genannten, jeweils dreisätzigen Sonaten waren von der schwermütigen Thematik bzw. dem Charakter in den langsamen Sätzen „Adagio“ und „Largo“ gekennzeichnet. Doch gegensätzlich dazu strahlten die schnell dahineilenden Sätze „Allegro“ oder „Vivace“ auch Tänzelndes und Fröhliches aus, von den Musizierenden bravourös gemeistert.

Zur Orgelbearbeitung über den Choral „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ (BWV 641, als opus ultimum letztes ausdrucksstarkes Werk) von Johann Sebastian Bach konnte die meditierende Zuhörerschaft ein Kreuz des Münchner Künstlers Karl Schlamminger (1935-2017) betrachten, das eine aufgehende Blüte beinhaltete.

In der Musikgeschichte ist ja das Gebiet „Thema mit Variationen“ schier unerschöpflich; so konnte man zu jenem Kreuz die beeindruckenden „Veränderungen“ opus 150, Nr. 1 in C-Dur vom Romantiker Josef Gabriel Rheinberger (1831-1901) mit allen Sinnen genießen. Hier war die Orgelbegleitung mit ruhigen Klangfarben dargestellt, jedoch im Violinpart in den tiefen bis zu den höchsten Tonlagen von starkem, aber auch zartem Ausdruck geprägt im meisterlichen Solospiel von Ada Aria Rückschloß.

In diesem Sinne musizierten Rainer Maria, Ead Anner und Ada Aria Rückschloß die expressive „Sarabande“ opus 149, Nr. 3 von Meister Rheinberger. Beide Kompositionen sind romantische Charakterstücke und feinsinnige Adaptionen barocker Formtypen und eröffnen eine Klangwelt von besonderem Reiz. Die drei ausführenden Künstler brachten dies in einfühlsamer und anrührender Weise durch ihr harmonisches Spiel zum Ausdruck.

Zu diesen Klängen betrachtete man den Treppenaufgang zum Hochaltarraum in der Klosterkirche zur Heiligen Maria zu Fulda als Hinführung zum Erzengel Michael, dem „Seelenwäger“ in der eben genannten Klosterkirche, gestaltet von der Benediktinerin Lioba Munz (gestorben 1997).

Meisterlich trug Rainer Maria Rückschloß auf der spätromantischen Link-Mühleisen-Orgel die beiden Choralbearbeitungen „Alle Menschen müssen sterben“ sowie „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ aus Bachs „Orgelbüchlein“ vor, je mit gekonntem Ausdruck und angemessener Registerauswahl.

Im „Liturgischen Schluss“ konnte die hörende und sehende Gemeinde sich auf die schönen Darstellungen des Südfensters des Dresdener Künstlers Gerhard Richter aus dem Kölner Dom in ihrer wunderbaren Farbigkeit sowie den Sinn des Ewigkeits- und Totensonntags im Gebet mit dem „Vater unser“ konzentrieren.

Als musikalischer Schlusspunkt erklang die oben bereits erwähnte dreisätzige Sonate (in a-Moll) von J.B. de Boismortier, u.a. im langsameren „Largo“ mit Moll- und Dur-Passagen im Sinne einer schönen Abwechslung.

Das Publikum würdigte diesen schönen, konzertant-besinnlichen Abend mit herzlichem Beifall.

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