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Angela Merkel
Donzdorf / ANNEROSE FISCHER-BUCHER  Uhr
Merkel und Blatter waren die Hits: In Donzdorf setzten die Narren am Sonntag beim 59. Umzug aktuelle lokale und bundespolitische Themen mit riesigen Motivwagen in Szene. Klein-Paris im Narrenfieber.

Gäbe es eine Steigerung des Superlativs, dann wäre er bei der Beschreibung des gestrigen 59. Donzdorfer Fasnetsumzugs angebracht. Tausende Besucher, 2500 Mitwirkende, bis zu sieben Meter hohe Motivwagen, Musikgruppen, Tanzgarden und Hästräger aller Art erlebten ein Spektakel hohen Narrenfiebers. Der Sprecher vor der Ehrentribüne feuerte immer wieder das Publikum an mitzuschunkeln, mitzutanzen und mitzusingen. Für die Beschallung waren 31 Lautsprecher im Einsatz, für die zwei Kilometer Kabel verlegt wurden.

Und schon Stunden vor dem Umzug waren die Narren auf den Beinen. Stände boten Kulinarisches und man sah immer wieder Menschen, einen Glühwein, Sekt oder Bier in der Hand, sich begrüßen und umarmen. „An diesem Tag ist gar nichts normal“, schallt es aus dem Lautsprecher, und die Fasnets-Hymne „Ganz Donzdorf ist in Schwung, ganz Donzdorf scheint in jedem Fall von Narren nur bewohnt“ wird von den zumeist kostümierten Besuchern gesungen und geschunkelt, bevor der Gaudiwurm loszieht. Die Donzdorfer Narrenbüttel gehen in Gelb-Rot voran, gefolgt von der Musikkapelle Germania im rot-blau-schwarzen Dress, die zum 59. Mal aufspielen.

Der Büttel sitzt später zudem auf einer Rakete, die aus einer überdimensionierten SWR-Kamera abgeschossen wird. Dass die Prunksitzungen auch für den SWR gemacht seien, zeigt ein anderer Motivwagen mit SWR-Kamera, die eine Kinokasse filmt. Gleich dreimal muss Bundeskanzlerin Angela Merkel herhalten und posieren. Als Pippi Langstrumpf sitzt sie vor dem nachgebauten Reichstag mit Kuppel und bezahlt aus dem Sparstrumpf, nachdem sie als Mutti Merkel erkannt habe, dass Deutschland das gelobte Land sei. Mit großen Brüsten und etwas zu kurzen Armen fordert sie auf zu „Welcome to Paradise“. Zu sehen ist: Unter der Krisenlast mit vielen Paket-Symbolen wie Griechenland ist eine Kuh oder ein Esel dann auch zusammengebrochen.

Sepp Blatter bekommt ebenfalls eins drauf. Er sitzt in Riesengröße, seriös wirkend, aber ohne Unterleib, vor einer vergoldeten Erdkugel, soll heißen, er versinkt im Korruptionssumpf. Der Berliner Bär hat sich dagegen entschlossen, aufgrund des Flughafen-BER-Chaos doch lieber in seinem roten Flugzeug in Donzdorf zu landen. Pneumatisch immer wieder hoch gehievt wird hingegen ein knallgelber, stinkender, alter VW-Käfer, über den eine riesige Freiheitsstatue ihre Fackel hält, „wurden die Amis doch schwer gelinkt, VW das alles furchtbar stinkt.“

Der feine venezianische Karneval mit seinen schönen Masken und edlen farbenprächtigen Kostümen war auf der Rialto-Brücke zu bewundern und Prinz Lobo I. aus Winzingen mit seinem Gefolge durfte natürlich nicht fehlen, gefolgt von vielen „Klein- Galliern“, die er jetzt regiere. Zwischen den Motivwagen fanden sich eine Menge unterschiedlicher Musikkapellen sowie unzählige Fußgruppen wie Schützen, Hexen, Teufel, Bären, Schloss-Geister, Fleckle, Außerirdische, Bowl-Spieler, Tannen- und Strohmänner oder Kobolde und Radschellenschläger. Am Ende des Zuges dann der Veranstalter auf einem eigenen Wagen: der Kulturring Donzdorf mit Kulturring-Ballett, der den Zuschauern nicht nur Süßigkeiten zuwarf, sondern auch Blumen.