Bad Ditzenbach KOMMENTAR zur Wahl: Ein Sieger, zwei Verlierer

Redakteur Ralf Heisele
Redakteur Ralf Heisele © Foto: Rainer Lauschke
RALF HEISELE 22.02.2015
Das Endergebnis der Bürgermeisterwahl in Bad Ditzenbach ist eine faustdicke Überraschung - jedenfalls auf den ersten Blick.

Herbert Juhn heißt der neue Bürgermeister in Bad Ditzenbach. Der 52-Jährige hat im zweiten Wahlgang aufgetrumpft und über 300 Stimmen mehr bekommen als sein Konkurrent Frank Ansorge, der im ersten Durchgang vor drei Wochen noch das Rennen gemacht hatte.  Das ist eine faustdicke Überraschung – zumindest auf den ersten Blick. Es kann nun viel analysiert und spekuliert werden. Letzten Endes haben aber nicht so sehr die kommunalpolitischen Themen den Ausschlag gegeben, sondern die beiden Kandidaten selber. Die Bürgermeisterwahl in Bad Ditzenbach war eine Persönlichkeitswahl.

Am Sonntag hat mit Herbert Juhn der Kandidat die Nase vorn gehabt, der ruhig und sachlich agierte, der Bürgernähe und Transparenz propagierte und der im Bewusstsein der Leute in den vergangenen drei Wochen präsenter war. Ihm trauen die Bad Ditzenbacher am ehesten zu, ihre Gemeinde in den kommenden acht Jahren zu lenken. Natürlich hat der Laichinger auch vom Rücktritt Manuela Raichles nach dem ersten Urnengang profitiert – zumal die Eislingerin eine Wahlempfehlung für ihn gegeben hat.

Juhn hat im dritten Anlauf seinen Traumberuf erreicht. In ein paar Wochen tritt er die Nachfolge von Gerhard Ueding an. Aufgaben gibt es für ihn zur Genüge. Er hat zwar das Verwaltungsgeschäft von der Pike auf gelernt, nun muss er beweisen, dass er dieses Wissen im Rathaus auch umsetzen kann.

Für Frank Ansorge ist das Ergebnis ein herber Schlag. Er hat an Stimmen kaum zugelegt, obwohl auch er sich in den vergangenen drei Wochen mächtig ins Zeug gelegt hat. Die Bad Ditzenbacher haben ihm eine Abfuhr erteilt. Warum? Vielleicht, weil er sich als Macher präsentierte, der wisse, wie man ein Rathaus führt und (zu) selbstbewusst auf die Leute zuging. Vielleicht auch, weil er sich als einziger Kandidat beim beherrschenden Thema – der Halle samt Standortfrage – hinter das Votum des Gemeinderats gestellt hat. Vielleicht haben ihn gerade die Ortsteile Auendorf und Gosbach dafür abgestraft. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Sicher ist, dass Ansorge nun den Gang nach Canossa antritt. Man darf gespannt sein, wie man den abtrünnigen Sohn in Birenbach empfängt.

Neben Frank Ansorge gibt es aber noch einen Verlierer – die Demokratie. Für eine Stichwahl sind die 57,9 Prozent Wahlbeteiligung lächerlich. Im Hauptort waren es sogar nur 41 Prozent. Nach der müden Beteiligung vor drei Wochen hatte man auf weit mehr Wähler gehofft. Und nun diese Enttäuschung.