Kommentar Isabelle Jahn: Patienten brauchen Beratung, keine Gebühr

Geislingen / Isabelle Jahn 10.08.2018
Eine Strafgebühr für Bagatellfälle in der Notaufnahme löst nicht das Problem des steigenden Zulaufs, meint GZ-Redakteurin Isabelle Jahn.

Weit ist es gekommen, wenn man über eine Strafgebühr für Notfälle diskutiert. Der Vorschlag von Andreas Gassen, dem Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, zielt in die falsche Richtung. Patienten kommen nicht in die Notaufnahme, weil sie dort gratis behandelt werden – wie auch beim Haus- und Facharzt – sondern oft deshalb, weil sie nicht wissen, welche Anlaufstelle die passende ist. Gerade, wenn man Schmerzen hat und sich unwohl fühlt, fällt strukturiertes Denken schwer. Da hat man nur eines im Kopf: Schnell Hilfe bekommen. Doch gleich in die Notaufnahme zu eilen, ist trotzdem nicht unbedingt die richtige Entscheidung. Wenn der Hausarzt Sprechstunde hat, kann man nach einem kurzen Anruf meist noch am selben Tag in die Praxis kommen. Eine andere Möglichkeit ist die telefonische Beratung durch den Bereitschaftsdienst unter 116 117. Der Ärger ist aber zu Recht groß, wenn der Facharzt frühestens in acht Wochen einen Termin verspricht. Der Mangel an Ärzten, die Schließung von Praxen und zugleich der demografisch bedingte steigende Bedarf an medizinischer Versorgung lassen nicht nur Fachleute, sondern auch Patienten besorgt in die Zukunft blicken. Zugleich muss man aber – wo doch vielerorts Notaufnahmen geschlossen werden – froh sein über die bestehenden Standorte in Geislingen und Göppingen und die damit verbundene qualifizierte Hilfe.

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