Mühlhausen Kodak in Mühlhausen lebt im Meister-Stammtisch fort

Eugen Reik (rechts) zeigt Bürgermeister Bernd Schaefer (links) beim Jubiläums-Frühschoppen des Kodak-Meisterkreises Alb eine Kamera und ein Rundmagazin für einen Dia-Projektor "made in Mühlhausen".
Eugen Reik (rechts) zeigt Bürgermeister Bernd Schaefer (links) beim Jubiläums-Frühschoppen des Kodak-Meisterkreises Alb eine Kamera und ein Rundmagazin für einen Dia-Projektor "made in Mühlhausen". © Foto: Anette Kölle
Mühlhausen / ANETTE KÖLLE 06.12.2014
Kodak in Mühlhausen - das war einmal. Genau gesagt ist die Ära des Standorts im Täle seit elf Jahren Geschichte. Doch noch immer treffen sich ehemalige Meister regelmäßig zum Frühschoppen.

Sie haben einen unterschiedlichen beruflichen Hintergrund, sie kommen aus verschiedenen Städten und Gemeinden und sie wurden alle irgendwann einmal Rentner, doch nicht zur selben Zeit. Eines verbindet die 27 Mitglieder des Kodak-Meisterkreises Alb dennoch - ihre gemeinsame Arbeit im Werk II in Mühlhausen. Dass sie sich auch über ein Jahrzehnt nach der Schließung des Standorts noch viermal jährlich hier treffen, das könne nur mit dem "hervorragenden Betriebsklima, das früher dort geherrscht hat", zusammenhängen, erklärt der Vorsitzende Eugen Reik. "Wir wollen diese gute Beziehung und die freundschaftliche Verbundenheit weiter pflegen."

Außerdem sei es ihnen wichtig, ihre Tradition zu bewahren, sagt der 77-Jährige. Was er damit meint, wurde bei der Feierlichkeit zum 20-jährigen Bestehen des Ruheständler-Frühschoppens im Bürgersaal in Mühlhausen deutlich. Die ehemaligen Meister, die meist mit ihren Frauen gekommen waren, und auch die anderen Gäste, darunter der ehemalige Betriebsleiter Adolf Moll und Bürgermeister Bernd Schaefer, schauen sich alte Kameras, Taschenlampen und Dia-Rähmchen "made in Mühlhausen" an und blättern in der mehrbändigen Kodak-Chronik, die sie Ende der 90er Jahre vor dem Wegwerfen bewahrt hatten und die sie seither fortschreiben. Stolz erzählen sie von der Blütezeit des Unternehmens, das von 1970 an in dem damals neu gebauten Werk auf der Gemarkungsgrenze zwischen Mühlhausen und Gruibingen produzierte. "Bei den Dia-Rähmchen waren wir sogar Weltmarktführer", erklärt Reik. Zu den besten Zeiten des Standorts Mühlhausen waren dort über 900 Menschen beschäftigt.

Keis vor Zerreißprobe

Schon seit 1948 trafen sich in unregelmäßigen Abständen Aktive im sogenannten Kodak-Meisterkreis, um über Fachthemen wie die Schnittluft bei Schnitt-Werkzeugen zu diskutieren. 1994 kamen auf Initiative des verstorbenen Hans Straub dann erstmals elf Kodak-Ruheständler aus dem Werk in Mühlhausen zum ersten Rentner-Frühschoppen im Gasthaus "Falken". Anfangs standen auch dabei fachliche Themen im Vordergrund. Die Männer verstanden sich aber auch als Interessengemeinschaft für Kodak-Meister, denn sie konnten "gefahrlos" Missstände im Betrieb anprangern. Mitte der 90er Jahre, als die wirtschaftliche Lage des Unternehmens sich immer mehr zuspitzte, stand ihr Kreis vor einer Zerreißprobe. Doch 1999 schaffte der Kodak-Meisterkreis gemeinsam mit den Frühschoppenmitgliedern den Wandel zu einer Ruheständler-Gemeinschaft. Inzwischen beträgt das Durchschnittsalter rund 75 Jahre und Fachthemen stehen längst nicht mehr im Fokus. "Bei unseren Frühschoppen in ungezwungener Atmosphäre trifft, spricht und berät man sich", erklärt Reik. Letzteres vor allem in punkto Anpassung der Betriebsrenten. Hierzu läuft derzeit ein Prozess am Bundesarbeitsgericht, den die Herren aufmerksam verfolgen. Weil sie auch heute noch Gäste zu ihren Stammtischen einladen, behalten sie auch den "Weg des Dialogs" mit "ihrer" alten Firma bei. Außerdem soll die persönliche Begegnung und das Schwelgen in Erinnerungen nicht zu kurz kommen.

Wo sie sich treffen werden, wenn der Gasthof "Falken" nicht mehr geöffnet hat, wissen sie noch nicht. Doch sie überreichten der Wirtin Elisabeth Schrapp symbolisch eine kleine Holzplatte mit einem eingearbeiteten Stein: Für ihre 20-jährige Bewirtung habe sie bei den Kodak-Meistern einen "Stein im Brett". Ebenfalls geehrt wurde Dieter Schnell für seine 40-jährige Tätigkeit als Kassier.

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