Eislingen Konfliktradler im Visier

In der Eislinger Hauptstraße müssen sich Auto- und Radfahrer die Fahrbahn teilen. Manchem Radler wird es zu eng und er ergreift die Flucht auf den Gehweg.
In der Eislinger Hauptstraße müssen sich Auto- und Radfahrer die Fahrbahn teilen. Manchem Radler wird es zu eng und er ergreift die Flucht auf den Gehweg. © Foto: Staufenpress
Eislingen / Karin Tutas 24.08.2018
Die Eislinger CDU beklagt ein oft rücksichtsloses Verhalten von Radfahrern fordert eine strengere Überwachung.

Die jüngst dem Gemeinderat vorgetragene Bilanz der Verkehrsverstöße von Autofahrern veranlasste die CDU, auch eine besserer Überwachung der Fahrradfahrer zu fordern. Die Kommunalpolitiker sprechen von „teils anarchischen Zuständen“: Radler, die – zum Teil trotz parallel verlaufender Radspuren – regelwidrig und oft viel zu schnell auf Gehwegen führen, an Fußgängerüberwegen nicht anhielten oder freihändig, mit dem Handy am Ohr unterwegs seien und damit nicht nur Fußgänger, sondern auch sich selbst gefährdeten, zählen die Christdemokraten auf. „Ein großes Problem ist das mangelnde Unrechtsbewusstsein und die Verkennung von Gefahren“, erklärt der Stadtverbandsvorsitzende Axel Raisch und fordert Ordnungsamt und Polizei auf, diesem Missstand ein Ende zu setzen.

Der Gegenwind aus Richtung der Radfahrer-Lobby folgte prompt. In puncto Rücksichtslosigkeit unterschieden sich Auto-,­  Radfahrer und Fußgänger kaum voneinander, erklärt der ADFC-Kreisverband Göppingen. Fakt sei aber, dass immer der jeweils Schwächere unter dem Stärkeren leide – und „rücksichtslose Radler sind für Fußgänger schon heikel“, räumt der Kreisvorsitzende Dirk Messer ein. Jedoch ist für den ADFC ein vielerorts fehlendes Wegenetz für Radfahrer Ursache der Konflikte. In der Regel sei die Infrastruktur ein unzusammenhängendes, unlogisches und halbherziges Stückwerk. „Radfahrer müssen sich mit Restflächen zufrieden geben, die der flächenhungrige Autoverkehr übrig lässt“, so Messer.

„Ich bin sicher, dass gut ausgebaute und durchgängige Radwegenetze die Probleme verringern würden“, meint der ADFC-Vorsitzende und fügt hinzu, dass man in Eislingen da sehr offen sei. Bis 2025 will die Stadt ihr Radverkehrskonzept umgesetzt haben. Viele darin festgelegte Verbesserungen seien bereits realisiert, erklärt Verkehrsplaner Tobias Schwämmle. Der Anteil der Gehwegradler sei deshalb in Eislingen im kreisweiten Vergleich eher unterdurchschnittlich. Indes seien sie aber besonders da anzutreffen, wo es keine Radwege oder -streifen gebe, zum Beispiel in der Göppinger und Salacher Straße, wo geplante Vorhaben noch nicht umgesetzt sind.

Schwämmle teilt die Einschätzung des ADFC, dass nicht jeder Gehwegradler rücksichtslos ist oder andere gefährdet. Häufig seien es unsichere oder ältere Radfahrer, die sich auf stark befahrenen Straßen ohne Radweg oder -streifen nicht sicher fühlten. Als Beispiel nennt Schwämmle die Eislinger Hauptstraße, wo am häufigsten Radler auf dem Gehweg anzutreffen seien.

An der vielbefahrenen Nord-Süd-Verbindung und Haupteinkaufstraße mit 10.000 Fahrzeugen pro Tag, wo sich zu Stoßzeiten die Fahrzeuge vor und zwischen den beiden Kreisverkehren stauen, kann das Radfahren zur Geduldsprobe werden. Ein Radstreifen sei dort nur möglich, wenn zugleich Parkflächen aufgegeben und auf Bäume verzichtet würde. „Für einen solchen Vorschlag würden sich derzeit voraussichtlich keine Mehrheiten finden und dazu führen, dass die Radverkehrsanlagen vermutlich regelmäßig rechtswidrig zugeparkt werden“, meint Tobias Schwämmle. Alternativen für eine Verlagerung des Kfz-Verkehrs gebe es nicht, einziger Ansatzpunkt sei die Reduzierung des innerstädtischen Verkehrs, nach wie vor würden in Eislingen überproportional viele Wege mit dem Auto zurückgelegt.

Radverkehrskonzept

In West-Ost-Richtung soll es sowohl in Eislingen-Nord (Göppinger Straße, Jahnstraße, Salacher Straße) als auch in Süd (Stuttgarter und Ulmer Straße) nahezu durchgängige Verbindungen für Radfahrer geben. Längerfristig werde och die Radschnellverbindung dazu kommen. 2019 soll die Ulmer Straße zwischen Beundstraße und Osttangente zurückgebaut und mit beidseitigen Schutzstreifen versehen werden.

Kontrollen Aus Wunsch der Eislinger CDU hätten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes speziell kontrolliert, ob sich Radfahrer verkehrsgerecht verhalten, teilt die Stadtverwaltung mit. Außerdem würden Radler bei Verstößen angesprochen.

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Unfälle auf Gehwegen haben Radler innerhalb der vergangenen drei Jahre im Landkreis verursacht. Verzeichnet sind allerdings nur Unfälle, die der Polizei gemeldet wurden.

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