Porträt Kneipen-Grüße aus aller Welt

Die Welt der Biermarken und Kneipen auf kleinem Raum: Alois Olivo inmitten seiner Bierdeckel. Er hat auch Versionen von Schuler und der SPD.
Die Welt der Biermarken und Kneipen auf kleinem Raum: Alois Olivo inmitten seiner Bierdeckel. Er hat auch Versionen von Schuler und der SPD. © Foto: Inge Czemmel
Eschenbach / Inge Czemmel 05.05.2018

Dreißig- bis vierzigtausend, schätze ich. Genau nachgezählt hab ich noch nicht.“ Strahlend steht Alois Olivo inmitten seiner  Bierdeckelsammlung und erfreut sich an seinen Schätzen.

Wer meinte, dass Bierdeckelsammeln zu den Sammlerleidenschaften mit übersichtlichem Platzbedarf zählt, stellt in Alois Olivos Wohnung fest, dass er sich getäuscht hat. 100 der bunten Pappscheiben ergeben einen etwa 30 Zentimeter hohen Stapel und so lässt sich leicht ausrechnen, dass 30- bis 40 000 davon unzählige Schubladen und Kartons füllen. Ein Zimmer sowie der Teil des Kellers sind daher von Bierdeckeln „besetzt“.

Bereits als zehnjähriger Bub frönte der Eschenbacher seinem Hobby. „Bierdeckel kosteten nichts, und man konnte sie überall mitnehmen“, erinnert sich der heute 67-Jährige an den Beginn seiner Sammelleidenschaft und verrät: „Ich habe bis heute nie etwas für einen Deckel bezahlt.“ Und das, obwohl er viele seltene Raritäten aus aller Herren Länder sein Eigen nennt. Sogar Deckel aus Ländern, in denen Alkohol verpönt ist, wie dem Irak. Besonders stolz ist Olivo auf Stücke aus Casablanca, Venezuela, Namibia, der Mongolei, China und den Marshallinseln.

Nicht, dass er dort überall schon gewesen wäre. Jeder, der den Eschenbacher kennt und von seiner Sammelleidenschaft weiß, bringt ihm von Reisen oder beruflichen Auslandseinsätzen Bierdeckel mit. „Freunde, Nachbarn, die Fußballer vom TSV Eschenbach, die Mitglieder des Saunaclubs Eschenbach“, zählt Olivo einige seine „Lieferanten“ auf und berichtet: „Den Großteil meiner Sammlung verdanke ich Kollegen aus der Firma Schuler, bei der ich 40 Jahre gearbeitet habe.“ Olivo besitzt sogar zwei seltene Schuler-Bierdeckel. „Die wurden, soviel ich weiß, vor Jahrzehnten mal gedruckt, als Schuler in England Wagenheber für Formel-Eins-Fahr­zeuge herstellte.“

Überhaupt fördert der Sammler so manches Stück Geschichte und schöne Erinnerungen aus seinen vielen Kartons zutage. Da finden sich Deckel von Brauereien, die es längst nicht mehr gibt, wie die Brauerei Becher in Donzdorf oder das Ebersbacher Adler Bräu. Grellbunte Scheiben aus der Flower-Power-Zeit und sogar ein Deckelexemplar des legendären Café Pflugfelder kommen zum Vorschein.

Blumen, Burgen, Städte, Porträts, Sternzeichen, Instrumente, Bibelsprüche, Vögel, Autos, Loriot-Witze – Olivo beherbergt auch zahllose Serienbierdeckel in seinen Kisten. „Es gibt nichts, das es nicht gibt“, ist er überzeugt und kramt einen Parteienbierdeckel von anno dubax hervor. „Die SPD ist oben“ steht da tatsächlich auf knallroter Pappe zu lesen.

Die Formen der Deckel sind so vielfältig wie die Motive. Neben runden und eckigen gibt es herzförmige, dreieckige und ovale, aber auch welche in Form von Länderumrissen, Flaschen, Weizengläsern, Tannenbäumen oder Tennisschlägern. Auch die Größen variieren vom Schnapsglas- bis zu Partyfass-Deckel.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bierdeckel-Sammlern, die sich auf bestimmte Motive spezialisiert haben, hat Olivo keine besonderen Vorlieben. Ihm ist jeder Bierdeckel gleich recht. Am liebsten sind ihm zwei von einer Sorte. Wegen der Präsentation  von Vorder- und der Rückseite, falls mal eine Serie ausstellt wird.

„Ein paar tausend Bierdeckel, die ich mehrfach besitze, gehen demnächst in die Geislinger Altstadtkneipe „Spitze“. „Der Wirt will damit die Kneipe tapezieren und sie an die Decke hängen“, berichtet Olivo, der seine Schätze immer mal wieder sichtet und neu sortiert. Der Sammler weiß auch, warum die Pappscheiben nicht Bieruntersetzer, sondern Bierdeckel heißen. Ursprünglich seien sie nämlich gar nicht dazu gedacht gewesen, den Tisch vor überschäumendem Nass zu schützen. Sie wurden als Deckel auf das Glas gelegt, damit keine Insekten, Blätter oder sonstige Verunreinigungen ins Bier fallen konnten.

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