Ferienprogramm Kinder besetzen den Regiestuhl

Junge Schauspieler üben mit einer Theaterpädagogin in der Turnhalle der Marktschule in Ebersbach ihr Stück ein. Die Handlung dreht sich oft um fantastische Wesen wie Zauberer oder Einhörner.
Junge Schauspieler üben mit einer Theaterpädagogin in der Turnhalle der Marktschule in Ebersbach ihr Stück ein. Die Handlung dreht sich oft um fantastische Wesen wie Zauberer oder Einhörner. © Foto: Staufenpress
Ebersbach / LILLI ELL 03.08.2018

Es ist neun Uhr morgens und die 27 Kinder, 26 Mädchen und ein Junge sind mit Eifer bei der Sache. Eine Kreativgruppe arbeitet im Hof der Marktschule von Ebersbach, während eine Theatergruppe in der Turnhalle auf der Bühne steht. Nach der Pause wechseln sie, sodass jeder kreativ sein und schauspielern kann.

Das „Theater der besonderen Art“ bietet zum wiederholten Mal in Ebersbach ein Theaterprojekt für Kinder im Grundschulalter an. Angefangen hat es als ein Projekt der Stiftung Kinderland und ging dann einige Zeit später in ein städtisches Projekt in Zusammenarbeit mit der Musikschule Ebersbach/Schlierbach über.

Das ist für die Projektarbeit befriedigender, weil man so für das nächste Jahr den Kindern die Zusage geben kann, dass das Projekt wieder stattfindet. Dann gibt es eine Reihe von Kindern, die schon Erfahrung mit dem Projekt gemacht haben, was der Arbeit Stabilität und Kontinuität verleiht. Auch mit dem Ort Marktschule, deren Schulleiterin Antje Deckler und der Hausmeister sowie die Stadt Ebersbach und die Musikschule das Projekt wohlwollend unterstützen, haben die Veranstalter einen Glücksgriff getan.

In den ersten drei Tage entstehen allerhand kreative Sachen, die die Kinder aus den zahlreichen schwarzen Boxen mit Material selber auswählen können. Da werden Schatzkästchen aus Holz gebaut oder Stelzen, aber auch kleinere Dinge wie Bänder werden geflochten oder Muscheln aus bunten Filzresten hergestellt.

Sophia, sechs Jahre alt, gefällt besonders das Schauspielern. Sie arbeitet an einer Schatztruhe, die sie für Pferdeleckerli braucht. Das Flechten von Zöpfchen aus buntem Garn fällt gar nicht so leicht, da verdreht man schnell einmal die Fäden. Nila, sechs Jahre alt, sagt mit Kennerblick: „Meine Mutter kann gar nicht flechten, aber meine Tante. Ich habe ein bisschen Erfahrung.“ Sie macht eine Muschel aus lila Filzresten.

Zahlreiches Material ist vorhanden: Holz, Wolle, Filz, Stoffe, Pappe. Säge, Schraubstock, Bohrer, Hammer und Tacker kommen auch zum Einsatz. Selbständig, aber immer unter fachkundiger Anleitung werden die Werkzeuge angwandt. Allmählich aber werden Wünsche laut für das Theaterstück. Die eine oder andere Kulisse oder ein besonderes Accessoire werden gebraucht. Thomas Buttler, Barbara Schweizer und Helferin Sarah beraten, helfen, übernehmen auch hin und wieder, wenn es doch zu schwer wird für die jungen Kulissenbauer und Kostümbildner.

Die Theatergruppe probt in der Marktschul-Turnhalle auf der Bühne. Die Geschichte für die Aufführung steht schon seit dem ersten Tag. „Es sind so kreative Kinder, die es mir ganz leicht machen“, sagt Sabine, Schauspielerin und freiberufliche Theaterpädagogin. Noch muss sie eine Reihe von Rollen selber übernehmen, weil die Gruppe noch nicht als Ganzes auf der Bühne steht. Der Wald spielt eine Rolle, dafür holen sich die Kinder Material von den Bäumen im Schulhof, die Waldfee, der Marienkäfer, die Schnecke sind da. Die Hexe hat mit dem Hexen noch Probleme – aus dem Marienkäfer will partout kein Boot werden. Das muss sie noch üben. Aber bis zur Aufführung am heutigen Freitag ist ja noch ein bisschen Zeit. Auch das Einhorn hat einen Auftritt. Die Musik kommt aus der Konserve. Der fetzige „Egyptian Reggae“ begleitet die Waldbewohner, die zur Wüstenprinzessin wollen, die die Freunde erlösen kann.

Die Kinder haben viele Ideen und entwickeln sie selbst bestimmt. „Kreativität ist nicht an Material gebunden“, sagt Thomas Buttler. „Es macht Spaß“, das ist der einhellige Tenor der Kinder und der Betreuer. So darf man gespannt sein, wie das fertige Stück an diesem Freitag den Zuschauern in Ebersbach präsentiert wird.

Stück ist bis zum Schluss im Fluss

Abweichung In der klassischen Weise ist Theater mit einem fertigen Stück verbunden. Beim „Theater der besonderen Art“ entwickeln die Kinder ein Stück selber. Das ist Theater für Kinder, weniger für ein Publikum, es zählt der Prozess.

Inhalt Das Besondere ist, dass bis kurz vor der Aufführung noch alles im Fluss ist und verändert werden kann. Und es geht meistens um fantastische Sachen, etwa Zauberer, Hexen, Einhörner.

Beteiligte Die Leitung hat Thomas Buttler von der Kinderkulturwerkstatt Nürtingen und Barbara Schweizer, Schulsozialarbeiterin. Durch die Projektförderung am Beginn brauchte man einen Namen, so entstand der Titel
„Theater der besonderen Art“.

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