Mühlhausen Killer-Raben und Kannibalen in Mühlhausen gesichtet

Mit Baströckchen und schwarzer Wuschelfrisur wie frisch aus dem afrikanischen Dschungel entsprungen: das Mühlhausener Männerballett.
Mit Baströckchen und schwarzer Wuschelfrisur wie frisch aus dem afrikanischen Dschungel entsprungen: das Mühlhausener Männerballett. © Foto: Konstantin Heidemann
KONSTANTIN HEIDEMANN 17.02.2015
Der Heimatverein öffnete am Freitagabend den Mühlenhexen und Brühlkuckucks Tür und Tor in der Mühlhausener Gemeindehalle zur bunten Fasnet. Freitag der 13. war auch gleichzeitig das närrische Motto.

Bunte Fasnet in der Gemeindehalle Mühlhausen. Das Motto, passend zum Datum: Freitag, der 13. Schaurig verkleidete Gestalten unter Gästen und Akteuren verkörperten es bestens. Die Brühlkuckucks hatten sich in schwarze Killerraben mit langen Schnäbeln verwandelt und das Männerballett mutierte zu dunkel angemalten Kannibalen mit schrillen Masken.

Bevor das Abendprogramm startete, rockte die Tanz- und Partyband "Hot Chilly" mit Klassikern wie "Country Roads" und "Fiesta Mexicana". Die ersten lauten "Hossa"-Rufe schallten durch die Halle. Somit war das Warmup perfekt und Conferencier Jochen Seibold erhob sich nach der Vorhangöffnung, halbnackt im Schlafhäs aus dem Bett auf der Bühne und begrüßte mit einem gemeinsamen "Happy Birthday"-Ständchen Schultes Bernd Schäfer.

Hoch her ging es auf der Bühne, als sich zur gemeinsamen Premiere alle drei Garden des Mühlhausener Heimatvereins präsentierten: Die genial einstudierte Choreografie mit Rad und Spagat wurde vom Saal mit Jubel belohnt. Tanzmariechen Melina Korunn zeigte in einer gekonnten Soloeinlage, was sie schon drauf hat, wobei die Zuschauer begeistert mitklatschten.

Mit einem dreifachen "Kuckuck flieg" und ein paar lockeren Sprüchen hatte Sprecher Seibold die Programmpause schnell in eine Schunkelrunde verwandelt. Nach und nach füllte sich auch die Lücke vor der Bühne mit Tänzern.

Äußerst mystisch finstere Stimmung kam im Saal dann aber auf, als die Brühlkuckucks mit neuem Gewand an der Reihe waren. Hinter dem schwarzen Vorhang kündigte Manfred Führinger eine "Legende hier aus der Gegend" an. Eine Geschichte um den Tod eines Müllers, der offenbar nie begraben wurde. "Ein tödlicher Fluch der über Mühlhausen liegt, der Fluch des Hannibal Müller", zitierte Führinger. Dann trat Barbara Führinger ins düstere Rampenlicht und mit den Worten in die Bütt: "Wie jedes Jahr an dera Stelle, kommt Kuckucksender 'Fasnetswelle'. Mir missat den Fluch ganz dringend bezwinga, heit isch der Tag, da könnt's gelinga, au Du Bernd Schäfer kommsch et dromrom, es isch Freitag der 13., ond der Müller goht om." Als schreckliche, schaudernde Gestalt kam der Müller auf die Bühne, der zur Freude des Publikums auch noch spielerisch den Schultes umhaute. "Und jetzt kommt die Moral von dera G'schicht: Schaffts allein der Schultes nicht, sind in der Not für alle Fälle die Brühlkuckucks zur Stelle", schloss Führinger.

Zum vorletzten Highlight der närrischen Abendshow verausgabten sich die Mädchen der großen Garde, was ihnen mit viel Applaus gedankt wurde. Lustig präsentierten die Mühlenhexen ihre "Spitzenleistung der Pariser Modewelt", wie Sprecher Herbert Rey seine Models ankündigte. Die gute alte lange Feinrippunterhose sorgte als Schal, als Kopfbedeckung oder in der Bolero-Version für schallendes Gelächter.

Noch einen drauf legte das Männerballett, das mit einer Tanzeinlage im Kannibalen-Outfit und Speeren bewaffnet die Halle zum Toben brachten. Mit Baströckchen, Bananen und schwarzer Wuschelfrisur sahen sie aus wie frisch aus dem afrikanischen Dschungel entsprungen. Erst nach zwei Zugaben endete die Mühlhausener Gemeindefasnet, bevor die Mitternachtsbar öffnete.