Als "hochnotpeinlich" bezeichnet ein Weißensteiner die jetzt erfolgte Übergabe einer Wohnung in Donzdorf, die er Anfang September beziehen möchte. Es fehle die Duschkabine, die Endreinigung sei auch nicht vorgenommen worden. Insgesamt komme seit der Insolvenz der Firma Kellerbau das Projekt mit neun Wohneinheiten an der Donzdorfer Hauptstraße nicht mehr voran, stellt der Mann fest. Innen fehlten teilweise Treppengeländer und Teile der Balkongeländer. Auch die Außenanlagen wirken auf ihn wie ein Ödland, die Pflasterung von Wegen und Zufahrten gehe nicht weiter.

Dies bestätigt eine hiesige Gartenbaufirma, die über einen Subunternehmer die Pflasterarbeiten vornehmen lässt. Die Außenanlagen seien zwar fast alle fertig, man habe aber noch auf das Pflaster gewartet, sagt ein Mitarbeiter der Firma. Wegen der unsicheren Situation nach dem Insolvenzantrag wolle man jetzt erst einmal abwarten. Zumal die Firma jetzt ohnehin zwei Wochen Urlaubspause mache.

Das Projekt Stuttgart 21 ist ganz von der Auftragsliste der Firma Kellerbau verschwunden. Dort hatte das Süßener Bauunternehmen im März gemeinsam mit der Weilheimer Fischer GmbH den Auftrag für das Technikgebäude im Norden des Bahnhofs erhalten. Die Arbeitsgemeinschaft Fischer / Kellerbau war schon zweiter Auftragnehmer für das Technikgebäude. Zunächst hatte die Stuttgarter Firma Wolff und Müller Mitte 2010 von der Bahn den Zuschlag erhalten, den Auftrag aber im vorigen Herbst wieder zurückgegeben.

Das Technikgebäude soll einmal den künftigen Tiefbahnhof, den Bonatzbau und die S-Bahn versorgen. Der Bau des Technikgebäudes gilt als anspruchsvoll, da es sich laut einem Berichts der Stuttgarter Nachrichten in der Tiefe 7,5 Meter weit unter den Hauptbahnhof schiebt, weshalb die Fundamente des Altbaus abgestützt werden müssen. Im Internet kursieren nun zahlreiche Gerüchte, derzufolge sich die Süßener Firma, die 248 Mitarbeiter beschäftigt, an Stuttgart 21 verhoben habe. Solchen Einschätzungen tritt das Büro des Projekt-Sprechers Wolfgang Dietrich entgegen. Die Insolvenz hänge nicht mit dem Bau des Technikgebäudes zusammen.

Dietrich lässt zudem mitteilen, dass die Arbeiten an der Baugrube weitgehend abgeschlossen sind. Der Rohbau solle wie geplant bis Ende des Jahres stehen. Nach der Insolvenz hat sich die Firma Kellerbau aus der Arbeitsgemeinschaft zurückgezogen. Die Firma Fischer wird nun allein den Auftrag ausführen. Dazu können die Weilheimer offenbar auch Beschäftigte einsetzen, die bisher für Kellerbau gearbeitet haben, zum Beispiel den Bauleiter, der weiterhin auf der Baustelle zur Verfügung stehen werde, wie das S21-Kommunikationsbüro betont. Man habe den Bauleiter und die Mitarbeiter dem bisherigen Partner zur Verfügung gestellt, teilt der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Pluta mit. Sie blieben aber weiterhin Beschäftigte von Kellerbau. Für den Ausstieg aus Stuttgart 21 hat laut Pluta "kein sachlicher Grund" vorgelegen. "Der öffentliche Druck war zu groß", nennt der Insolvenzverwalter als Grund.

Während nach dem Insolvenzantrag erst einmal eine Inventur auf den Baustellen erforderlich war und Gespräche mit den Auftraggebern geführt werden mussten, seien jetzt viele Baustellen wieder in Gang gebracht worden, betont Pluta. Er und seine Mitarbeiter hätten dazu in den vergangenen Tagen viele Gespräche führen müssen.

Zu 99,5 Prozent abgeschlossen sind indessen nach Angaben eines Sprechers der Breuninger GmbH die Kellerbau-Arbeiten am Stammhaus des Unternehmens am Stuttgarter Marktplatz. Dort haben die Süßener den Roh- und Gerüstbau für neue Büros und Lagerräume an der Ostseite erledigt. In der Zusammenarbeit habe es keine Probleme gegeben, betont der Breuninger-Sprecher. Auch ein Kellerbau-Prokurist habe schriftlich den korrekten und fairen Umgang bestätigt.