Schauspiel Körper erzählen von Gefühlen

Die Brüder Bas (Ronald-Jan Post) und Bram (Michel Hoogendorn) machen sich auf den Weg zu einem Survival-Trip. Das Stück „The Hard Cover“ bildete den szenischen Auftakt für das viertägige Donzdorfer Festival.
Die Brüder Bas (Ronald-Jan Post) und Bram (Michel Hoogendorn) machen sich auf den Weg zu einem Survival-Trip. Das Stück „The Hard Cover“ bildete den szenischen Auftakt für das viertägige Donzdorfer Festival. © Foto: Staufenpress
Donzdorf / Hans Steinherr 11.05.2018

Das Motto im Hintergrund der 10. Auflage in 26 Jahren lautet „Erinnerungen an die Zukunft“ und es basiert auf sozialen wie auf politischen Überlegungen, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagend.

Längst ist das Internationale Theaterfestival Donzdorf den Kinderschuhen entwachsen. Was 1992 vom Donzdorfer Theatermann und Träger des Bundesverdienstkreuzes Gerhard Kraner ins Leben gerufen wurde, ist noch immer vom engen Kontakt und kulturellen Austausch zwischen Festivalbesuchern und Theatergruppen geprägt, stößt aber mittlerweile an die Grenzen des Machbaren –  organisatorisch wie ideologisch. Es gibt 16 Aufführungen in fünf Tagen mit gemeinsamer Nachbesprechung des Gesehenen. Mehr geht nicht.

Am Mittwochabend fanden in der Donzdorfer Stadthalle eine feierliche Eröffnung und eine anschließende Aufführung des Stückes „The Hard Cover“ („ein Wortspiel mit dem englischen Begriff für „fester Bucheinband“) statt. Beides mit durchaus polarisierender Wirkung. Wie beginnt man eine Eröffnung und mit welchem Stück startet ein Festival, wenn sich Menschen begegnen, die zehn unterschiedliche Sprachen sprechen? In Deutsch oder multilingual? In einer verständlichen Ansprache für die Besucher oder für die fremdsprachigen Gäste? Donzdorfs Bürgermeister Martin Stölzle – einer von insgesamt sechs Grußwortrednern - bevorzugte seine Muttersprache und stellte richtigerweise die innere Absicht und lokale Bedeutung des Festivals in den Vordergrund. Andreas Schüle vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst balancierte humorvoll gekonnt zwischen Deutsch und Englisch. Lediglich Naemi Zoe Keuler, die Präsidentin des Landesverbands Amateurtheater Baden-Württemberg, redete ausdauernd anhaltend in englischer Sprache.

Der formalen Begrüßung – im  Übrigen von Hilke Pock und Uwe Wittmann unterhaltsam moderiert – folgte ein einstündiges Bühnentheater mit der niederländischen Gruppe Kruimels aus Rotterdam. Die hat sich primär dem Bewegungstheater und somit der allgemein und global verständlichen körperlichen statt der gesprochen Sprache verschrieben, und im Stück „The Hard Cover“ mehr einem expressiven Ausdruck denn einer inhaltlich gradlinigen Logik. Da sind die Brüder Bas (Ronald-Jan Post) und Bram (Michel Hoogendorn), deren Buchladen nicht mehr so recht läuft und die von einem anderen Leben träumen. Zur Neuorientierung und Selbstfindung soll ein Survival-Trip beitragen. Blindlings und mit sieben Sachen (Koffern) bepackt landen sie im Wald und neben einer brusthohen Kiste, die beobachtet, Comic­hefte und Kleider der beiden verschluckt, verbrennt und sich als Müllschlucker entpuppt.

Das Spiel ist unterhaltsam. Die Körper erzählen behutsam von menschlichen Gefühlen, von Langweile und Einsamkeit, von Ungewissheit, Ärger und Streit. Und als das sprachlose, langhaarige, weiß gekleidete Mädchen (Annemarie van Grinsven) wie feenhaft auftaucht, markieren die einsamen Brüder rivalisierende Machos. Es geht im Stück darum, wie wichtig es ist, zusammenzuarbeiten. Was so nicht im Spiel,  sondern lediglich im Begleittext erkennbar wird. „The Hard Cover“ ist ein absurdes Stück, das den Besucher andauernd unter Anspannung setzt, weil es ihn bis zum abrupten Ende nach dem roten Faden suchen lässt. Gleich mit der ersten Aufführung ist das 10. Internationale Theaterfestival Donzdorf so gestartet, dass die bunte Vielfalt der weiteren Stücke ausreichend Gesprächsstoff liefern und ideologischen Diskurs erwarten lässt.

Das weitere Programm des Theaterfestivals

Freitag, 11. Mai
11 Uhr: Colectivo Racún, Chile: „Common Ground, Stadthalle
14 Uhr: Reversing Door, Tschechische Republik: I am Lucien, Stadthalle
17 Uhr: The Movement RSA, Südafrika: The Crucifixion of Amagqwirha, Martinushaus
19.30 Uhr: Krov, Niederlande: Afterparty, Stadthalle
21 Uhr: Düsünenler, Türkei: Eve’s Apple“, Martinushaus

Samstag, 12. Mai
11 Uhr: Scrambled Egg, England: A Man of No Importance, Stadthalle
14 Uhr: El La’aba Theater Troupe, Ägypten: The Key to Fame, Martinushaus
16 Uhr: Layertruppe, Mannheim: Die Frauen von Troja, Stadthalle
20 Uhr: Die Fremden, Österreich: Fahraway, Stadthalle; anschli.: Abschlussfest im Martinushaus

Sonntag, 13. Mai
11 Uhr: Teja & Jost, Slowenien: Grandpa and Grandson (ohne Sprache, ab 3 Jahren), Martinushaus
12 Uhr: Seniorentheater Die Bunten Zellen, Berlin: Berliner Pflanzen, Stadthalle