Kreis Göppingen Kleinkinderbetreuung steigt stark

Die meisten Kleinkinder werden zwar weiterhin von ihren Familien betreut, der Anteil der Kinder in Tageseinrichtungen ist jedoch stark gestiegen.
Die meisten Kleinkinder werden zwar weiterhin von ihren Familien betreut, der Anteil der Kinder in Tageseinrichtungen ist jedoch stark gestiegen. © Foto: dpa
TEJA BANZHAF 09.09.2015
Im Kreis Göppingen werden immer mehr Kleinkinder nicht mehr von ihren Eltern betreut. Im bundesweiten Vergleich ist die Betreuungsquote aber weiterhin relativ niedrig. Dies zeigen die Zahlen für 2014.

Jedes fünfte Kind, das jünger als zwei Jahre alt ist, wird im Kreis Göppingen tagsüber nicht von seinen Eltern betreut: 20,3 Prozent der Kleinkinder besuchen Kindergrippen oder gehen zu Tageseltern. Das ist den jetzt vorgelegten Zahlen der Bundesregierung fürs Jahr 2014 zu entnehmen.

Je nach Blickwinkel werden die Zeiten für die Kleinen rauer (Mama weg) oder besser (Fachpersonal da). Fest steht, dass junge Mütter, Väter und Kinder zunehmend weniger zusammen sind: 2007 hatte im Kreis die Zahl der unter Zweijährigen, die tagsüber betreut wurden, bei 7,1 Prozent gelegen.

Dass aus Sicht der Regierung Eltern nicht immer gut fürs Kind sind, formulierte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig Ende Juli: "Die frühkindliche Bildung in der Kita ist zentral für die weitere Entwicklung eines Kindes", sagte die Sozialdemokratin zu den Betreuungsquoten. Steigende Quoten sind erklärtes Ziel und aus ihrer Sicht deckungsgleich mit den Wünschen der Eltern: "Eltern wünschen sich die bestmögliche Betreuung und Bildung für ihre Kinder." Im Blick zurück zeigt sich, dass 2014 im Kreis Göppingen 2,4 Mal mehr Kinder in der Krippe oder bei Tageseltern aufs Leben vorbereitet wurden als 2007. Dabei betreuten im Kreisgebiet Tagesmütter rund 2,3 Prozent der Kinder, Tageseinrichtungen rund 18 Prozent. Der Betreuungswert in Tageseinrichtungen liegt im Kreis Göppingen damit unter dem Bundesdurchschnitt von 27,6 Prozent. Bei den Tageseltern liegt der bundesweite Schnitt bei etwa 5 Prozent.

Auf Bundesebene reicht die Betreuungsquote von zusammen 20,3 Prozent im Kreis Göppingen für Platz 364 unter 405 ausgewerteten Städten und Kreisen. Auf den niedrigsten Anteil von fremdbetreuten Kleinkindern kommt der bayerische Kreis Berchtesgadener Land, wo nur jedes siebente Kind (14,1 Prozent) eine Kindertagesstätte besucht, der überwiegende Teil der Kinder wird dort noch von seinen Eltern oder anderen Verwandten betreut.

Der niedrige Betreuungsschlüssel stößt dort auf manche Kritik: Herbert Kränzlein, SPD-Landtagsabgeordneter im Berchtesgadener Land, sieht es ähnlich wie die Familienministerin Schwesig: "Fehlt es an Krippenplätzen, können die Eltern nicht oder nicht voll arbeiten, auch wenn sie es nötig haben."