Comedy Kohlhepp und „Die Fuenf“ begeistern in Adelberg

 „Die Füenf“ und Bernd Kohlhepp begeisterten bei den Freilichtspielen im Adelerger Klosterhof mit einem „Adelberg Spezial“
 „Die Füenf“ und Bernd Kohlhepp begeisterten bei den Freilichtspielen im Adelerger Klosterhof mit einem „Adelberg Spezial“ © Foto: Ackermann
Adelberg / Sabine Ackermann 02.07.2018

Als habe er darauf gelauert, spricht Bernd Kohlhepp nach einer Minute Bühnenpräsenz eine zu spät kommende Dame an: „Wen suchen Sie?“, fragt er mit Unschuldsblick und erfährt, dass es die Schwester ist. Grund genug, um mit ihr im nächsten Satz per Du zu sein: „Alle warten, bis du hockscht“. Schallendes Gelächter folgt auf dem Fuß. Zu Recht, denn der Bempflinger glänzt bei den Klosterfestspielen in Adelberg für seinen Kennerblick auf potenzielle „Opfer“ aus dem Zuschauerpulk und mit seinem beneidenswerten Improvisationstalent. Situationskomik par excellence. Fortan ist die Schwester von Frau Siebauer – sowie sie selbst – der Running Gag schlechthin. Kurze Abfrage bei den Zuschauern: „Hat jeder seine Schwester gefunden?“ oder bei weiteren Nachzüglern, ob sie noch im Modus „Winterzeit“ wären – dem schwäbischen Adlerauge entgeht nichts.

Passend dazu der „giftgrüne“ Anzug, wobei seine gefährlichen Substanzen ausschließlich aus Humor bestehen. Wer kommt von woher und wo haben sich die Ehepartner kennengelernt? „Bei der Bundeswehr“, antwortet Bürgermeisterin Carmen Marquardt, doch Bernd Kohlhepp möchte es genauer wissen und hakt nach: „Etwa bei einer Schlammschlacht?“ Anschließend ein kurzer Streifzug zum „Alter Ego“ Frau Schwerdtfeger, dann das Lob an Heike, die durchaus auch „das Zeug zu einer Chantal oder Jacqueline hat“ sowie die in Anlehnung des Boxkampfansagers Michael Buffers angekündigten Mitstreiter „Die Füenf“.

Und das Quintett macht gleich zu Beginn mit seinem Ernährungsmedley Appetit auf mehr. Logisch, wenn es musikalisch heißt: „1000x püriert und nix passiert“ und es hat „Tiramisu gemacht“. Zudem erfahren alle Vegetarier „Fleisch ist Fleisch“ nach dem Ohrwurm „Live is Life“ und das „Smooth Operator“ sowie „Schuhsohlenleder“ praktisch das Gleiche sind.

Darüber hinaus hat die klangvolle A-cappella-Formation dank der schwäbischen Folklore von Wolle Kriwanek nicht nur ein „Ufo“ g´sea, auch die Einstudierung von „Reggae di uf“ mit dem dreigruppigen Publikumschor war auf ihre Art außerirdisch schön. Die kultigen und ausgebildeten Sänger bestehend aus den drei Tenören Justice (Christian Langer), Little Joe (Kai Podack), Pelvis (Jens Heckermann), Bariton Memphis (Patrick Bopp) sowie Bass Dottore Basso (Francesco Cagnetta) probieren sich obendrein durch eine gut sortierte Bar. Ob „Gin ist Gin“, „Blau macht der Enzian“, „Himbeergeist zum Frühstück“, „Kotz unter meine Decke“ oder der „Jenseits-von-Eden-Klassiker“, gleichfalls im alkoholisierten Text bravourös „vorgelallt“: „Wenn ein Bier nicht mehr schmeckt wie ein Bier, dann sind wir jenseits von Emden“, die Gruppe lechzt am Schluss nicht nach „Frieden“, sondern „Nach ein bisschen Weißwein“. Hicks, schon zigmal gehört – aber immer noch gut.

Abwechselnd begeistern „Sexbomb-Drecksglomb“ Bernd Kohlhepp, der übrigens „kein Mann für´s Gräbele isch“, oder „Die Füenf“ auf der Bühne, die für ihr „Sonnen-Lob-Lied“ auf Patrick Lindners Liedtitel genauso Lachsalven ernteten, wie für „Horst“, der das Wort „Love“ in englischen Ohrwürmern ersetzte. Auch wenn ein Großteil der Kalauer und Lieder schon älteren Datums waren, Bernd Kohlhepp und sein fünfköpfiges Gefolge oder andersrum gehuldigt – „Die Füenf“ und ihr Bewunderer – die Symbiose passt wie die Faust aufs Auge und macht Laune. Im Übrigen muss sich der knitze Barde stimmtechnisch keinesfalls verstecken.

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