Salach Leben im Kloster ist „richtige Entscheidung“

Jessica Hartmann aus Salach lebt im Kloster bei Bad Waldsee. Im Laufe des Jahres wird die 25-Jährige Novizin und trägt dann statt Jeans und T-Shirt wie ihre Mitschwestern das Ordenskleid.
Jessica Hartmann aus Salach lebt im Kloster bei Bad Waldsee. Im Laufe des Jahres wird die 25-Jährige Novizin und trägt dann statt Jeans und T-Shirt wie ihre Mitschwestern das Ordenskleid. © Foto: Claudia Burst
Salach / Claudia Burst 10.07.2018
Jessica Hartmann aus Salach will Ordensschwester bei den Franziskanerinnen werden. Seit einem Jahr lebt sie dort.

Früher fuhr Jessica Hartmann mit Begeisterung Motorrad. Ihre Freunde kannten sie mit Irokesen-Frisur, Piercings im Ohr und Tätowierungen an den Füßen. Auf den ersten Blick vermutete wahrscheinlich keiner, dass sie seit ihrer Firmung immer wieder als „Gast zum Mitleben“ ins Kloster Reute ging, dort ehrenamtlich bei Mädchenfreizeiten mithalf und zu Hause in Salach eine Schönstatt-Mädchengruppe leitete. „Das Klosterleben mit seiner gelebten Gemeinschaft und auch mit dem Gebetsrhythmus schlug einen Grundton in mir an“, versucht die 25-Jährige zu beschreiben, wie es dazu kam, dass sie sich für ein Leben als Ordensschwester entschied.

Dass es Gott gibt, sei für sie nie eine Frage gewesen. „Aber erst im Lauf der Jahre hab ich mich intensiv mit ihm und meinem Glauben auseinandergesetzt, ging regelmäßig in die Kirche und blieb mit den Schwestern im Kloster auch dann im Kontakt, wenn ich zu Hause war“, erzählt sie.

Nach dem Abitur am Erich- Kästner-Gymnasium absolvierte Jessica Hartmann ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Schwestern im Kloster Reute, bevor sie eine Ausbildung zur Orthopädie- Schuhmacherin machte. „Ich liebe den Job – aber mir fehlte einfach etwas“, sagt sie. Diese „Sehnsucht nach mehr“, nach „intensiver Verzahnung zwischen Alltag und Glaubensleben“ und nach „Gemeinschaft mit Gleichgesinnten“ entwickelte sich immer mehr. „Bis mir irgendwann klar war, ich will es probieren. Gott ruft mich, es zieht mich dorthin ins Kloster – und ich will mich nicht den Rest meines Lebens fragen, ob es das gewesen wäre.“

Für diesen Schritt musste sich Jessica nicht sofort endgültig entscheiden. Ein Jahr und neun Monate lang besuchte sie das Kloster bei Bad Waldsee alle sechs Wochen am Wochenende und war in dieser Kennenlern-Phase eine so genannte Kandidatin. Erst danach, im Juni vergangenen Jahres, begann ihr Postulat. Das bedeutete, sie zog ins Mutterhaus des Klosters mit seinen 160 Schwestern und lebt seitdem gemeinsam mit sechs anderen Schwestern zwischen 34 und 80 Jahren in einer Art Wohngemeinschaft, die Konvent genannt wird. „Das Alter spielt keine Rolle, wir sind eine sehr lebendige Gemeinschaft, wach und fit“, erzählt sie.

Vormittags – nach der Laudes, dem Morgengebet und vor der Gebetszeit am Mittag – arbeitet Jessica. Die Franziskanerinnen engagieren sich vorwiegend in der Pflege bei kranken, behinderten oder alten Menschen, in der Hospizbewegung, in der Seelsorge, bei Flüchtlingen oder auch in der Kinder- und Jugendarbeit. Jessicas Tätigkeit besteht bis jetzt in der Organisation und Durchführung von Kinder- und Jugendfreizeiten im Kloster oder von Kommunionskinder-Nachmittagen.

Nachmittags hat sie Unterricht und lernt die Hintergründe zur Gottesdienst-Liturgie oder zur Ordensgeschichte. Oder sie beschäftigt sich mit der Bibel. „Ich finde das total spannend. Das sind ganz neue Blickwinkel, und wir diskutieren uns manchmal die Köpfe heiß.“

Im Lauf dieses Jahres wird Jessica Hartmann  – endlich – Novizin. Dann erhält auch sie statt Jeans und T-Shirt ein Ordenskleid, einen Ordensnamen und, ähnlich wie bei einer Ausbildung, wird sie vermutlich einen neuen Arbeitsbereich kennenlernen. Das Noviziat dauert zwei Jahre und endet mit der zeitlichen Profess, also dem Gelübde für fünf Jahre. Erst danach muss sich Jessica endgültig für diesen Weg der Armut, Ehelosigkeit und des Gehorsams entscheiden.

„Man muss halt wissen, ob das was für einen ist“, stellt sie sachlich fest – um dann mit strahlendem Gesicht anzufügen: „Für mich passt es. Es war die absolut richtige Entscheidung. Hier bin ich glücklich.“

Zwischen Ordensschwestern und Nonnen gibt es Unterschiede

Mutterhaus Das Kloster Reute bei Bad Waldsee ist das Mutterhaus der Franziskanerinnen von Reute. Dort leben etwa 160 Schwestern in kleinen und großen Konventen (einer Art von Wohngemeinschaften) zusammen. Außerdem gibt es Konvente in so genannten „Filialen“ in verschiedenen Gemeinden vor allem in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Zentrum Mit dem Bildungshaus Maximilian Kolbe, dem Jugendgästehaus St. Josef, Pilgerstätte, dem Ort des Gebets sind die Franziskanerinnen ein geistliches Zentrum in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Ordensschwester Eine Ordensschwester ist nicht das gleiche wie eine Nonne. Eine Nonne ist Mitglied eines vorwiegend kontemplativen Ordens, dessen Angehörige meist in der Klausur ihres Ordens leben. Schwestern dagegen arbeiten vorwiegend karitativ (also beispielsweise in der Alten- oder Behindertenpflege, in Kindergärten, Hospiz oder Asylarbeit) und damit meist außerhalb der Klostermauern.

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