Gammelshausen Kompost-Platz auf der Kippe

Freie Sicht auf den Gammelshäuser Kompostplatz - so kennen ihn nur die wenigsten. Er ist mit Tor und Schloss gesichert. Jetzt droht das Aus.
Freie Sicht auf den Gammelshäuser Kompostplatz - so kennen ihn nur die wenigsten. Er ist mit Tor und Schloss gesichert. Jetzt droht das Aus. © Foto: Staufenpress
Gammelshausen / JÜRGEN SCHÄFER 31.01.2014
Gammelshausen gibt seinen schwach frequentierten Kompostplatz auf. Davon geht Bürgermeister Daniel Kohl aus. Er hält das für verschmerzbar. Der Platz ist für die Bevölkerung ohnehin unattraktiv.

Für den Gammelshäuser Bürgermeister ist klar: "Wir können den Platz nicht so herrichten, dass er die Bioabfallverordnung erfüllt." Das koste 30.000 bis 50.000 Euro plus Personal und Öffnungszeiten. Das ändere für die meisten Gammelshäuser auch nichts. "Es ist ein offenes Geheimnis", so Kohl, dass viele ihren Grünabfall auf die Kompostplätze der Nachbarorte brächten.

Denn: Der Gammelshäuser Kompostplatz ist nicht gerade "anlieferungsfreundlich". Er ist seit Jahr und Tag abgesperrt, den Schlüssel muss man sich im Rathaus holen. Und wieder zurückbringen. Nur wenige Male hat es Kohl in seiner Amtszeit seit Juni erlebt, dass jemand nach dem Schlüssel fragte. Das Ergebnis: Auf dem Platz fallen pro Jahr nur 380 Kubikmeter Kompost an. Im kleineren Aichelberg seien das 1200 Kubikmeter, weiß Kohl - gut das Dreifache.

Es seien keine großen Anfahrtswege, meint Kohl, wenn es künftig einen Sammelplatz in Heiningen oder Bad Boll gebe - "das sind drei Kilometer". Die Gammelshäuser müssten sich dann zwar nach Öffnungszeiten richten, aber die jetzige Praxis mit Schlüssel sei auch nicht besser. Beschlossen ist noch nichts. Am 25. Februar wird der Gemeinderat seine Stellungnahme gegenüber dem Kreis abgegeben. Die Tendenz gehe freilich zur Schließung, sagt Kohl.

So wenig Service der Kompostplatz bot - die Gemeinde ist damit gut gefahren. "Es gibt keine wilden Müllablagerungen und Verunreinigungen", sagt Kohl. "Unser Kompost hat die beste Qualität - Rottegrad 5." Auch vor dem Tor werde nichts abgekippt. "Wir haben keine Probleme mit dem Entsorgen von Sofas und Umzugskartons." Die kleinen Mengen hielten außerdem die Betriebskosten niedrig. Die Gemeinde kam mit 1500 bis 2000 Euro pro Jahr weg.

Entstanden ist die Regelung freilich aus der Not. Vor gut 20 Jahren, so erinnert sich der altgediente Gemeinderat Heinz Rieker, hat man den Platz abgeschlossen, weil der Müll überhand nahm. Vor allem für Fremde sei es verführerisch gewesen, mal eben an dem versteckten Platz anzuhalten und dort Müll abzuladen. Der Platz liegt nämlich an einer Kehre der Serpentinen, die nach Gruibingen hinaufführen. Seither sei "ganz selten" noch etwas vorgekommen. Groß investieren musste die Gemeinde in die Absperrung auch nicht. Es genügte ein Tor - an den Flanken war er bereits zugewachsen. So ist der Platz seit Jahrzehnten auf natürliche Weise "eingezäunt" - was an anderen Kompostplätzen erst noch zur Regel werden muss.

Rieker selbst nutzt als Landwirt und Erwerbsobstbauer den Gammelshäuser Platz bis heute, und seine Kollegen täten das auch. So erklärt sich, dass doch noch ein gewisses Aufkommen zustande kam. Er räumt ein: "Für den Bürger ist der Platz nicht ideal." Mit einem Platz in Heiningen wäre er einverstanden. "Das ist keine Entfernung."