Stadtplanung OB warnt Landrat vor „Spiel mit dem Feuer“

Göppingens Bürgermeister Guido Till hat Bedenken.
Göppingens Bürgermeister Guido Till hat Bedenken. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Helge Thiele 14.11.2017
Kreisklinik: Rathauschef Guido Till (CDU) und die SPD-Fraktion kritisieren die Pläne von Johannes Krauter.

Mit deutlichen Worten hat der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till seine Skepsis gegenüber den Plänen des Unternehmers Johannes Krauter geäußert. Dieser will, wie berichtet, die alte Klinik für einen symbolischen Betrag kaufen und für 70 bis 90 Millionen Euro sanieren. Krauter will in dem Gebäude, das neben dem Klinik-Neubau stehen bliebe, unter anderem Wohnungen und ein Hotel unterbringen.

„Dieses Vorhaben läuft an allen städtischen Planungen vorbei“, erklärte Till gestern auf Anfrage. Göppingen brauche kein weiteres Hotel, da neben dem bereits eröffneten Hotel am Kornhausplatz auf dem Apostel-Areal bald ein weiteres Hotel mit 120 Zimmern entstehe. „Ich kann mir dort oben auch keine Wohnungen vorstellen“, betonte der OB, der zugleich kritisierte, dass das gesamte Verfahren – gemeint sind Krauters bisherige Planungen durch ein Architekturbüro – am Rathaus vorbeigelaufen sei. Die Stadt sei aber für das  Klinik-Quartier die zuständige Planungs- und Baurechtsbehörde.

Just hier sieht Till ein großes Problem: Weder der Bebauungsplan von 1971, noch der im Aufstellungsverfahren befindliche Bebauungsplan „Neubau Klinik“ sehe für das Gebiet eine klinikunabhängige Nutzung vor. Außerdem befinde sich das alte Gebäude etwa zur Hälfte außerhalb der überbaubaren Grundstücksfläche des neuen Bebauungsplans.

Der OB weist auch auf die ohnehin „massive Verdichtung“ in dem Quartier hin, die mit der Wohnsiedlung Bergfeld, dem Personalwohnen, dem neuen Parkhaus und der neuen Klinik entstehe. Dort wo jetzt die Klinik stehe, sei ein Park geplant. Till: „Bleibt das  jetzige Klinik-Gebäude stehen, würden wir die Dimensionen eines Märkischen Viertels, von Kölnberg oder Köln-Chorweiler erreichen. So etwas macht man heute nicht mehr und es würde die Qualität dieses Stadtquartiers sicherlich nicht erhöhen.“ Der OB kann sich derzeit nicht vorstellen, dass die Mehrheit des Gemeinderats Krauters Pläne billigt. Till räumt zwar ein, dass es für den Landkreis „sehr verlockend“ sei, durch den Erhalt des Altbaus rund zehn Millionen Euro Abbruchkosten zu sparen. Der OB hat jedoch nach eigenen Angaben Landrat Edgar Wolff bereits vor „dem Spiel mit dem Feuer“ gewarnt. Till macht nämlich auch hinter der von Krauter in Aussicht gestellten Investitionssumme von 70 bis 90 Millionen Euro „drei Fragezeichen“. Schließlich habe ein vom Landkreis beauftragtes Gutachten ergeben, dass eine Sanierung der Klinik rund 370 Millionen Euro kosten würde. „Selbst wenn man von dieser Summe 170 Millionen für klinikspezifische Ausgaben abzieht, bleiben 200 Millionen Euro übrig“. Vor diesem Hintergrund hat der OB starke Zweifel an dem von Krauter genannten Betrag.

In einer Pressemitteilung hat am Montag auch Armin Roos, Chef der SPD-Fraktion im Gemeinderat, Kritik geübt. Die Stadt sei wohl bisher nicht eingebunden worden, die Stadträte seien „komplett uninformiert“. Roos fragt: „Hieß es nicht immer, die Klinik sei energetisch so katastrophal, dass es keine Möglichkeit gäbe, dieses Gebäude wirtschaftlich zu sanieren?“

„Gebäude nicht verscherbeln“

Die SPD sei „gespannt, wie die Kreisverwaltung den Menschen diese komplette Kehrtwende erklären will“. Falls das alte Gebäude aber wirklich stehen bleiben und verkauft werden soll beziehungsweise kann, „wäre es unmöglich, es zum Billigtarif an einen möglichen Investor zu ,verscherbeln’“. Roos fordert: „Dann müsste eine ordentliche Ausschreibung her, sonst geht die Glaubwürdigkeit der Verwaltung bei diesem Projekt in den Augen der Öffentlichkeit vollends den Bach hinunter.“