Kreis Göppingen Kirschenzeit hat begonnen

Tobias Hösch hat seine Freude an der Kirschenernte 2018. Jetzt  soll’s noch sonnig und warm bleiben, und zwischendurch mal regnen.
Tobias Hösch hat seine Freude an der Kirschenernte 2018. Jetzt  soll’s noch sonnig und warm bleiben, und zwischendurch mal regnen. © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / Jüren Schäfer 07.06.2018
Die Natur ist ihrer Zeit voraus. Die Obstbauern könnten sich nach der Misere vom letzten Jahr über eine gute Ernte freuen.

Ja gibt’s denn jetzt schon Kirschen!“ freut sich die Kundin im Obstladen. Jawohl – gutes Wetter hat es möglich gemacht. Normalerweise ist Kirschenzeit von Mitte Juni bis Mitte Juli, sagt der Vorsitzende des Schlater Obst- und Gartenbauvereins, Tobias Hösch. Jetzt geht’s schon Anfang Juni los. Bis Ende des Monats soll das meiste gelaufen sein.

Dass es so gekommen ist, ist auch für den Fachmann verblüffend. Ende März war die Natur noch zwei Wochen hintendran, erzählt Hösch. Der Februar war ein kalter Gesell. Aber der sonnige April hat’s wieder hereingeholt, und die Natur ist im Turbogang geblieben. Hösch: „das hatten wir auch im starken Sommer 2007.“

Erste Kirschen gibt’s schon seit Tagen. Gestern ging’s im Betrieb von Tobias Hösch in die Vollen. Die frühe Sorte Georgia auf seiner 80 Ar großen Anlage unterhalb vom Wasserberg ist reif für den ersten Ernte-Durchgang. Viele Früchte sind schon so weit, andere brauchen noch ein bisschen. „Die Bäume werden mehrmals beerntet“, erklärt der Fachmann. Was er jetzt weiterhin braucht, ist  Sonne, Wärme, und dazwischen mal ein Regen.

 Was alles zum Wetterglück gehört: Dieses Jahr standen die Bäume recht kurz in der Blüte, acht bis zehn Tage. Nur diese Zeit blieb den Bienen, die Blüten zu bestäuben. Ein Problem in Zeiten des Bienensterbens? Hösch kann sagen: Es funktioniert. Er hat selber Bienenvölker und kann sie nach Bedarf in die Kirschen stellen. Sorge hatte er aber, ob die Befruchtung, die am Baum selber stattfinden muss, auch klappt. „Da ist Luftfeuchtigkeit gut.“  Das Ergebnis lässt ihn strahlen: „Es wird keine Jahrhunderternte, aber eine schöne.“ Das sollte für die ganzen Kirschenanbau im Kreis gelten, meint Hösch.

Das tut den Obstbauern tut. Im vorigen Jahr wurden sie kalt erwischt wie schon lange nicht mehr. Am 20. April brach Polarluft aus Skandinavien herein. Auch in die Schlater Bucht, die sonst vom Wetter begünstigt ist. Vier Grad minus – Kachelmann habe das exakt vorhergesagt, erinnert sich Hösch. Mit Ernte war dann nicht mehr viel. Die Obstbauern brauchten Hilfe vom Land.

Seither hat sich Hösch einen Wetterschutz zugelegt. Erstmals hat er  an seiner 80-Ar-Plantage eine Überdachung aufgezogen, die seine Kirschen vor dem Regen schützt. Weil Regen in der Erntezeit die Früchte aufplatzen lassen kann und sich dann Fäulnis bilden kann. Die Folie lässt aber auch Regen durch, in milder Form. Bei Trockenheit muss Hösch bewässern, gerade auch jetzt. Wie früher auch. 

Eine Kirschenüberdachung – das sind neue Zeiten für den Obstbau. Hösch greift auf die Erfindung eines Kollegen am Bodensee zurück. Der hat die Folie seit 2001 entwickelt, erzählt er. So etwas sei nicht einfach und habe seine Testphasen gebraucht. Hösch selber hat auch schon Folien aufgezogen, er weiß, wovon er spricht. Vielleicht, so denkt er, hilft ihm die Überdachung auch bei einem Kälteeinbruch. Hösch hat investiert, eine Arbeit ist das Aufziehen auch, und er wappnet sich noch anderweitig. In einer Plantage in Waldnähe will er Vögel vom Kirschenstibitzen mit Schreien von Raubvögeln abhalten, die aus dem Lautsprecher kommen. Ob’s funktioniert – bisher scheint es ihm so. Das ist für ihn eine Alternative zu Schreckschüssen, die es auch gibt.

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