Bad Boll Kleiner Erfolg für Boller Wünsche

Blick in die Landesstraße in Bad Boll: Ein nächtliches Tempolimit 30 scheint möglich. Einen Radschutzstreifen kann sich die Gemeinde auch vorstellen. Aber das müssen die Fachleute klären.
Blick in die Landesstraße in Bad Boll: Ein nächtliches Tempolimit 30 scheint möglich. Einen Radschutzstreifen kann sich die Gemeinde auch vorstellen. Aber das müssen die Fachleute klären. © Foto: Staufenpress
Bad Boll / Jürgen Schäfer 03.07.2018
Was vom Lärmaktionsplan in Bad Boll übrig bleibt: Tempo 30 nachts an der Landesstraße hat Chancen.

Mit einem durchgängigen Tempolimit 30 in der Bad Boller Ortsdurchfahrt wird es nichts. Der Verkehrslärm an der Dürnauer Straße und Badstraße ist nicht stark genug. Die CDU-Fraktion im Bad Boller Gemeinderat will das auch nicht. Anders sieht es an der Landesstraße aus, die durch Sehningen zur Autobahn führt. Dort ist zwar kein generelles, aber ein nächtliches Tempolimit vorstellbar, sagt der Leiter des Straßenverkehrsamts im Landkreis, Manfred Gottwald. Er will das dem Regierungspräsidium vorschlagen, das das letzte Wort hat.

So sieht das Ergebnis des Lärm­aktionsplans aus, den die Gemeinde für die Landesstraße aufstellen muss und gleich noch auf die Ortsdurchfahrt Dürnauer Straße/Badstraße ausgeweitet hat. Die Bürger wurden gehört. Fazit von Bürgermeister Hans-Rudi Bührle bei der Vorberatung im Gemeinderatsausschuss: „Es ist relativ überschaubar, was daraus geworden ist.“

Tempo 30 auf der Ost-West-Achse – die Grünen im Gemeinderat wollen das nicht nur wegen des Lärmschutzes. Sie verweisen auf die Verkehrssicherheit und den Schutz für Radfahrer. Aber auch da sagt der Leiter des Straßenverkehrsamts Nein. Die jetzige Regelung sei richtig, den Tempo-30-Abschnitt auf die Ortsmitte zu begrenzen. „Wir haben Tempo 30 dort, wo sich das Leben abspielt.“

Gemeinderat Dr. Henning Schindewolf (UWV) kann dem nicht folgen. „Einem Kurort würde zumindest ein nächtliches Tempolimit gut zu Gesicht stehen.“ Außerdem ende Tempo 30 an den falschen Stellen: vor Einmündungen, in denen Autofahrer heranpfeifen und scharf abbiegen können. „An der Badstraße 22 endet Temo 30 – ein Irrsinn.“ Auch Hannes Baab (Grüne) hat beobachtet: „Von der Gruibinger Straße heraus wird extrem schnell gefahren.“ Gottwald schaut auf die Unfallstatistik. In der Badstraße habe es in den letzten dreieinhalb Jahre sechs Unfälle gegeben, verteilt auf die ganze Strecke und mit unterschiedlichem Hergang. Hannes Baab (Grüne) hält „von Unfallzahlen relativ wenig“. Es komme auf Unfallverhütung an. Man sei in einem Kurort mit sehr vielen Gehbehinderten, sehr vielen Schülern, vielen Fußgänger und sehr vielen Radfahrern. Auch Bürgermeister Bührle wollte wissen: Wie sehe es aus mit Tempo 30 angesichts von Kurgästen, einem „schutzbedürftigen Klientel“? Gottwald unbeeindruckt: „Jede einzelne Gemeinde erzählte mir, wie besonders sie ist und dass es bei ihr ein besonderes schutzbedürftiges Klientel gibt.“

Bleibt die Frage nach Radschutzstreifen. Auch die sind den Grünen wichtig, und das Radkonzept des Landkreises schlägt sie vor. An der Badstraße stellt es sich einfach dar. Viele parkende Autos, die weichen müssten, gibt es dort nicht. Gottwald glaubt, dass ein Schutzstreifen die Geschwindigkeiten bremsen kann.

Nur: Warum ein Radweg an der Badstraße, wenn es doch parallel einen im Blumhardtweg gibt? fragte Schindewolf. Jürgen Seitz hielt die Radler im Blumhardtweg für besser geschützt. Dort habe habe man aber die „sehr gefährlichen Begegnungssituationen mit Fußgängern“, erinnerte der Schultes. Man wolle die direkten Verbindungen, erklärte der Radverkehrskoordinator des Landkreises, Marco Schwab. Für die Alltagsradler, die schnell von A nach B kommen wollten.

Der Ausschuss würde den Schutzstreifen vom Ortseingang bis zur Gruibinger Straße ziehen, wo er in den Tempo-30-Bereich mündet. Was auch ein gewisser Schutz sei. Ob es am anderen Ende in der Dürnauer Straße weitergehen kann, ist eine knifflige Frage, die dem Gemeinderat wohlbekannt ist. Etliche Anwohner parken dort vor dem Haus, weil sie keine anderen Möglichkeiten hätten. Bauamtsleiter Andreas Milde berichtete, dass sich das teilweise geändert habe, weil es Eigentümerwechsel gegeben habe. Aber: „Vom Kornbergweg bis Einmündung Wiesachweg ist es nach wie vor kritisch.“ Seitz befand: „Das Parken ist eigentlich kein Argument.“ Schindewolf überlegte, dass man doch tagsüber ein Parkverbot anordnen könnte. Gottwald ist skeptisch: „In der Theorie geht alles.“

Ein Schutzstreifen an der Landesstraße ist fraglich. Der Ausschuss kann sich das vorstellen, aber das Landratsamt muss erst aufzeigen, was möglich ist, so Schwab. Richtig Sinn machen würde es, wenn der Radstreifen nach Bezgenriet weitergeführt werde. Das schlägt die Radverkehrskonzeption vor, ist aber Zukunftsmusik. Man müsste ihn neben der Kreisstraße bauen.

Über den Lärmaktionsplan und die Schutzstreifen, vor allem in der Dürnauer Straße, muss der Gemeinderat noch befinden.

Radarsäule an der Landesstraße?

Priorisieren Bad Boll hat überproportional viele Starenkästen, sagt der Leiter des Straßenverkehrsamts im Landkreis, Manfred Gottwald. Die Gemeinde solle sagen, welche ihnen am wichtigsten sind. Denn: Bei zuvielen Starenkästen kommt die Kamera nicht rum. 


Technik An der Landesstraße steht auch einer. Ob man damit das nächtliche Tempo 30 überwacht, so es kommt, ist fraglich. Die Radarsäule ist die Zukunft. Nur werde es schwierig an dieser Straße, weil eine Säule deutlich mehr Platz brauche.

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