Kommentar Ilja Siegemund: Farbtupfer im tristen Winter

Ohne die Fasnet wäre der Winter noch viel trister, findet Ilja Siegemund.
Ohne die Fasnet wäre der Winter noch viel trister, findet Ilja Siegemund. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Ilja Siegemund 13.02.2018
Die Narrenzünfte und Fasnetsgesellschaften sorgen für Abwechslung im Winter, findet Redakteur Ilja Siegemund.

Was die Fasnetsgesellschaften, Zünfte, Hästräger und Narren auf der Schwäbischen Alb, im Goißatäle, in der Fünf-Täler-Stadt und im Mittleren Filstal in den vergangenen Wochen auf die Beine gestellt haben, verdient große Anerkennung. Zu Unrecht hält sich bei so manchen Zeitgenossen das Vorurteil, die Fasnet diene ausschließlich dem Besäufnis. Klar, Alkohol ist im Spiel, und so mancher übertreibt es. Doch für zahlreiche Fasnetsfans steht im Vordergrund, eine alte Tradition am Leben zu erhalten. Sie investieren viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitungen für die närrischen Wochen und entwickeln dabei jede Menge pfiffige Ideen.

Das zeigen allein die Mottowagen bei den zahlreichen Fasnetsumzügen. Da suchte beispielweise die Feuerwehr aus Hohenstadt mit Einfallsreichtum nach einem neuen Kommandanten, Gosbacher Gruppen widmeten sich mit ihren aufwendig und kreativ gestalteten Wagen dem Rückzug der Kapuziner aus Ave Maria in Deggingen, der geplanten Gartenschau im Täle und der afrikanischen Schweinepest. Junge Wiesensteiger bauten eine riesige, rollende Biberburg. Um nur einige Gruppen zu nennen.

Die geballte Vielfalt der Fasnet zeigte sich auch bei den Prunksitzungen. Hier wurden nicht nur Politik und Ortsgeschehen ordentlich auf die Schippe genommen, sondern es gab unter anderem auch tänzerische Einlagen, die dem Hochleistungssport zuzuordnen sind und die Training über das ganze Jahr hinweg erfordern. Eine Besonderheit im Täle ist das Maschgra in Wiesensteig am Gombiga Doschdeg, bei dem die Veranstalter die besten Kostüme suchen: Hier legen sich zahlreiche Gruppen mächtig ins Zeug und gestalten in wochenlanger Arbeit eindrucksvolle, originelle Verkleidungen.

Mit dem morgigen Aschermittwoch ist dann alles wieder vorbei. Was bleibt, sind zahlreiche schöne Erinnerungen an Momente, die in diesem trist-grauen Winter für viele Farbtupfer gesorgt haben, – und die Vorfreude auf die Fasnetssaison im nächsten Jahr, die dann auch wieder etwas länger ausfällt.