"Großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit" - dieses Motto ist in großen Lettern in der Adelberger TSV-Halle aufgebracht. Von Einigkeit war jedoch dort am Donnerstagabend wenig zu spüren, was aber auch nicht anders zu erwarten war. Denn in der TSV-Halle fand die Bürgerversammlung vor dem Bürgerentscheid am Sonntag, 10. November, statt. Dann können die 1638 stimmberechtigten Adelberger darüber abstimmen, ob das Montemaris und der Campingplatz an die einzig interessierte Investorengruppe um Wolfram Wäscher verkauft werden soll.

Einigkeit herrschte schon deshalb naturgemäß nicht, weil Gegner und Befürworter des Vorhabens ihre Stellungnahmen abgaben, damit sich die zahlreich erschienenen Bürger eine Meinung für die Abstimmung bilden können. Dabei zeigte sich wieder einmal: Das Thema "Zukunft des Montemaris und des Campingplatzes" sorgt bei den Adelbergern für großes Interesse. Grob geschätzt 300 Bürger folgten der Einladung in die TSV-Halle - so viele, dass einige wegen des Brandschutzes in die angrenzende Gaststätte und auf den Vorplatz der Halle ausweichen mussten. Da Bürgermeisterin Carmen Marquardt von vorneherein sagte, dass sie im Bezug auf die anstehende Entscheidung nicht neutral sei - sie befürwortet den Verkauf an die Investorengruppe um Wolfram Wäscher - moderierte Jürgen Berner aus Baden-Baden die Versammlung.

Auf der Tagesordnung stand zunächst ein Rückblick auf die Ereignisse rund um Montemaris und Co. - Marquardt zeigte dazu einen rund 13-minütigen Film - und Kämmerin Beate Schleifer verschaffte den Anwesenden noch einmal einen aktuellen Überblick über die angespannte finanzielle Situation der Schurwaldgemeinde. Zudem stellte Investor Wäscher das Konzept für sein geplantes Projekt unter dem Arbeitstitel "Biovitalpark Adelberg" vor - angestrebt sind, so Wäscher, 120 000 Übernachtungen pro Jahr und eine Investitionssumme von 15 Millionen Euro. Diese genannten Zahlen bezweifelte sodann Sabine Beißwenger von der Bürgerinitiative (BI) "Forum Adelberg für Adelberg", der BI, die sich gegen einen Verkauf an die Investorengruppe ausspricht. Zudem bemängelte sie in ihrer Stellungnahme, dass Vertragsdetails bis heute nicht bekannt seien und stellte in Frage, ob der Kaufpreis von 850 000 Euro angemessen sei. Auch erwähnte sie, dass einige Projekte von Wäscher nicht so verlaufen seien, wie gewünscht und deutete an, dass möglicherweise noch Folgekosten auf die Gemeinde zukommen könnten, so beispielsweise bei der Erschließung.

Auch Andreas Weber sprach für das "Forum Adelberg für Adelberg". Er gab einen kritischen Rückblick auf die Geschehnisse und gemachten Fehler rund um das Montemaris in der Vergangenheit, und forderte, dass nun die Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde nicht mehr für den sanften Tourismus genutzt werden, sondern den Adelbergern zugute kommen.

Demgegenüber standen die Stellungnahmen von Klaus Bühler und Ahmet Papila von der BI "Attraktivität für Adelberg", der BI, die das Bürgerbegehren auf den Weg gebracht hatte und die die Investorengruppe um Wäscher als eine Chance für Adelberg ansieht. "Ich sehe keine vernünftige Alternative zu der Investorengruppe", sagte Bühler und machte sich stark für einen sanften Tourismus, auch im Hinblick auf den demografischen Wandel und die damit verbundene Attraktivität von Adelberg. Zudem attestierte er einigen Gemeinderäten eine Blockadehaltung und kritisierte, dass von den Gegnern keine umsetzbaren Alternativen aufgezeigt worden seien.

Dem widersprach Gemeinderat Andreas Roß von der Fraktion "Wir für Adelberg": "Ich kann nicht über einen Vertrag verhandeln, wenn mir die Details nicht bekannt sind." So seien beispielsweise noch immer nicht alle Namen der Investorengruppe öffentlich. Gemeinderat Peter Regelmann gab hingegen zu bedenken, dass ohne den Verkauf Steuererhöhungen auf die Adelberger zukämen.

Nach diesen Stellungnahmen konnte die Bürger Fragen stellen - ein Angebot, das reichlich genutzt wurde. Schließlich endete nach gut drei Stunden und einige Wortgeplänkeln später die Bürgerversammlung. Nun steht am 10. November die Abstimmung an. Somit haben es jetzt die Adelberger in der Hand, wie es mit dem Montemaris und den Campingplatz weiter geht.

Namen der Investoren noch nicht alle bekannt