Bürgermeisterwahl Knapp an Comedy vorbei

Marc Kersting, Marcus Gräßler und Ulrich Raisch (v.l.) bewerben sich für den Chefposten im Süßener Rathaus. In der TSV-Halle präsentierten sich die Kandidaten den Bürgern.
Marc Kersting, Marcus Gräßler und Ulrich Raisch (v.l.) bewerben sich für den Chefposten im Süßener Rathaus. In der TSV-Halle präsentierten sich die Kandidaten den Bürgern. © Foto: Staufenpress
Süßen / Karin Tutas 14.04.2018

In drei Wochen wählen die Süßener ihren Bürgermeister. Am Donnerstagabend bestand die Möglichkeit, zumindest drei der fünf Kandidaten kennenzulernen. Neben Marc Kersting stellten sind der Süßener Marcus Gräßler und der Stuttgarter Ulrich Raisch vor. Friedhild Miller und der Süßener Jens Rau hatten abgesagt. Die etwa 100 Zuhörer in der TSV-Halle erlebten einen durchaus kurzweiligen Abend zwischen ernsthafter Kommunalpolitik und teils skurrilen Redebeiträgen.

Als erster trat Marc Kersting ans Mikrofon. Als einziger schöpfte der amtierende Rathauschef die 20 plus 2 Minuten Redezeit aus. „Es geht voran“, skizzierte der amtierende Rathauschef die Entwicklung der Stadt, deren Bild bei seinem Amtsantritt vor acht Jahren noch von Staus geprägt gewesen sei und nun, von einem Großteil des Durchgangsverkehrs befreit, an vielen Stellen attraktiver werde. Er habe sein Versprechen eingelöst, die Bürgerschaft aktiv in das in einem mehrjährigen Prozess entstandene Ortsentwicklungskonzept einzubinden, sagte Kersting, der in seiner Rede den Bogen von den Sanierungsgebieten über die beim Bürgermeister angesiedelte Wirtschaftsförderung bis zur interkommunalen Kooperationen bei zwei Gewerbegebieten schlug.

Angesichts steigenden Siedlungsdrucks – Süßen werden steigende Bevölkerungszahlen prognostiziert – habe die Schaffung von Wohnraum Priorität. Kersting verwies unter anderem auf die Erschließung des Baugebiets „Rabenwiesen V“, das bereits realisierte Projekt im Gewann Falbenäcker sowie 148, an der Salacher Straße geplante Wohneinheiten. Um die städtischen Wohnungen zu unterhalten und neue für weniger vermögende Menschen zu schaffen, sprach sich der Amtsinhaber für die Gründung einer kommunalen Wohnbaugesellschaft aus.

Kersting will Schulmensa

Neben den entstehenden und geplanten Kitaplätzen richtete Kersting den Blick auf den Bildungsstandort Süßen, den es durch den Bau einer Mensa samt Schülercafé nebst gemeinsamen Verwaltungsräumen am Schulverbund gelte zukunftssicher zu machen. Im Schnelldurchgang verwies der Rathauschef auf die stark erhöhte Förderung der Jugendarbeit in den Vereinen, den Neubau der Kultur- und Sporthalle, stellte über kurz oder lang Ersatz für die Bizethalle in Aussicht und versprach, nicht locker zu lassen mit seiner Forderung nach einem stündlichen Halt der Interregio-Express-Züge in Süßen. Mit Blick auf die städtischen Finanzen bekannte sich Kersting zu den derzeitigen Investitionen „in Rekordhöhe“, die die Verschuldung vorübergehend steigerten. Aber „wir werfen kein Geld zum Rathausfenster hinaus“, vielmehr würden bleibende Werte geschaffen, sagte Kersting, bevor er den Platz am Mikrofon für den nächsten Bewerber räumte.

Bis der die Bühne trat, dauerte es ein bisschen, denn die Kandidaten waren während der Reden ihrer Mitbewerber aus dem Saal verbannt. „Die sind schon gut versteckt“, witzelte der stellvertretende Bürgermeister und Wahlleiter Albrecht Finckh. Marcus Gräßler machte es dafür kurz am Mikrofon. Ganze acht Minuten reichten dem 45-Jährigen, der seit 2005 in der Stadt, „mein geliebtes Süßen“, lebt. Aus einer ländlichen Gegend stammend wolle er als Bürgermeister vor allem die Landwirtschaft fördern. Dem bei einem Motorradhändler angestellten Einzelhandelskaufmann schwebt „eine Art Kaufhaus“ vor, in dem die Landwirte ihre Produkte anbieten können. Auf dem Bader-Areal könne er sich einen Paintball-Park oder eine Anlage für Motocrosser vorstellen.

In spezieller Mission ist der dritte im Bunde an diesem Abend unterwegs. Der Pädagoge Ulrich Raisch aus Stuttgart präsentierte einmal mehr, wie schon bei  zahlreichen Bewerbungen in anderen Kommunen, die Vision von einem Musik-Kindergarten nach Berliner Vorbild, für ihn der Schlüssel zu einer menschenfreundlichen Kommune. „Das ist mir ein echtes Anliegen, dass hier keiner rausgeht, der nicht weiß, was ein Musik-Kindergarten ist“, untermauerte er seine ausschweifenden Erläuterungen, bei denen sich viele Zuhörer  das Lachen verkniffen und auch der eine oder andere Kommunalpolitiker Mühe hatte, ernst zu bleiben. „Jetzt weiß ich, was mir als Kind gefehlt hat“, bemerkte Albrecht Finckh nach Raischs Rede trocken. Ein paar Zahlen aus dem Haushaltsplan hatte Raisch zwar parat, erging sich aber ansonsten wie bei vorangegangenen Bewerbervorstellungen in Allgemeinplätzen.

Zäh gestaltete sich, trotz Ermunterung des zweiten stellvertretenden Bürgermeisters Udo Rössler, die Fragerunde. Gerade mal sieben Fragen wurden aus dem Publikum gestellt. Ein Bürger monierte die fehlenden Hinweisschilder, so dass Lastwagen durch die Stadt führen, statt auf der Umfahrungsstraße. Die Schilder sollen kommen, erklärte Kersting, der gegebenenfalls eine Tonnagelbegrenzung auf der Bahnbrücke für notwendig hält, um Lkw aus der Stadtmitte zu verbannen. Interessante Einblicke gewannen die Zuhörer beim Thema Müllablagerungen und Verschmutzung. Jenen Übeltäter, „der die Bahnhofsunterführung verschandelt hat, würde ich gern putzen lassen, am besten mit der Zahnbürste“, erklärte Marcus Gräßler.

Fünf Bewerber für Bürgermeisterposten

Wahl Der Urnengang in Süßen ist am 6. Mai.
Kandidaten Neben Amtsinhaber Marc Kersting bewerben sich Friedhild Miller, Marcus Gräßler, Jens Rau und Ulrich Raisch um den Posten des Bürgermeisters.