Kreis Göppingen / ARND WOLETZ  Uhr
Ein Hilferuf ist die Entscheidung der Wilhelmshilfe, die Kapazitäten an die Personaldecke anzupassen, findet Redakteur Arnd Woletz.

Der Pflegenotstand geht alle an und ist längst kein reines Talkshow-Thema mehr. Das ist die Botschaft, die die Wilhelmshilfe im Kreis Göppingen mit ihrem ungewöhnlichen, aber folgerichtigen Schritt aussendet. Es ist ein Hilfe- und Weckruf gleichermaßen. Irgendwann wird die Personaldecke einfach zu dünn. Dann muss man im Interesse von Mitarbeitern und Bewohnern Konsequenzen ziehen und auf Einnahmen verzichten. Leicht dürfte das der Führungsetage nicht gefallen sein. Es geht aber auf beiden Seiten um Menschen, nicht um irgendwelche Maschinenteile.

Auch bei Altenhilfe-Trägern wie der Wilhelmshilfe, die nicht an Gewinnmaximierung orientiert sind, haben die Kosten für einen Pflegeplatz inzwischen ungeahnte Höhen erreicht – Tendenz steigend. Weil Bewohner oder deren Angehörige für die Pflege solche Summen aufbringen müssen, erwarten sie zu Recht eine personell und qualitativ gute Betreuung.

Kurzfristige Rezepte gegen den Personalnotstand sind aber nicht in Sicht. Die Materie im Dunstkreis von Sozialkonzernen, Pflegekassen und Politik ist so komplex, dass sich wohl noch Generationen die Zähne daran ausbeißen werden. Dabei geht es um mehr als um Einbettzimmer und Gruppengrößen, die schnell verordnet sind. Es geht letztlich um die Wertschätzung einer unverzichtbaren Aufgabe.