Uhingen / SABINE ACKERMANN

Seit zwei Jahrzehnten machen die Mitglieder der Lokalen Agenda in Uhingen auf Themen unterschiedlicher Art aufmerksam. Lenken ihren Fokus auf Kinderrechte, Toleranz und Inklusion oder überraschen mit Aktionen zu nachhaltiger Mobilität, Bürgersolaranlagen und Umweltschutz. Nun möchten die hauptsächlich ehrenamtlichen Schaffer ein nachhaltiges und verbindendes Bildungsprojekt auf den Weg bringen und mit Unterstützung möglichst vieler Uhinger Bürger auch verwirklichen.

„Nach reiflicher Überlegung in den Arbeitskreisen und in Absprache mit der Schulleitung der Hieberschule Uhingen wurde das Vorhaben mehrheitlich beschlossen“, versichern Martina Bartos und Roswitha Heinemann von der Lokalen Agenda. Das gemeinsame Ziel sei den Bau einer Schule in Vekpa, einem Dorf im Bezirk Agbangnizoun in der demokratischen Republik Benin, Westafrika, zu unterstützen.

Partner für die Planung, Umsetzung und Dokumentation vor Ort in Vekpa ist der Verein „Sonafa“ aus Schorndorf. Dessen Mitglied Lothar Klering engagiert sich seit 2007 für den Bau solcher Klassenzimmer. In Benin gebe es nur Lehmhütten ohne Mobiliar, die in der Regenzeit nicht benutzbar wären, berichtet der pensionierte Gymnasiallehrer im Beisein von Bürgermeister Matthias Wittlinger. Er erzählt vom Wunsch dieser Kinder wie in Deutschland neun Jahre lang eine Schule besuchen zu können – rund 60 Prozent der Männer und 80 Prozent der Frauen in der Region können nicht lesen.

Seit 2004 macht es sich der Verein Sonafa zur Aufgabe, in entlegenen Orten Schulhäuser zu errichten – derzeit gibt es 113 Klassenräume in 32 Dörfern. Allerdings gibt es seitens des Vereins auch strenge Regeln. So muss sich die Dorfgemeinschaft dazu verpflichten, beim Bau des Gebäudes mitzuhelfen und sich zukünftig auch darum zu kümmern. Sie müssen die Baugrube ausheben, Wasser und Steine schleppen, um Mörtel herzustellen und den Boden der Zimmer für den anschließenden Estrich glätten. Finanziert wird das Bildungsprojekt, das für die Bewohner auch ein kleines Konjunkturprogramm ist, durch Spenden und den Verkauf von Märchenbüchern, die der Sonafa-Mitbegründer, der Germanistik- und Literaturprofessor Dr. Mensah W. Tokponto aus Benin, aus seiner Heimatsprache ins Deutsche übersetzt. Übrigens, „Sonafa“ bedeutet übersetzt: „Morgen wird es besser“. Mit Studenten aus unterschiedlichen Ethnien wertet er wissenschaftlich verschiedene Märchen des Landes aus, um diese dann der Öffentlichkeit in einer Märchenbibliothek zur Verfügung zu stellen.

Das Uhinger Stadtoberhaupt befürwortet das Hilfsprojekt, das wie er sagt, den Grundsätzen der Agenda „Global denken – lokal handeln“ entspricht und „ein stückweit Bildung nach Afrika bringt“. Zum Erreichen dieses Ziels haben sich die Agenda-Mitglieder ein Spendenhäuschen ausgedacht, das bis zum Jahresende dank der vielen geplanten Veranstaltungen im besten Fall mit 18 000 Euro gefüllt ist. So viel kostet das geplante Schulgebäude in Benin.

Eine weitere Gelegenheit, dieses Projekt zu unterstützen, bietet die Vernissage „Kunst im Rathaus“ am kommenden Donnerstag. „Wo ist Benin?“ fragen junge Künstler der Haldenberg-Realschule und nehmen die Besucher mit auf eine Reise in ein fernes Land. Die Ausstellung wird im Rathaus Uhingen am 14. März um 18 Uhr eröffnet.

20 Jahre Lokale Agenda in Uhingen

Entstehung Die Lokale Agenda in Uhingen besteht aus zwei Arbeitskreisen – einem für „Umwelt, Energie und Verkehr“ und einem für „Soziales, Bildung und Kultur“. Die Initiative gründete sich 1999. Sie folgte einem Aufruf der Vereinten Nationen, die 1992 in Rio de Janeiro die „Agenda 21“ verabschiedeten – ein Aktionsprogramm für eine globale und nachhaltige Entwicklung für das 21. Jahrhundert.

Verantwortung Lokale Agenden folgen dem Leitsatz „Global denken und lokal handeln“. Mit diesem Anspruch sollen in Uhingen und in anderen Kommunen die Ziele der „Agenda 21“ verwirklicht werden.