Projekt Klassenzimmer am Rande des Weltalls

Deggingen / Heike Siegemund 13.07.2018
Die Schüler der Klasse 9b der Degginger Realschule lassen einen Wetterballon 36.000 Meter hoch in die Atmosphäre steigen.

An einem aufsehenerregenden Projekt arbeitet derzeit die Klasse 9b der Degginger Realschule: Die Mädchen und Jungen bauen eine Transportbox aus Styropor, die an einem Wetterballon befestigt wird und beim Schulfest am Freitag, 20. Juli, 36. 000 Meter hoch – dreimal höher als Verkehrsflugzeuge fliegen – in die Atmosphäre steigen soll. „Klassenzimmer am Rande des Weltalls“: So heißt das Projekt, mit dem sich die Schüler um ihren Klassen- und Mathematiklehrer Fabian Herre seit Januar beschäftigen.

In der Transportbox, die die Größe einer Handtasche hat, befinden sich neben einem Klassenfoto drei kleine qualitativ hochwertige Kameras, zwei GPS-Sender, zwei Mobilfunkkarten und ein „Wissenschaftsmodul“, das Daten wie die Steighöhe, die Geschwindigkeit, die Route, die Temperatur und den Luftdruck aufzeichnet, erklärt Fabian Herre. Dieses technische Equipment mit einem Gewicht von 1,5 Kilogramm werde in der Box sorgfältig geschützt vor den extremen Umgebungsbedingungen im Weltraum. „Da oben hat es minus 40 Grad. Ich hoffe, die Technik macht mit“, sagt der Klassenlehrer. Von anderen Schulen, die dieses Projekt bereits durchgeführt haben, sei bekannt, dass die Kameras und die GPS-Sender einfrieren; „trotzdem sollen die Videoaufnahmen klappen“, zeigt sich Herre zuversichtlich.

Etwa zwei Stunden dauert es, bis der mit exakt 4192 Litern Helium gefüllte Ballon die Höhe von 36 Kilometern erreicht hat. Dann dehnt sich das Helium aus, sodass der Ballon platzt und die Transportbox an einem Fallschirm befestigt wieder Richtung Erde gleitet. Bis sie unten angekommen ist, vergehen „aufgrund des Atmosphärenwinds“ voraussichtlich drei Stunden, informiert der Klassenlehrer. Dann wird es spannend, die Box zu finden: Das Ganze ist so programmiert, dass im besten Fall ein Anruf auf die beiden Mobilfunkkarten ausreicht, um eine SMS zu erhalten und so über die GPS-Sender die Koordinaten der Transportbox zu erfahren. Dazu allerdings ist Handyempfang notwendig. Ansonsten sind die Schüler und Lehrer auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen: „Die Box ist beschriftet. Wenn sie jemand findet, ruft er uns hoffentlich an.“ Fabian Herre glaubt, dass die Box in der Gegend um Nürnberg wieder auf die Erde trifft, denn „wir haben meistens Westwind“, sagt er. „Der Alptraum wäre, wenn sie mitten im Bodensee oder auf einer Baumkrone in 20 Metern Höhe irgendwo im Schwarzwald landen würde.“

Technik im Wert von 2500 Euro

„Ich hätte nicht gedacht, dass so viel dran hängt – von der rechtlichen Frage über die finanzielle bis zur Durchführung an sich“, sagt Herre. Zum einen benötige man eine Genehmigung der deutschen Flugsicherung. Außerdem müsse man eine Luftfahrt-Haftpflichtversicherung abschließen für den Fall, dass die Transportbox bei der Landung einen Schaden anrichten sollte. Insgesamt liegen die Kosten, auch für die technische Ausrüstung, bei etwa 2500 Euro. Um das Projekt durchführen zu können, haben die Schüler Sponsoren gesucht: Zwölf Firmen aus der Region sponsern die Aktion; „im Gegenzug sind ihre Logos auf 200 Plakaten zu sehen, die die Schüler im Oberen Filstal an unterschiedlichen Stellen anbringen. Die Logos der drei Sponsoren, die am meisten Geld zur Verfügung stellen, prangen zudem an der Transportbox.

Ballon fliegt nur bei schönem Wetter – Alternativer Start am 24. Juli

Die Degginger Realschule veranstaltet alle zwei Jahre ein Schulfest, bei dem die Resultate einer Projektwoche präsentiert werden. „Wir haben beschlossen, dieses Mal etwas Besonderes zu machen, das mehr Außenwirkung hat“, erzählt Fabian Herre, Klassenlehrer der 9b. Im Internet sind er und seine Schüler auf die Aktion mit dem Wetterballon gestoßen, die zahlreiche bayerische Schulen – vor allem Gymnasien – schon ausprobiert hatten. Die Degginger Schüler waren sofort begeistert von der Idee. Am 20. Juli geht’s los: Dann lassen sie den Wetterballon um 14.30 Uhr im Pausenhof der Realschule steigen. Auch die Öffentlichkeit ist dazu eingeladen.

Fabian Herre und die Schüler hoffen auf zahlreiche Aufnahmen, die den außergewöhnlichen Blick auf den runden Erdball zeigen. So sehe man die Welt aus einer ganz anderen Perspektive, sagen beispielsweise Dejana, Rebecca, Henry, Janis und Niklas. Sie werden zusammen mit ihren Klassenkameraden und Lehrern die Videos und Daten anschließend während des Unterrichts auswerten.

„Bis jetzt gehen wir das Ganze entspannt an. Aber beim Schulfest sind wir bestimmt aufgeregt“, gesteht Klassensprecher Henry. „Es wäre enttäuschend, wenn die Aktion nicht klappen würde.“ So manche Unwägbarkeit gibt es noch, vor allem das Wetter sollte mitspielen. Bei Regen kann der Ballon nicht starten; dann wird die Aktion auf Dienstag, 24. Juli, verschoben.

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