Geislingen Kirchenkabarettist Okko Herlyn kritisiert

Geislingen / CLAUDIA BURST 03.07.2012
Den Stoff für sein Kabarett findet der evangelische Theologieprofessor Okko Herlyn im Alltag. In der Kirche genauso wie am Stammtisch. Herlyn sieht hin - und teilt aus. So auch am Samstag in der Stadtkirche.

"Unterhaltung, Satire, Ironie gibt es nirgends so günstig wie bei Kirchens". So lautet ein Satz aus einem der selbst komponierten Lieder von Okko Herlyn. Solche "Austeiler-Songs" streute der evangelische Theologieprofessor und Kirchenkabarettist am Samstagabend in der Geislinger Stadtkirche gekonnt zwischen seine scharfen Alltagsbeobachtungen.

Besser gesagt in seine All- und Sonntagsbeobachtungen. Denn mit seinem Programm "Hier stehe ich, ich kann auch anders" beleuchtete, kritisierte und reflektierte Okko Herlyn beim Bezirks-Kirchentag die Realsatiren "Ich und du", wie er sich selbst ausdrückte. Und zwar in Kirche genauso wie am Stammtisch. Dabei sah er genau hin, bevor er austeilte.

Spielte den "typischen" Familiengottesdienst nach, an dem sich die eifrige Shakira-Antoinette genauso beteiligte wie deren Mama und wo der Reißverschluss nachher zum aussagekräftigen symbolischen Mittelpunkt der Predigt mutiert. Einer Predigt, die allerdings ausfallen muss, weil Frau Thiele vom Frauenkreis signalisiert, dass die Waffeln bereits fertig sind. . .

Wie sein Programmtitel andeutet, streifte der Duisburger auch den Rummel um das Lutherjahr. Da habe Calvin seinen "Geburtstag neulich" doch viel bescheidener gefeiert. Allerdings gebe es auch für diesen Reformator verblüffende "Fan-Artikel" - Unterhosen mit dessen Namen habe er neulich entdeckt. Enge Unterhosen, deshalb stehe "Klein" gleich mit dabei.

Zahlreiche Lacher erntete Okko Herlyn bei den über 200 Besuchern - darunter viele Pfarrer - für seine Persiflage zum modernen evangelischen Sonntag-Morgen-Gottesdienst. "Schon das Warming-Up ist beeindruckend", legte er los und endete mit den wahren "Kabinettsstückchen, als welche sich so manche Predigt entpuppe".

Der Kabarettist wirkte allein mit Worten - Gestik, Mimik oder Requisiten setzte er nur äußerst sparsam ein. Dafür füllte er seine Gags und Pointen immer wieder mit Lokalkolorit. Komisch füllte er auch seine Wahrnehmungen beim "Frohen Alter": Ehre, wem Ehre gebührt: Wem gebührt sie? Na, dem Kranken, nein, dem Kränkeren.

Weniger komisch, dafür aber umso treffender seine Kritik am Einzelnen in Bezug auf undifferenzierte Betrachtungsweise und Vorurteile, auf Ausländerfeindlichkeit, auf die Wegschau-Mentalität. Kriege gebe es nicht mehr - nur noch waffengestützte Entwicklungshilfe. Eineinhalb Stunden zog der Kabarettist vom Leder, nicht immer zum Lachen, fast immer jedoch zum Nachdenken. Langer Beifall zollte ihm das verdiente Lob.